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21.07.2017

16:45 Uhr

Türkei-Krise

Vize-Premier Simsek bestreitet Ermittlungen gegen deutsche Firmen

VonOzan Demircan

Der türkische Vize-Premier Mehmet Simsek bestreitet Ermittlungen türkischer Behörden gegen deutsche Unternehmen. Im Gegenteil: Deutsche Mitarbeiter, Aktionäre, Verbraucher und Lieferanten hätten keinen Grund zur Sorge.

„Deutsche Mitarbeiter, Aktionäre, Verbraucher und Lieferanten sollten keinen Anlass zur Sorge haben.“ dpa

Mehmet Simsek

„Deutsche Mitarbeiter, Aktionäre, Verbraucher und Lieferanten sollten keinen Anlass zur Sorge haben.“

IstanbulIm Streit um mögliche Ermittlungen türkischer Behörden gegen deutsche Firmen, die Terrorgruppen unterstützen sollen, schaltet sich nun auch der Vize-Premier des Landes, Mehmet Simsek, ein. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt bestritt das für die Wirtschaft zuständige Regierungsmitglied, dass es solche Untersuchungen gebe.

„Ich möchte der deutschen Wirtschaft versichern, dass deutsche Unternehmen keinen Untersuchungen zur Terrorismusfinanzierung durch türkische Behörden unterliegen“, sagte der stellvertretende türkische Ministerpräsident dem Handelsblatt am Freitag. Die jüngsten Presseberichte seien daher falsch, betonte Simsek. „Deutsche Mitarbeiter, Aktionäre, Verbraucher und Lieferanten sollten keinen Anlass zur Sorge haben.“ Deutsche und internationale Unternehmen seien in der Türkei willkommen.

Bezogen auf die momentanen Bedingungen für Investoren erklärte Simsek: „Die Türkei ist nach wie vor verpflichtet, das Investitionsklima zu verbessern, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken, die Standards der Demokratie zu verbessern und sich an die EU-Standards anzupassen.“

Nach Angaben deutscher Sicherheitsbehörden geht die türkische Regierung derzeit gegen deutsche Unternehmen und Einzelpersonen vor, denen sie die Unterstützung von Terrorismus vorwirft. Eine entsprechende Liste mit Firmennamen, die am Mittwoch bekanntgeworden war, fällt sogar noch umfangreicher als bisher angenommen. Demnach stehen auf der Liste nicht 68, sondern 681 deutsche Firmen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus deutschen Regierungs- und Sicherheitskreisen.

Angesichts der diplomatischen Eiszeit zwischen Deutschland und der Türkei hat Präsident Tayyip Erdogan die Bundesregierung erneut heftig kritisiert. Deutschland müsse „sich zusammenreißen“, sagte der Staatschef am Freitag in einer Rede in Istanbul. So hätten Bemerkungen von SPD-Politikern wie Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries das Ziel, Unternehmen von Investitionen in seinem Land abzuhalten. Berichte über Ermittlungen gegen deutsche Firmen bezeichnete auch Erdogan als falsch. „Die Tür steht auch deutschen Investoren weit offen.“

Außenminister Sigmar Gabriel hatte am Donnerstag angekündigt, dass Deutschland die Türkeipolitik wegen der Verhaftung von Bundesbürgern neu ausrichten wird. So sollen Hermes-Bürgschaften für Türkei-Geschäfte überprüft werden. Zudem wurden Reise- und Sicherheitshinweise verschärft.

Die Türkei in Aufruhr - Wichtige Ereignisse seit dem Putschversuch

Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei

Seit dem Putschversuch vor einem Jahr ist die Türkei nicht zur Ruhe gekommen. Eine Auswahl wichtiger Ereignisse:

(Quelle: dpa)

15. Juli 2016

Teile des Militärs beginnen einen Putsch, der am Tag darauf niedergeschlagen wird. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen verantwortlich.

20. Juli 2016

Erdogan ruft den Ausnahmezustand aus, der am Tag darauf in Kraft tritt. Mehr als 100 000 Staatsbedienstete werden in den Folgemonaten entlassen, mehr als 50 000 Menschen werden inhaftiert.

9. August 2016

Die Türkei und Russland legen ihre Krise wegen des Abschusses eines russischen Kampfflugzeugs bei. Elf Tage später billigt das türkische Parlament auch die Aussöhnung mit Israel.

