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15.07.2017

13:28 Uhr

Türkei

Die wichtigsten Antworten zum Putschversuch

VonOzan Demircan

Ein Jahr liegt der Putschversuch in der Türkei zurück. Seither wurden tausende Erdogan-Gegner verhaftet, noch immer befindet sich das Land im Ausnahmezustand. Doch was hat sich sonst noch verändert? Ein Überblick.

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IstanbulDer Putschversuch in der Türkei vor einem Jahr hat das Land nachhaltig verändert. Gleichzeitig sind im Westen viele ratlos ob der Umstände, die zum Aufstand geführt haben. Wie lauten die Zusammenhänge zwischen Gülen, Erdogan und dem Umsturz? Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer war am Putschversuch beteiligt?

Anders als bei militärischen Umstürzen üblich war nur ein Teil der Armee beteiligt. Begonnen haben die Vorgänge damit, dass Soldaten – darunter vor allem Wehrdienstleistende – auf die Istanbuler Bosporus-Brücke geschickt worden sind, um sie zu blockieren. Es wird vermutet, dass zumindest ein Teil dieser Mannschaftler keine Ahnung gehabt hat, wofür sie eingesetzt wurden.

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Befehlshaber in der Kommandokette der Putschisten waren den bisher veröffentlichten Anklageschriften und Recherchen zufolge mehrere Generäle, die in der Luftwaffe, der Panzertruppe und der Gendarmerie des Landes eingesetzt waren. Darüber hinaus sind mehrere Zivilisten angeklagt, die der sogenannten Gülen-Bewegung angehören und den Putsch orchestriert haben sollen. Einer der Hauptbeschuldigten ist vor den Behörden geflohen.

Wie viele Personen sind bei dem Putschversuch gestorben?

Laut türkischer Regierung sind 249 Menschen in der Nacht zum 16. Juli 2016 umgekommen. Dazu zählen allerdings nicht diejenigen Soldaten, die den Umsturzversuch unternommen haben. In den Tagen nach den Vorfällen gab die Regierung die Zahl getöteter Putschisten noch mit rund 100 an. Später wurden dazu keine Angaben mehr gemacht. „Wir zählen Terroristen, die das Parlament bombardiert haben, nicht zusammen mit Menschen, die von Panzern überfahren wurden. Aus Respekt“, heißt es laut Nachrichtenagentur dpa zur Begründung. Ob jedoch einzelne beim Putsch eingesetzte getötete Soldaten überhaupt wussten, wofür sie eingesetzt worden waren, ist nicht bekannt.

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Alle – aus Sicht der Regierung „echten“ – Putschopfer, ob Zivilisten oder Soldaten, sind als „Märtyrer“ eingestuft worden. Das hat für die Hinterbliebenen zur Folge, dass sie Anspruch auf staatliche Unterstützung haben.

Wer ist für den Putschversuch verantwortlich?

Die türkische Regierung sowie ein Großteil der Medien und der Gesellschaft des Landes machen die Bewegung des Islam-Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Die Gülen-Bewegung existiert seit mehr als 40 Jahren und ist eine von mehreren Religionsgemeinschaften im Land. Mit seinem Fokus auf Bildung und einer strikten Hierarchie hat Gülen mit der Zeit eine kultivierte und loyale Gefolgschaft um sich herum aufzubauen.

Darüber hinaus betrieb er systematisch die Unterwanderung des Staatsapparates. Der türkische Enthüllungsjournalist Ahmet Sik, der zuletzt für die regierungskritische Zeitung Cumhuriyet geschrieben hatte, fand bereits 2011 heraus, dass 80 Prozent des türkischen Polizeiapparates der Gülen-Bewegung Folge leisteten.

Darüber hinaus wird vermutet, dass sich oppositionelle Kreise angeboten haben, den Umsturz zu unterstützen. Gülen selbst bestritt zuletzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, etwas mit den Putschplänen zu tun gehabt zu haben. Auch westliche Staaten haben zum Teil Zweifel an den Zusammenhängen. In Ankara stehen inzwischen 221 Menschen vor Gericht, darunter 27 ehemalige Generäle. Im Küstenort Mugla müssen sich 38 Armee-Mitglieder vor Gericht verantworten. Diese haben eine Beteiligung am Putsch zugegeben – bestreiten allerdings, Mitglieder der Gülen-Bewegung zu sein.

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