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23.03.2016

17:25 Uhr

Türkei

Drei Festnahmen nach Anschlagswarnung gegen Deutsche

Türkische Medien melden Festnahmen von IS-Verdächtigen, die Anschläge auf deutsche Einrichtungen geplant haben sollen. Wegen einer Terrorwarnung schließen derweil auch die Niederlande ihr Konsulat in Istanbul.

In der vergangenen Woche waren das deutsche Generalkonsulat und das Goethe-Institut in Istanbul, die deutsche Botschaft in Ankara und die deutschen Schulen in beiden Städten nach Terrorwarnungen vorübergehend geschlossen worden. Reuters

Deutsches Konsulat in Istanbul

In der vergangenen Woche waren das deutsche Generalkonsulat und das Goethe-Institut in Istanbul, die deutsche Botschaft in Ankara und die deutschen Schulen in beiden Städten nach Terrorwarnungen vorübergehend geschlossen worden.

IstanbulIn der Türkei sind im Zusammenhang mit Anschlagswarnungen gegen deutsche Einrichtungen nach Medienberichten drei mutmaßliche IS-Terroristen festgenommen worden. Sie würden verdächtigt, Angriffe „auf deutsche Vertretungen und die deutsche Schule“ geplant zu haben, meldete die türkische Nachrichtenagentur DHA. Aus deutschen Diplomatenkreisen wurden Festnahmen in diesem Zusammenhang am Mittwoch aber ausdrücklich nicht bestätigt.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die mutmaßlichen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien in Istanbul gefasst worden. Der türkische und der deutsche Geheimdienst hätten dabei zusammengearbeitet. Bei den Festgenommenen handele es sich um einen Türken, einen Syrer und einen Iraker. Der Iraker habe auf der Fahndungsliste der türkischen Sicherheitsbehörden gestanden.

Brüssel und die Folgen für Deutschland

Wie haben die deutschen Sicherheitsbehörden reagiert?

Wie andere EU-Staaten hat Deutschland seine Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Das heißt, es wurden zum Beispiel die Kontrollen im Grenzraum, an Flughäfen und Bahnhöfen intensiviert. Die Sicherheitsvorkehrungen an Airports wurden generell verstärkt.

Was passiert hinter den Kulissen?

Polizei und Geheimdienste schauen sich nochmals genauer die deutsche Islamisten-Szene an und suchen nach möglichen Querverbindungen zu den Tätern. Sie durchforsten das Internet nach Hinweisen und Reaktionen der Szene und tauschen sich öfter als üblich im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, wo 40 Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern vertreten sind. Nach den jüngsten Anschlägen in Europa war es auch verstärkt zu Durchsuchungen und Festnahmen gekommen, um Druck auf die Szene auszuüben. Das könnte nun wieder passieren.

Macht das die Islamisten nicht erst recht nervös und gefährlich?

Der Terrorexperte Rolf Tophoven hält das für möglich: Wenn der Fahndungsdruck zunehme, könnten sich Einzelne in die Enge getrieben fühlen, ihrem Auffliegen zuvorkommen und Anschlagspläne vorziehen. Er sieht die Attacken in Brüssel als direkte Reaktion auf die Festnahme des mutmaßlichen Top-Terroristen Salah Abdeslam - einen der Hauptverdächtigen für die Anschläge in Paris. Die belgische Polizei hatte den Mann am Freitag in Brüssel festgenommen. Tophoven meint, Abdeslams Umfeld habe nun wohl zeigen wollen, dass es auch nach dem Zugriff weiter handlungsfähig sei. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte ein, erfolgreiche Maßnahmen wie Festnahmen könnten dazu führen, dass Terroristen als Reaktion extra Anschläge begehen. Das dürfe aber niemanden vom Kampf gegen den Terror abhalten.

Was bedeuten die Anschläge für die Sicherheitslage in Deutschland?

Die Lage ist seit Monaten enorm angespannt. Schließlich wurden mehrere direkte Nachbarn Deutschlands in jüngster Zeit vom Terror heimgesucht. Die erneuten Attacken ändern an der Terrorgefahr für Deutschland im Grunde nichts. Die Bundesrepublik ist seit langem im Fokus islamistischer Terroristen. Die Sicherheitsbehörden betonen regelmäßig, dass auch hier ein Anschlag nicht auszuschließen sei.

Gibt es Bezüge der Täter zur deutschen Islamisten-Szene?

Bislang nicht. Es handele sich dabei aber nur um einen Zwischenstand, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch. Die Ermittlungen liefen schließlich noch. Großes Gefahrenpotenzial hat die deutsche Islamisten-Szene allemal. Mehr als 43 000 Menschen werden ihr zugerechnet. Mehr als 8600 davon sind Salafisten, die einen besonders konservativen Islam leben. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Gut 470 solchen „Gefährdern“ trauen sie potenziell zu, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Von den mehr als 800 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder in Deutschland – etwa 70 mit Kampferfahrung.

Wegen einer Terrorwarnung schlossen am Mittwoch die Niederlande vorübergehend ihr Generalkonsulat in Istanbul. Das Außenministerium in Den Haag forderte dazu auf, die Umgebung zu meiden. Das Konsulat liegt direkt an der Einkaufsstraße Istiklal, auf der am Samstag ein Selbstmordattentäter vier Menschen mit in den Tod gerissen hatte. Die türkische Regierung macht den IS dafür verantwortlich. Das Goethe-Institut schloss am Mittwoch wegen der Terrorwarnung des nahe gelegenen niederländischen Konsulats ebenfalls erneut.

In der vergangenen Woche waren das deutsche Generalkonsulat und das Goethe-Institut in Istanbul, die deutsche Botschaft in Ankara und die deutschen Schulen in beiden Städten nach Terrorwarnungen vorübergehend geschlossen worden. Der Istanbuler Gouverneur hatte die Maßnahmen als überzogen kritisiert.

Von

dpa

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