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15.05.2018

11:25 Uhr

Türkei

Erdogan will Geldpolitik an sich reißen – Lira fällt auf Rekordtief

In Europa gilt die Unabhängigkeit der Zentralbank. Staatspräsident Erdogan will dieses Konzept in der Türkei aushebeln – die Währung reagierte prompt, Staatsanleihen flogen aus den Depots.

Türkei: Erdogan will Geldpolitik übernehmen, Lira auf Rekordtief dpa

Türkischer Präsident

Im Juni will sich der türkische Präsident in seinem Amt bestätigen lassen.

LondonDer türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Notenbank im Falle eines Wahlsiegs im kommenden Monat stärker unter seine Fittiche nehmen. Er geht davon aus, dass die Währungshüter dann seinem Wunsch nach niedrigeren Zinsen folgen werden.

Die Zentralbank bleibe zwar auch nach der Umstellung auf das Präsidialsystem in der Türkei unabhängig, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV am Montagabend in London. Doch die Währungshüter könnten die vom Staatsoberhaupt ausgehenden Signale nicht ignorieren, sobald das neue System etabliert sei.

Erdogan, nach eigenem Bekunden ein „Feind der Zinsen“, begründet seinen Anspruch auf Mitsprache in geldpolitischen Fragen mit einer Rechenschaftspflicht gegenüber den Bürgern. Diese seien schließlich von Zinsentscheidungen der Notenbank direkt betroffen.

Wenn die Bevölkerung wegen der Politik der Zentralbank Probleme habe, würde sie den Präsidenten dafür verantwortlich machen. Daher müsse er eingreifen. Dies sei für einige eine „ungemütliche“ Vorstellung, sagte Erdogan. Aber: „Wir müssen da das Bild eines in der Geldpolitik effizienten Präsidenten vermitteln.“

Die Türkei leidet unter einem hohen Leistungsbilanzdefizit und einer Inflation von mehr als zehn Prozent. Erdogan sagte, die Zinsen seien die Ursache des Preisauftriebs. „Je niedriger der Zins ist, desto niedriger wird die Inflation ausfallen.“

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Die türkische Notenbank hatte zuletzt die Zinsen leicht erhöht, um gegen die hohe Inflation und die schwache Währung anzukämpfen. Doch die türkische Währung geriet nach den Aussagen Erdogans unter Druck, sowohl zum Euro als auch zum Dollar fiel die Währung auf ein neues Rekordtief.

Für einen Dollar mussten im frühen Handel bis zu 4,3981 Lira bezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Damit beschleunigt sich die Abwertung der Lira weiter. Anfang April kostete ein Dollar noch rund 4 Lira und Anfang des Jahres noch rund 3,8 Lira.

Gleichzeitig flogen türkische Staatsanleihen aus den Depots der Anleger. Dadurch erreichte die Rendite der zehnjährigen Titel mit 14,46 Prozent den höchsten Stand seit mindestens acht Jahren. Der Leitindex der Istanbuler Börse büßte im europäischen Vergleich überdurchschnittliche 0,8 Prozent ein.

Der konservativ-islamische Politiker hatte im vergangenen Jahr knapp eine Volksabstimmung gewonnen, in der sich die Türken für die Einführung einer exekutiven Präsidentschaft aussprachen. Das Amt wird allerdings erst nach der Wahl mit den neuen Befugnissen ausgestattet.

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Kommentare (18)

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Jo Black

15.05.2018, 11:13 Uhr

Medien und die Geldpoitik kontroliieren, bedeutet die Menschen zu kontrollieren. Erdogan hat halt von den Besten (im Westen) gelernt.

Herr Cama Fox

15.05.2018, 11:16 Uhr

Die Erhöhung der Leitzinsen in den USA wird die Türkei noch richtig zu schaffen machen. Die Lira fällt seit Jahren und ein Trendwechsel ist nicht zu erwarten. Wo sollte der auch herkommen?

Herr Hans Send

15.05.2018, 11:43 Uhr

Mr.Erdogan, bitte so weitermachen......

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