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04.10.2017

18:03 Uhr

Türkei

Lebenslange Haft für Soldaten wegen Putschversuch

Nach dem Putschversuch in der Türkei wurden nun rund 40 Soldaten zu lebenslanger Haft verurteilt. Einige der Angeklagten kritisierten, sie hätten keinen fairen Prozess erhalten. Der politische Druck sei zu groß gewesen.

Nach dem Putschversuch in der Türkei wurden Tausende inhaftiert. Nun gibt es die ersten Urteile. Reuters

Prozess in Mugla

Nach dem Putschversuch in der Türkei wurden Tausende inhaftiert. Nun gibt es die ersten Urteile.

MuglaEin türkisches Gericht hat am Mittwoch Dutzende frühere Soldaten wegen Teilnahme am Putschversuch im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt. Richter Emirsah Bastog befand 42 Angeklagte des geplanten Mordes an Präsident Recep Tayyip Erdogan für schuldig. Der Prozess fand in der Stadt Mugla in der Nähe jenes Ferienortes statt, wo Erdogan und seine Familie in der Putschnacht knapp den in sein Hotel stürmenden Soldaten entkamen.

34 der Angeklagten wurden zu verschärfter lebenslanger Haft verurteilt. Das ist die höchste Strafe, die ein türkisches Gericht verhängen kann. Zugleich schließt sie eine längere Mindestdauer bis zu einer möglichen Aussetzung zur Bewährung ein. Sechs weitere Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft und zwei zu geringeren Strafen verurteilt.

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Einige der Angeklagten kritisierten, sie hätten keinen fairen Prozess erhalten, weil das Gericht unter politischem Druck gestanden habe. „Seit meiner Festnahme am 16. Juli auf dem Luftwaffenstützpunkt wurde ich wie ein Verbrecher behandelt“, sagte ein früherer Leutnant. Nach dem Putsch veröffentlichte Bilder zeigten einige mutmaßliche Teilnehmer, darunter ranghohe Offiziere, in Unterhosen, mit gefesselten Händen und Blutergüssen im Gesicht. Ein anderer Angeklagter sagte, es habe nie die Chance auf ein faires Verfahren gegeben. „Wir sind nur das Gras, das die kämpfenden Elefanten zertrampeln.“

Als die Verurteilten aus dem Gerichtsgebäude geführt wurden, warfen Demonstranten Eier und Plastikflaschen, priesen Erdogan und forderten die Einführung der Todesstrafe.

Bei dem Putschversuch wurden mehr als 240 Menschen getötet. Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen dafür verantwortlich. Dieser bestreitet eine Verwicklung. Hunderttausende Beamte, Lehrer, Wissenschaftler, Soldaten und Polizisten wurden seitdem suspendiert oder entlassen, weil sie angeblich Gülen-Anhänger sind. Tausende wurden inhaftiert.

Von

rtr

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