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04.07.2016

18:31 Uhr

Türkei, Bangladesch, Irak

„Die IS-Terroristen schlagen zu, wo immer sie können“

Istanbul, Dhaka, Bagdad: Die IS-Terrormiliz schlägt in kurzer Abfolge in drei Städten zu. Damit will der Islamische Staat beweisen, wie stark und mächtig er noch immer ist. Das nächste Attentat dürfte bald folgen.

Der Zeitpunkt der Angriffe ist dabei kein Zufall, schließlich endet in dieser Woche der Fastenmonat Ramadan. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani hatte schon vor Beginn der für Muslime so wichtigen Wochen in einer über das Internet verbreiteten Audiobotschaft mit neuen Attentaten gedroht. AFP; Files; Francois Guillot

Mögliche Attentäter von Dhaka

Der Zeitpunkt der Angriffe ist dabei kein Zufall, schließlich endet in dieser Woche der Fastenmonat Ramadan. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani hatte schon vor Beginn der für Muslime so wichtigen Wochen in einer über das Internet verbreiteten Audiobotschaft mit neuen Attentaten gedroht.

BagdadDie Wucht des Anschlags war selbst für Bagdader Verhältnisse außergewöhnlich. Die Detonation der Autobombe in einem beliebten Einkaufsviertel der irakischen Hauptstadt tötete nicht nur mehr als 200 Menschen, sondern zerstörte auch ganze Gebäude. Wo ein Einkaufszentrum mit bunter Leuchtreklame stand, blieben nur noch ausgebrannte Mauern. In den sozialen Medien verbreiteten Iraker Fotos von ganzen Familien, die bei dem Anschlag ausgelöscht wurden. Mit den Attentat hat der Terror des Islamischen Staates (IS) einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der Angriff in Bagdad war der dritte Anschlag innerhalb kurzer Zeit, für den die Miliz verantwortlich gewesen sein dürfte. Erst attackierten drei Selbstmordattentäter den Istanbuler Flughafen und rissen 45 Menschen mit in den Tod. Dann folgte die Horrornacht in Bangladesch, als bei einer Geiselnahme 28 Menschen starben. Hinzu kommen vereitelte Anschläge im Golfemirat Kuwait.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Eine solche Serie von IS-Anschlägen sei „ohne Präzedenz“, sagt der Terrorexperte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Guido Steinberg. Einmal mehr stellte der IS unter Beweis, dass er längst global agiert und seinen Einflussbereich ausgedehnt hat.

Der Zeitpunkt der Angriffe ist dabei kein Zufall, schließlich endet in dieser Woche der Fastenmonat Ramadan. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani hatte schon vor Beginn der für Muslime so wichtigen Wochen in einer über das Internet verbreiteten Audiobotschaft mit neuen Attentaten gedroht. Während der Ramadan für die meisten Muslime eine Zeit der Familie und der Besinnung ist, nutzt der IS den Fastenmonat, um seinen „Heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ zu verschärfen.

Selbstmordanschlag im Irak

Bagdad: Das traurige Ende des Ramadans

Selbstmordanschlag im Irak: Bagdad: Das traurige Ende des Ramadans

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Die Terrormiliz reagiert mit solchen Attentaten auf die militärische Lage in Syrien und im Irak, wo die Extremisten zuletzt unter Druck geraten sind. Erst vor wenigen Wochen konnte die irakische Armee die IS-Hochburg Falludscha im Westen des Landes zurückerobern und damit auch eine wichtige Versorgungsroute der Miliz abschneiden. Täglich fliegen Jets der US-geführten internationalen Koalition in Syrien und im Irak Luftangriffe auf die Dschihadisten. Die Zahl der Opfern in den Reihen der Dschihadisten dürfte groß sein.

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