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14.07.2013

10:25 Uhr

Türkei

Kein Ende der Gewalt in Sicht

Seit Wochen dauern in der Türkei die Proteste gegen die konservativ-islamische Regierung an. Ministerpräsident Erdogan lässt die Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstranten vorgehen. Erneut gibt es Verletzte.

Istanbul: Demonstranten versuchen, auf den zentralen Taksim-Platz zu gelangen. AFP

Istanbul: Demonstranten versuchen, auf den zentralen Taksim-Platz zu gelangen.

IstanbulIn der Türkei ist die Polizei am Wochenende erneut in mehreren Städten mit Gewalt gegen regierungskritische Demonstranten vorgegangen. In sozialen Netzwerken berichteten Aktivisten von vielen Verletzten. Im südostanatolischen Hatay, in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul wurden Kundgebungen von Sicherheitskräften aufgelöst. Wasserwerfer und Reizgas kamen zum Einsatz. In Istanbul wurden auch Gummigeschosse auf Demonstranten abgefeuert.

Blogger riefen im Internet dazu auf, Ärzte zum Kugulupark in Ankara zu schicken. Allein dort sollen etwa 100 Demonstranten verletzt worden sein. In Istanbul ging die Polizei mit Wasserwerfern, Reizgas und Plastikgeschossen gegen etwa 1000 Demonstranten vor, die versuchten, auf den zentralen Taksim-Platz zu gelangen. Vor allem der auf den Platz führende Istiklal-Boulevard versank in einer Wolke von Tränengas. Neben den Demonstranten flohen auch viele Touristen verschreckt in die Seitenstraßen. Die Restaurants und Bars rund um den Taksim-Platz sind vor allem an Wochenenden beliebt.

Auf Fotos, die der türkische Fernsehsender Ulus TV auf Facebook veröffentlichte, waren mit Holzknüppeln bewaffnete Männer zu sehen, die in der Nähe des Taksim-Platzes Journalisten und Demonstranten angriffen. Dabei handelte sich vermutlich um Unterstützer von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Der konservativ-islamische Regierungschef und einige Minister seines Kabinetts hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Demonstranten und Journalisten als „Provokateure und Putschbefürworter“ bezeichnet.

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Hintergrund der Demonstrationen war die Verhaftung prominenter Aktivisten. Den mittlerweile wieder freigelassenen Demonstranten drohen Prozesse wegen angeblicher Gründung einer terroristischen Vereinigung. Die landesweiten Proteste hatten sich Ende Mai an Regierungsplänen entzündet, den Gezi-Park am Taksim-Platz zu bebauen. Inzwischen wenden sich die Demonstrationen vor allem gegen den autoritären Regierungsstil der Erdogan-Regierung.

Die Aktivisten berichteten nach ihrer Freilassung von Misshandlungen durch die Polizei. Die Präsidentin der Istanbuler Architektenkammer, Mücella Yapici, hatte am Freitag auf einer Pressekonferenz erklärt, sie habe sich in Untersuchungshaft einer demütigenden Leibesvisitation unterziehen müssen, und die Polizei habe der Diabetikerin ihre lebenswichtigen Medikamente erst nach Stunden zurückgegeben.

Auch Samstagnacht kam es wieder zu Festnahmen.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

14.07.2013, 10:56 Uhr

Bei alle den Kriegen, Demos, Finanzattacken und dgln rund ums östliche Mittelmeer geht es mal wieder nur um das eine: um Macht, Geld und Kontrolle - und das heißt um Energie-Rohstoffe.

Das Östliche Mittelmeer ist voller Gasreserven, zudem gibt es Gaspipeline-Projekte durch die Region nach Europa.
Die Akteure sind wie immer die gleichen: die Hochfinanz der Anglo-Amerikaner mit der EU als Vasall (diese zetteln überall Probleme an) und Rußland als schwächerer Gegenspieler. Dazwischen auf lokaler Ebene die Türkei und Israel als lokale Mächte (man erinnere sich an die damals rätselhaften Gazaboote der Türken?).

Das Ganze wird von den Mainstream-Medien seltsamerweise BEHARRLICH verschwingen - was sehr befremdlich ist, z.B. angesichts der potentiell positiven Aspekte z.B. bzgl der Griechischen Schuldensituation. DAS ENERGIE-KARTELL hält offenbar den Daumen drauf, bis vor Ort in ihrem Sinne "aufgeräumt" ist.

Hier ein paar Links zum ersten Überblick:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/f-william-engdahl/israels-energiepolitische-gesamtstrategie-wird-erkennbar.html

http://lupocattivoblog.com/2013/05/21/der-gaskrieg-die-gas-falle-als-das-praludium-zum-dritten-weltkrieg/

http://www.zerohedge.com/news/2013-05-27/europe-ends-arms-embargo-syrian-rebels-desperate-break-russian-natgas-export-monopol

Walter

14.07.2013, 12:05 Uhr

Wenn man unsere USA-Hasser wieder auslässt.
Egal was passiert, immer sind die USA oder der Westen schuld.

Aber ohne Verschwörungstheorien wäre manchen vermutlich langweilig...

Freiheit

14.07.2013, 12:17 Uhr

Nur zur Info. Die Türkei ist leider auf dem geraden Weg in einen islamistischen Staat. Da werden auch die Demonstranten nichts ändern können.
So wurde z.B. die Evolutionstheorie aus den Klassenzimmern verdrängt. Wer so ein Land in die EU aufnehmen möchte muss wirklich Scheuklappen vor den Augen haben.

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