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31.08.2016

15:39 Uhr

Türkei in Nordsyrien

Offensive gegen Kurden soll trotz US-Kritik fortgesetzt werden

Die Türkei lässt sich von der Kritik des Nato-Partners USA an ihrem Einsatz gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien nicht beeindrucken. Regierungschef Binali Yildirim kündigte eine Fortsetzung der Militäroffensive an.

Die Militäroffensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien soll fortgesetzt werden. dpa

Türkische Armee

Die Militäroffensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien soll fortgesetzt werden.

KarkamisDie Türkei will trotz Kritik des Nato-Partners USA ihre Offensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien fortsetzen. Der Einsatz werde vorangetrieben, bis alle Bedrohungen beseitigt und die nationale Sicherheit gewährleistet sei, sagte Regierungschef Binali Yildirim am Mittwoch. Vor einer Woche war die türkische Armee in Syrien eingerückt, um nach eigenen Angaben die Extremistenmiliz IS sowie die Kurdenmilizen dort zu bekämpfen. Dem Präsidialamt zufolge soll entlang der türkisch-syrischen Grenze ein 90 Kilometer breiter Streifen geschaffen werden, in dem es keine IS-Kämpfer mehr gibt.

Die Kurden - ewiger Streit

Kurdengebiete

Das Kurdengebiet erstreckt sich vom Osten der Türkei über Syrien, bis in den Irak und Iran. Kurdische Nationalisten fordern seit jeher ein eigenes Staatsgebiet für die Kurden. Die Staaten in diesem Gebiet, allen voran die Türkei, lehnen das jedoch ab.

Tradition und Religion

Die Kurden sind eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Sprache, traditionellen Festen, Musik und Literatur und einer eigenen kurdischen Küche. Religiös sind die Kurden hingegen gespalten: Die Mehrheit der Kurden sind Sunniten. Daneben gibt es, wenn auch wenige, Schiiten, Jesiden, Christen und Juden.

Politik

In der Türkei, in Syrien und im Iran gründeten Kurden eigene Parteien, die jedoch zum Teil nur im Untergrund agieren können, da sie von den nationalen Regierungen unterdrückt werden. Die wohl bekannteste von ihnen ist die PKK in der Türkei. Nur die autonome Region Kurdistan, im Irak, hat ein eigenes Parlament und wählt ihren eigenen Präsidenten.

Türkei Konflikt

Der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK gilt als der längste Konflikt zwischen Kurden und der türkischen Regierung. Die PKK fordert seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einen unabhängigen Kurdenstaat. Diesen versucht sie, zum Teil auch gewaltsam, durchzusetzen. Die Türkei lehnt einen autonomen Kurdenstaat ab und ging ihrerseits immer wieder militärisch gegen die PKK vor. Die PKK wird von der der Türkei, von den USA und von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.

Sport

Die beliebteste Sportart in der autonomen Region Kurdistan ist Fußball. Vor zehn Jahren gründete sich der kurdische Fußballverband „Kurdistan Football Association“, in dem heute 24 Mannschaften spielen. Außerdem gibt es eine kurdische Fußballauswahl, die von der FIFA jedoch nicht anerkannt wird und deshalb nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf.

Die türkischen Streitkräfte und verbündete syrische Rebellen kämpfen gegen den Islamischen Staat (IS) und kurdische Einheiten, die ebenfalls verfeindet sind. Der Nato-Staat wird seit dem vergangenen Jahr immer wieder von Anschlägen erschüttert, für die der IS verantwortlich sein soll. Zudem will die Regierung mit der Operation "Schutzschild Euphrat" verhindern, dass die Kurden in Nordsyrien weitere Gebiete erobern. Sie kämpft auch im eigenen Land gegen kurdische Rebellen.

Ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, in Syrien seien kurdische Einheiten Ziele, solange sie sich westlich des Euphrat aufhielten. Einen Waffenstillstand mit der syrischen Kurdenpartei PYD gebe es nicht. Die Kurden beherrschen östlich des Euphrat bereits ein Gebiet, das entlang der türkischen Grenze Hunderte Kilometer umfasst und bis an den Irak reicht.

Türkische Militäroperation: Erdogans riskanter Einmarsch

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Die Türkei meldet Erfolge ihrer Militäroperation in Syrien. Die Offensive bringt die Terrormiliz IS unter Druck, beschwört aber Gefahren für Ankara herauf – und könnte die Türkei zum eigentlichen Schlachtfeld machen.

Das Vorgehen der Türkei ist heikel, weil der militärische Arm der PYD, die YPG, ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS ist. So hatte das Verteidigungsministerium in Washington kritisiert, die Offensive spiele den Islamisten in die Hände. Erdogans Sprecher entgegnete nun, es sei ein Mythos, dass nur die YPG im Kampf gegen den IS effektiv sei. Es sei nicht hinnehmbar, dass sein Land beim Anti-IS-Kampf mit der Miliz verglichen werde.

In den vergangenen Jahren sind Tausende ausländische Kämpfer - darunter viele aus Westeuropa - über die Türkei nach Irak und Syrien gereist, um sich dem IS anzuschließen. Die Regierung in Ankara geht inzwischen verstärkt gegen Helfer der radikalen Islamisten vor. Allein seit Anfang des Jahres seien 865 Verdächtige wegen mutmaßlicher Verbindungen zum IS verhaftet worden, sagte Innenminister Efkan Ala. Über die Hälfte von ihnen seien Ausländer.

Von

rtr

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