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07.11.2013

13:48 Uhr

Türkei

Heftiger Streit um gemischte Studentenheime

Weibliche und männliche Studenten können in der Türkei unter einem Dach leben – noch. Denn der Regierungschef des Landes, Recep Tayyip Erdogan, hat die Situation kritisiert: Dabei geht es nicht nur um den Sittenverfall.

Eingriff in das Privatleben der Studenten: Laut Vizeregierungschef Bekir Bozdag sei der Schutz Jugendlicher ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite. ap

Eingriff in das Privatleben der Studenten: Laut Vizeregierungschef Bekir Bozdag sei der Schutz Jugendlicher ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite.

IstanbulDer islamisch-konservative Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat mit Kritik an gemeinsamen Studentenheimen für Frauen und Männer Empörung in der Türkei ausgelöst. Oppositionspolitiker warfen Erdogan vor, sich immer mehr in das Privatleben einzumischen und sich als Sittenwächter aufzuführen. Dagegen kündigten Regierungspolitiker an, gegen gemischte Wohnheime vorzugehen, wie türkische Medien am Donnerstag berichteten.

Vizeregierungschef Bekir Bozdag sagte, der Schutz Jugendlicher sei ein Auftrag, der sich aus der Verfassung ableite. Provinzpolitiker der Regierungspartei AKP erklärten, es gebe Beschwerden der Bevölkerung. Auch aus der AKP wurden aber Bedenken gegen Äußerungen Erdogans laut.

„Männliche und weibliche Studenten leben in denselben Unterkünften. Das wird nicht überprüft“, hatte Erdogan erklärt. Innenminister Muammer Güler sagte, das Wohnen unter einem Dach sei Keimzelle für Terrorismus, Prostitution und Kriminalität.

Türkei - ein wichtiger Handelspartner für Deutschland

Wichtiger Exportpartner

Die Türkei gehört seit Jahren fest zum Kreis der 20 wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Insbesondere beim Export ist die Bedeutung der Türkei in den letzten zehn Jahren gewachsen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben sich die Ausfuhren deutscher Unternehmen in die Türkei 2011 gegenüber 2001 fast vervierfacht. Der Wert der exportierten Waren lag 2011 bei 20,1 Milliarden Euro.

Einfuhren fast verdoppelt

Der Wert der Importe von der Türkei nach Deutschland lag 2011 bei 11,7 Milliarden Euro. Der deutsche Außenhandelssaldo mit der Türkei wies damit ein Plus von rund 8,4 Milliarden Euro aus. Rund 5.600 deutsche Firmen sind in der Türkei vertreten.

Was die Türkei nach Deutschland liefert

Bekleidung machte in 2011 über ein Viertel aller Einfuhrgüter aus der Türkei aus (3,2 Milliarden Euro beziehungsweise 27,3 Prozent aller Einfuhren aus der Türkei), hier vor allem Oberbekleidung und Wäsche. Aber auch Kraftwagen und Kraftwagenteile wurden eingeführt. Ihr Wert belief sich auf 1,4 Milliarden Euro (11,9 Prozent). Ein weiteres wichtiges Einfuhrgut waren Maschinen (1,3 Milliarden Euro beziehungsweise 10,7 Prozent der Einfuhren aus der Türkei im Jahr 2011).

Was Deutschland in die Türkei liefert

Im Jahr 2011 wurden vor allem Kraftwagen und Kraftwagenteile (5,1 Milliarden Euro beziehungsweise 25,3 Prozent der deutschen Ausfuhren in die Türkei) in die Türkei exportiert. Daneben wurden vor allem Maschinen im Wert von 3,8 Milliarden Euro (18,8 Prozent) sowie chemische Erzeugnisse (2,3 Milliarden Euro beziehungsweise 11,7 Prozent) in die Türkei ausgeführt.

Beliebtes Reiseziel

Die meisten Touristen in der Türkei kommen mit fast fünf Millionen Besuchern aus Deutschland. Überhaupt hat der Tourismus in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Von der Europäischen Union und einem Beitritt sehen manche Beobachter das Land sich jedoch wegbewegen - auch wenn der türkische Premier Erdogan an dem Beitrittsziel festhält.

Die säkulare Opposition in der Türkei wirft Erdogan vor, eine schrittweise Islamisierung zu betreiben. Kritik gibt es auch an seinem autoritären Regierungsstil. Im Sommer gab es in vielen Provinzen heftige Demonstrationen gegen Erdogan und seine Partei. Die Polizei geht weiter mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Proteste vor, die inzwischen aber abgeflaut sind.

Von

dpa

Kommentare (5)

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elly

07.11.2013, 17:14 Uhr

Die Rückwärtsrolle, die sich in der Türkei abzeichnet,trägt nicht dazu bei, dass die EU dieses Land aufnehmen kann!

Unglaublich wie anmaßend diese verbohrten Typen sind! Da es bei uns schon lange normal ist, dass beide Geschlechter bestimmen wo, wie und mit wem sie wohnen und leben wollen, wäre ein Blick in den Westen doch hilfreich für Erdogan!

Warum glauben eigentlich gewählte Politiker, dass sie den Menschen diktieren dürfen wie sie leben dürfen???

Numismatiker

07.11.2013, 17:43 Uhr

Die Türkei gehört nach wie vor kullturell nicht zu Europa.

Account gelöscht!

07.11.2013, 19:11 Uhr

Eigentlich schon. Der Blätterteig und der Kaffee sind nur zwei Beispiele. Und die vielen braunen Augen bei Deutschen: die Türken standen vor Wien.

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