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04.09.2016

18:47 Uhr

Türkei bombardiert Kurden-Hochburgen

Viele Tote bei Gefechten mit PKK

Der Südosten der Türkei kommt nicht zur Ruhe: In zwei Provinzen kommt es zu schweren Gefechten mit der PKK. Die Regierung will der gebeutelten Kurdenregion mit einem Milliardenpaket unter die Arme greifen.

Die türkische Regierung unter Premier Binali Yildirim hat ein Milliardenprogramm angekündigt, um den kurdisch geprägten Osten und Südosten des Landes wirtschaftlich zu fördern. AFP; Files; Francois Guillot

Proteste in Diyarbakir

Die türkische Regierung unter Premier Binali Yildirim hat ein Milliardenprogramm angekündigt, um den kurdisch geprägten Osten und Südosten des Landes wirtschaftlich zu fördern.

IstanbulNach Gefechten im Süden und Osten der Türkei mit mindestens 20 toten Soldaten hat die Luftwaffe dort die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK angegriffen. Mehrere PKK-Kämpfer seien bei den Luftangriffen in der Nacht zu Sonntag getötet worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Darunter sei ein regionaler Anführer der Kurdenmiliz. Insgesamt habe die Luftwaffe zehn Ziele in der osttürkischen Provinz Van und in der südosttürkischen Provinz Hakkari bombardiert.

Die Regierung kündigte am Sonntag ein Förderpaket in Milliardenhöhe für den vom eskalierenden Kurdenkonflikt schwer betroffenen Osten und Südosten an. Bei einem Besuch in der Kurdenmetropole Diyarbakir sagte Ministerpräsident Binali Yildirim nach Angaben von Anadolu, die Regierung werde umgerechnet drei 3 Milliarden Euro investieren.

Yildirim versprach 80 neue Fabriken sowie 40.000 Arbeitsplätze und kündigte Investitionen im Verkehrs-, Energie- und Infrastrukturbereich an. Außerdem sollten neue Krankenhäuser, Schulen, Flughäfen und Stadien entstehen.

Die Kurden - ewiger Streit

Kurdengebiete

Das Kurdengebiet erstreckt sich vom Osten der Türkei über Syrien, bis in den Irak und Iran. Kurdische Nationalisten fordern seit jeher ein eigenes Staatsgebiet für die Kurden. Die Staaten in diesem Gebiet, allen voran die Türkei, lehnen das jedoch ab.

Tradition und Religion

Die Kurden sind eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Sprache, traditionellen Festen, Musik und Literatur und einer eigenen kurdischen Küche. Religiös sind die Kurden hingegen gespalten: Die Mehrheit der Kurden sind Sunniten. Daneben gibt es, wenn auch wenige, Schiiten, Jesiden, Christen und Juden.

Politik

In der Türkei, in Syrien und im Iran gründeten Kurden eigene Parteien, die jedoch zum Teil nur im Untergrund agieren können, da sie von den nationalen Regierungen unterdrückt werden. Die wohl bekannteste von ihnen ist die PKK in der Türkei. Nur die autonome Region Kurdistan, im Irak, hat ein eigenes Parlament und wählt ihren eigenen Präsidenten.

Türkei Konflikt

Der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK gilt als der längste Konflikt zwischen Kurden und der türkischen Regierung. Die PKK fordert seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einen unabhängigen Kurdenstaat. Diesen versucht sie, zum Teil auch gewaltsam, durchzusetzen. Die Türkei lehnt einen autonomen Kurdenstaat ab und ging ihrerseits immer wieder militärisch gegen die PKK vor. Die PKK wird von der der Türkei, von den USA und von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.

Sport

Die beliebteste Sportart in der autonomen Region Kurdistan ist Fußball. Vor zehn Jahren gründete sich der kurdische Fußballverband „Kurdistan Football Association“, in dem heute 24 Mannschaften spielen. Außerdem gibt es eine kurdische Fußballauswahl, die von der FIFA jedoch nicht anerkannt wird und deshalb nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf.

Im Sommer vergangenen Jahres war eine Waffenruhe mit der PKK zusammengebrochen. Seitdem eskaliert der Konflikt wieder.

Vor den jüngsten Luftschlägen wurden bei Gefechten in Van und Hakkari 20 Soldaten getötet und 34 weitere verletzt, wie die jeweiligen Provinzbehörden mitteilten. Anadolu berichtete vor den Luftangriffen unter Berufung auf abgehörten PKK-Funkverkehr, mehr als 100 PKK-Kämpfer seien in Hakkari „neutralisiert“ worden.

Eine Bestätigung der PKK dafür gab es nicht. Mit „neutralisiert“ meinen die türkischen Behörden „kampfunfähig machen“, was meist töten bedeutet, aber auch verletzen oder gefangennehmen heißen kann.

Von

dpa

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