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18.12.2015

16:57 Uhr

Türkei

Erdogan startet Offensive gegen PKK

Der türkische Präsident hat angekündigt, die PKK zu vernichten. Nun macht Erdogan offenbar ernst. 10.000 Soldaten und Polizisten gehen in den Städten Silopi und Cizre gegen die kurdischen Rebellen vor.

Die PKK, die in der Türkei, der Europäischen Union (EU) und den USA als terroristische Organisation gilt, kämpft seit drei Jahrzehnten für einen eigenen Kurdenstaat. ap

Recep Tayyip Erdogan

Die PKK, die in der Türkei, der Europäischen Union (EU) und den USA als terroristische Organisation gilt, kämpft seit drei Jahrzehnten für einen eigenen Kurdenstaat.

DiyarbakirMit einem massiven Militäreinsatz geht die Türkei in den Städten Silopi und Cizre im Südosten des Landes gegen kurdische Rebellen vor. Presseberichten zufolge wurden in drei Tagen bis Freitag 55 Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet, 49 in Cizre und sechs in Silopi. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte ankündigt, die PKK-Kämpfer würden vernichtet.

In den beiden Städten gilt seit Montag eine Ausgangssperre. An dem großangelegten Einsatz der Sicherheitskräfte sind nach Medienberichten 10.000 Soldaten und Polizisten beteiligt. Auch Panzer kamen zum Einsatz. In Cizre an der syrischen Grenze waren Schüsse zu hören. Von einigen Gebäuden stieg Rauch auf. Ein Hubschrauber flog über der Stadt.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

Zu heftigen Auseinandersetzungen kam es auch in der größten Stadt der Region, Diyarbakir. Polizisten gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Tausende kurdische Demonstranten vor, die gegen den Militäreinsatz protestierten.

Ein Führungsmitglied der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) rief zu einem „ehrenhaften Widerstand“ gegen die Polizei- und Militäraktionen auf. „Wenn sie glauben, sie können uns dazu bringen zurückzuweichen, wenn sie uns eine Panzerkanone zeigen, dann liegen sie falsch“, sagte der HDP-Ko-Vorsitzende Selahattin Demirtas. „Wir fürchten nur Gott“, sagte er und fügte hinzu: „Wir rufen alle gesellschaftlichen Gruppen auf, Widerstand in den Gebieten Kurdistans zu leisten.“

Die PKK, die in der Türkei, der Europäischen Union (EU) und den USA als terroristische Organisation gilt, kämpft seit drei Jahrzehnten für einen eigenen Kurdenstaat. Vor zwei Jahren einigte sie sich mit der türkischen Regierung auf einen Waffenstillstand. Nachdem bei der Wahl im Juni die HDP ins Parlament eingezogen war und die AK-Partei von Erdogan die absolute Mehrheit verloren hatte, ging die Armee wieder gewaltsam gegen die PKK vor. Daraufhin erklärte die PKK, sie halte sich auch nicht mehr an den Waffenstillstand.

Von

rtr

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