24. August 2016

Türkische Truppen marschieren in Nordsyrien ein. Sie beginnen eine verlustreiche Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), bekämpfen aber auch kurdische Milizen.

4. November 2016

Ein Gericht verhängt Untersuchungshaft gegen Selahattin Demirtas, den Chef der zweitgrößten Oppositionspartei HDP. Neben Demirtas werden mehrere weitere HDP-Abgeordnete inhaftiert.

10. Dezember 2016

Bei einem Anschlag in Istanbul sterben 45 Menschen, die meisten davon Polizisten. Zu der Tat bekennt sich die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

19. Dezember 2016

Der russische Botschafter Andrej Karlow wird bei einem Attentat in Ankara getötet. Der Täter ist ein 22 Jahre alter türkischer Polizist, er wird erschossen.

1. Januar 2017

Ein Terrorist greift die Silvesterfeier im Istanbuler Club Reina an und tötet 39 Menschen. Der IS bezichtigt sich der Tat.

13. Februar 2017

Der deutsch-türkische „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel wird in Istanbul unter Terrorvorwürfen festgenommen. 13 Tage später wird Untersuchungshaft gegen ihn verhängt. Neben Yücel sitzen mehr als 150 weitere Journalisten in der Türkei im Gefängnis.

16. April 2017

Erdogan gewinnt das Verfassungsreferendum zur Einführung eines Präsidialsystems knapp. Davor kommt es wegen Nazi-Vergleichen Erdogans zu schweren Spannungen mit Deutschland.

21. Mai 2017

Erdogan wird wieder zum Vorsitzenden der Regierungspartei APK gewählt. Nach der Verfassungsreform darf der Präsident wieder einer Partei angehören.

Auf die Verschärfungen angesprochen antwortete Simsek: „Wir begrüßen und freuen uns sehr über deutsche und internationale Investitionen in der Türkei. Viele deutsche Unternehmen tragen seit mehr als einem Jahrhundert zum Wohlstand der Türkei bei. Sie schaffen hochwertige Produkte und Beschäftigung.“

Deutsche seien darüber hinaus gute Geschäftspartner, ergänzte Simsek und fügte hinzu: „Unnötig zu sagen, dass wir hoffen, dass deutsche Unternehmen auch noch in Jahrhunderten starke Anteilnahme am türkischen Wirtschaftswachstum tragen. Deutschland ist der Verbündete der Türkei, ihr Freund und strategischer Partner.“

Kommentare (6)

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Herr Hubert Anderl

21.07.2017, 17:13 Uhr

Dann sollte die Türkei doch endlich damit aufhören, die anderen zu beleidigen.
Die große gebildete Öffentlichkeit kann man ehe nicht hinters Licht führen! Die wirtschaflichen Eliten werden die Türkei meiden und das zu recht!
Das Verhalten der Türkei ist unehrenhaft und aufs äußerste zu missbilligen.
Eine Türkei, die die Islamisierung durch die AKP zum Programm erklärt hat, stellt sich außerhalb europäischer Werte.
Die Türkei hat das kemalistischen Staatsprinzip zu Grabe getragen. Die türkischen Eliten wenden sich ab - bzw. wurden entlassen, verhaftet, werden eingeschüchtert, auf eine Index von Staatsfeinden gesetzt - alles Terroristen und Gülen-Anhänger.
Nehmen wir Abschied von diesem Land ohne Ehre und Verstand!

Herr Günther Schemutat

21.07.2017, 17:13 Uhr

Alles was Simsek an Aussagen zu Deutschen Firmen und Investoren macht ist auf Dauer nicht haltbar und jederzeit gefährdet. Die Türkei steht jeden Tag vor einem Bürgerkrieg und wenn Syrien aufgeteilt wird , will Erdogan ein großes Stück davon ,natürlich die Kurdengebiete. Das allein würde zu Angriffe gegen die Türken führen und auch die Gegner von Erdogan rüsten schon auf. Das Militär von Erdogan schwer gedemütigt wird das nicht vergessen , dass Erdogan sie zu einen Putsch animiert hat ,um sie dann zu erledigen. Erdogan selber ist ein alter kranker Mann der Putsch seines Körpers gegen ihn steht bald bevor. Dann gibt es Rache der Gegner von Erdogan an seinen Anhängern.

Wie war das noch Herr Simsek , keine Gefahr für Deutsche Firmen.?



Herr Hubert Anderl

21.07.2017, 17:16 Uhr

Mehmet Simsek, wir kein Asyl bekommen!

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