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24.03.2014

16:11 Uhr

Türkei

Erdogan weitet Twitter-Sperre aus

Der türkische Ministerpräsident wird offenbar zunehmend nervös: Seine bisherige Blockade des Nachrichtendienstes Twitter ließ sich noch relativ einfach umgehen. Nun verfeinert er seine Werkzeuge der Zensur.

Ein Riss im System: Am 30. März sind Kommunalwahlen in der Türkei, vorher will Regierungschef Erdogan möglichst wenig Kritik im Netz. Reuters, Sascha Rheker

Ein Riss im System: Am 30. März sind Kommunalwahlen in der Türkei, vorher will Regierungschef Erdogan möglichst wenig Kritik im Netz.

IstanbulDie türkischen Behörden schneiden ihre Bürger immer mehr vom Kurznachrichtendienst Twitter ab. Nun sei auch Twitters Linkverkürzer t.co gesperrt, berichteten türkische Medien am Montag. Damit werden beim Klick auf solche über Twitter verkürzte Links die Websites dahinter nicht mehr aufgerufen.

Viele Nutzer hatten die in der Nacht zum Freitag eingeführte Blockade zunächst umgangen. Die türkischen Behörden setzten auf eine DNS-Sperre: Das heißt, bei den einheimischen Internet-Providern wurde die Übersetzung der Web-Adresse twitter.com in den entsprechenden IP-Zahlenblock verhindern, so dass die Homepage nicht erreicht wurde. Wer die IP-Adresse kannte oder alternative DNS-Dienste nutzte, kam trotzdem ans Ziel.

Seit dem Wochenende werde Twitter auch direkt über die IP-Adresse blockiert, hieß es. Zudem habe die Regierung Umgehungen der Sperre über alternative DNS-Server wie Google DNS blockiert. Ein DNS-Server löst einen eingetippten Domainnamen wie twitter.com in die technische Adresse (IP-Adresse) auf. Wer Google als DNS-Dienst in seinem Browser eingetragen hatte, konnte auch in der Türkei wie bisher auf einfache Weise auf twitter.com gehen, ohne die IP-Adresse von Twitter kennen zu müssen. Twitter kann allerdings noch über sogenannte VPN-Dienste erreicht werden, die einen verschlüsselten Tunnel zum Internet herstellen.

Erdogan gegen Twitter, Facebook und Co.

5./6. Februar 2014

Das türkische Parlament nimmt einen Gesetzentwurf der Regierung für eine verschärfte Internetkontrolle an. Demnach dürfen Behörden Seiten auch ohne richterlichen Beschluss sperren.

25. Februar

Erdogan bezeichnet auf YouTube veröffentlichte Telefonmitschnitte als Fälschungen. Zu hören ist angeblich, wie er seinen Sohn auffordert, große Geldsummen vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen.

5. März

Erdogan bestätigt laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass die über YouTube verbreitete Aufnahme eines seiner Telefongespräche echt ist. Darin geht es um einen Prozess gegen den Medienunternehmer Aydin Dogan, mit dem die türkische Regierung zeitweise zerstritten war.

6. März

Nach der Veröffentlichung zahlreicher kompromittierender Telefonmitschnitte droht Erdogan in einem Interview des Senders ATV mit der Blockade von Facebook und YouTube. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden weitere Schritte unternommen.

11. März

Erdogan relativiert in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“: Eine vollständige Sperre komme nicht infrage.

20. März

Laut Nachrichtenagentur Anadolu droht Erdogan: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht.“

21. März

Der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wird gesperrt.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist durch eine Reihe von Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten. Er hatte den für seine politischen Gegner wichtigen Kommunikationskanal Twitter wenige Tage vor der am 30. März geplanten türkischen Kommunalwahl blockieren lassen. Die Twitter-Sperre stieß bei westlichen Regierungen und der EU auf scharfe Kritik. Auch der türkische Staatschef Abdullah Gül verurteilte die Sperrmaßnahme.

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Der türkische Premier Erdogan macht seine Drohung wahr und sperrt den Kurznachrichtendienst Twitter. Mit aller Macht versucht er, Justiz und Medien unter seine Kontrolle zu bringen – und spielt mit dem Feuer.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.03.2014, 16:57 Uhr

getroffene Hunde bellen.

Account gelöscht!

24.03.2014, 17:31 Uhr

Da kann man nur hoffen, dass auch der letzte Türke realisiert, welcher "Demokrat" da an der Regierung ist. Kein Wunder, dass sich mancher Türke in Deutschland wohler fühlt und die deutsche Staatsangehörigkeit lieber heute als morgen haben möchte.

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