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25.04.2015

16:48 Uhr

Türkei empört über Gaucks Völkermord-Aussage

„Er hatte kein Recht dazu“

Wütende Worte aus der Türkei: Nachdem Bundespräsident Gauck die Massaker an Armeniern „Völkermord“ genannt hat, reagiert Ankara scharf. Rückendeckung kommt von Außenminister Steinmeier und Grünen-Chef Özedemir.

Protestierende zum 100. Jahrestag der Vertreibung und Massaker an den Armeniern durch das Osmanische Reich: Auch in kalifornischen Los Angeles sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Reuters

Demonstranten

Protestierende zum 100. Jahrestag der Vertreibung und Massaker an den Armeniern durch das Osmanische Reich: Auch in kalifornischen Los Angeles sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen.

Istanbul/Berlin/EriwanDie Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum „Völkermord“ an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. „Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen“, erklärte das Außenministerium in Ankara am späten Freitagabend.

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Das Staatsoberhaupt setzte sich damit über Bedenken hinweg, dass die Einordnung des damaligen Geschehens als Völkermord die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte.

Am Freitag schloss sich der Bundestag dieser Bewertung an. „Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) meldeten sich nicht selbst zu Wort.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich derweil als einer der ersten Spitzenpolitiker für eine zweite Amtszeit von Gauck ausgesprochen. „Ich habe eine klare Vorstellung, und das, was ich mir wünsche, ist, dass Joachim Gauck ein zweites Mal antritt“, sagte Steinmeier auf die Frage des „Spiegel“, ob er sich selbst vorstellen könnte, Bundespräsident zu werden. Ähnlich äußerte sich Grünen-Chef Cem Özdemir. Er lobte Gauck auf einem kleinen Parteitag der Grünen in Berlin als „großartigen Bundespräsidenten“. Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte er: „Wenn er möchte, hat er unsere hundertprozentige Unterstützung.“

Die Türkei reagierte scharf auf die Worte von Gauck: Dieser habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor „langfristigen negativen Auswirkungen“ auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Die Südkaukasusrepublik Armenien gedachte gemeinsam mit Kremlchef Wladimir Putin und dem französischen Präsidenten François Hollande der Gräueltaten. Auch in Jerusalem, Beirut und Istanbul gab es Gedenkveranstaltungen.

Die Bundesregierung rief zum 100. Jahrestag der Vertreibung und Massaker an den Armeniern durch das Osmanische Reich die Türkei und Armenien zur Versöhnung auf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Deutschland wolle beide Seiten bei der Annäherung unterstützen.

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Die Massaker im Osmanischen Reich begannen am 24. April 1915 mit der Verhaftung Hunderter Intellektueller in Konstantinopel (Istanbul). Im Kampf gegen das christliche Russland warf die osmanische Regierung den Armeniern vor, mit dem Feind zu paktieren. Nach Schätzungen kamen zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

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