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17.08.2016

08:13 Uhr

Türkei

Erdogans Alptraum vom Kurdenstaat

VonGerd Höhler

Im Inneren der Türkei brodelt es: Die Erfolge der kurdischen Kämpfer im Kampf gegen den IS machen einen Kurdenstaat realistischer. Doch den will der türkische Präsident verhindern. Das schürt den Hass auf beiden Seiten.

Der türkische Präsident lässt sich nach dem Putschversuch feiern, doch in seinem Land ist es alles andere als ruhig. AP

Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident lässt sich nach dem Putschversuch feiern, doch in seinem Land ist es alles andere als ruhig.

AthenIn Syrien feiern die Milizen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG beachtliche Erfolge im Kampf gegen die IS-Terrormiliz: Nachdem sie den Dschihadisten bereits im Februar 2015 nach monatelanger Belagerung die Stadt Kobane entrissen, gelang es den Kurdenmilizen jetzt in erbitterten Häuserkämpfen, den IS auch aus der Stadt Manbidsch zu vertreiben.

In der türkischen Hauptstadt Ankara will aber keine Freude aufkommen. Denn mit der Befreiung von Manbidsch kommen die syrischen Kurden ihrem Ziel einer Autonomieregion im Norden Syriens einen großen Schritt näher. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will die Autonomiebestrebungen der syrischen Kurden mit allen Mitteln durchkreuzen. Er sieht darin die Keimzelle eines Kurdenstaats, der sich eines Tages vom Norden Syriens über die Südosttürkei bis in den Irak und den Iran erstrecken könnte.

Montag, 15. August. Tatort: Die Fernstraße D370. Sie verbindet die türkische Kurdenmetropole Diyarbakir mit dem 110 Kilometer östlich gelegenen Batman. Vor einer Polizeistation in der Nähe des Dorfes Sükürlü stoppt gegen 13.10 Uhr ein mit Sprengstoff beladener Lieferwagen – und fliegt in die Luft. Die Explosion reißt einen fünf Meter tiefen Krater in die Straße. Das dreistöckige Gebäude der Polizeistation wird völlig zerstört, zwei benachbarte Tankstellen tragen schwere Schäden davon. Fünf Polizisten und zwei Zivilisten kommen ums Leben, unter ihnen ein Kleinkind.

Solche Anschläge sind in der türkischen Kurdenregion fast an der Tagesordnung, seit der Friedensprozess im Sommer 2015 zusammenbrach. Aber das Datum des Attentats bei Sükürlü war kein Tag wie jeder andere. Am 15. August jährte sich zum 32. Mal der Beginn des bewaffneten Kampfes der kurdischen Arbeiterpartei PKK für einen eigenen Kurdenstaat. Im Kurdenkrieg sind seit 1984 bereits mehr als 45.000 Menschen ums Leben gekommen. Aber selten wurde so unerbittlich gekämpft wie seit dem Herbst 2015.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Bei Anschlägen der PKK starben in den vergangenen Monaten in der Kurdenregion Hunderte Soldaten und Polizisten. Mit massiven Boden- und Luftoffensiven der Streitkräfte versucht Erdogan, die Kämpfer der PKK zu „neutralisieren“. Die Zerstörungen in Kurdenstädten wie Cizre, Silopi, Nusaybin und auch in Teilen der Altstadt von Diyarbakir erinnern an Bilder aus dem syrischen Bürgerkrieg. Zehntausende sind obdachlos, Hunderttausende auf der Flucht. Auf beiden Seiten wächst der Hass.

Kommentare (43)

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Account gelöscht!

17.08.2016, 08:30 Uhr


Opposition: "Schreit nach Wende"
Bundesregierung stufte Türkei-Papier als "geheim" ein, um Erdogan nicht zu reizen
Der Fall wirft viele Fragen auf: Die Linke stellte im Bundestag eine Anfrage zu den Verbindungen Erdogans zu terroristischen und islamistischen Organisationen. Einen Teil ihrer Antwort stufte die Bundesregierung als geheim ein - "aus Gründen des Staatswohls". Die Opposition ist empört: Es könne nicht angehen, dass man in der Öffentlichkeit Erdogan als Partner bezeichne, „während man intern vor der Türkei als Drehscheibe des bewaffneten Islamismus warnt“

Einen Teil ihrer Antwort stufte die Bundesregierung als geheim ein - "aus Gründen des Staatswohls"= ZU EINFACHE ANTWORT=ZU FAULE AUSREDE !

Man muss nicht Türkischer Staatsbürger sein um diese „ EU „ zu kritisieren !
Bei der Bundeskanzlerin da schimpft Deutschland auf die NSA wegen Spionage ?
Was soll dann Erdogan jetzt sagen zu den deutschen ( Freunden ? ) ???


Und mit den EU-Mitgliedsstaaten ist es immer das gleiche...
bringt man Gelder in die EU dann bist Du Freund...

will aber jetzt die Türkei die 3 MILLIARDEN EURO VON DER EU HABEN für die Flüchtlinge ...dann ist sogar die Türkei fördernd für Terrorismus ???

MIT WELCHE DOPPELTE MORAL ARBEITET MAN IN DER EU ?
Waren die Fakten nicht vorher bekannt bevor die Bundeskanzlerin einen Deal mit der Türkei ausmachte ?
UND DA MACHTE DEUTSCHLAND EINEN DEAL MIT EINEM LAND DASS TERRORISTEN UNTERSTÜTZEN WÜRDE ???

In den siebziger Jahren würde sofort die Vertrauensfrage gestellt werden und die Bundeskanzlerin müsste sofort den Amt räumen !!!

WEIL MAN DAS PARLAMENT NICHT ORDNUNGSGEMÄß INFORMIERTE BEVOR MAN EINEN DEAL AUSMACHTE ???

Denn Scheinbar sind dann nicht einmal Deutsche Politiker informiert ?
Und sollen aber dann mit regieren ?

„ SOFORT VERTRAUENSFRAGE STELLEN !!!!! „

Herr SEEHOVER zu BUNDESKANZLER MACHEN !

Herr Hans Mayer

17.08.2016, 08:33 Uhr

Unsere "Weltbeste Bundesregierung, ever" sollte mal auf die AfD hören, die hätten denen bereits vor vielen Monaten sagen können mit welch einem Schurkenstaat Merkel gerne zusammenarbeitet.
Nun bekommen wir ja auch hier diese Innertürkischen Probleme, in Wien hat man sie bereits, wie man bei KOPP-Online nachlesen kann.
Bunt ist es dort bereits geworden, vielen bereits zu Bunt.
Alle Türken ab zum Sultan, bekommt der zur Abwechslung mal Menschen geschenkt.

Account gelöscht!

17.08.2016, 08:33 Uhr

Erdogan könnte auch von Deutschland behaupten dass man Terroristen unterstütze ?

denn wenn der Krieg mit dem IS fertig ist dann sind diese Kämpfer der PKK in bester Form und könnten sich dann gegen die Türkei richten ?

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