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12.03.2014

19:54 Uhr

Türkei

Neue Straßenschlachten in Istanbul

Die Lage in der Türkei verschärft sich: Istanbul erlebt den größten Protest seit Monaten und schwere Zusammenstöße. Auslöser ist der Tod eines jugendlichen Demonstranten, der im vergangenen Sommer verletzt wurde.

Türkei

Heftige Proteste in Istanbul

Türkei: Heftige Proteste in Istanbul

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IstanbulDie türkische Metropole Istanbul wird nach dem Tod eines von der Polizei vor neun Monaten verletzten Jugendlichen wieder von schwerer Gewalt erschüttert. Im Anschluss an einen Trauerzug Zehntausender Menschen, die sich zum größten Protest seit dem vergangenen Sommer versammelt hatten, lieferten sich Regierungsgegner und Polizei heftige Straßenkämpfe, wie Augenzeugen berichteten. Nachdem die Polizei Demonstrationszüge zum zentralen Taksim-Platz mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gestoppt hatte, feuerten Demonstranten mit Zwillen. Sie warfen Steine und errichteten Barrikaden.

Der 15-Jährige Berkin Elvan war im Juni vergangen Jahres auf dem Höhepunkt der Protestwelle gegen die islamisch-konservative Regierung von einer Tränengasgranate schwer verletzt worden. Er lag seit Juni im Koma. Am Dienstag starb er nach 269 Tagen an seinen Verletzungen. Schon in der Nacht zum Mittwoch demonstrierten daraufhin in Istanbul, Ankara, Izmir und zahlreichen anderen Städten Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Elvan wurde am Mittwoch beerdigt.

dpa-Reporter berichteten am Mittwoch, die Polizei treibe Demonstranten über den Taksim-Platz und durch die umliegenden Straßen. Allein rund um den Platz hatte die Polizei mindestens fünf Wasserwerfer im Einsatz. Auch im Zentrum der Hauptstadt Ankara ging die Polizei mit Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor. Mehr als einhundert Menschen wurden festgenommen.

Auf Plakaten wurde Erdogan als „Mörder“ beschimpft. Die Menge in Istanbul skandierte: „Schulter an Schulter gegen Faschismus“ und „Regierung, Rücktritt“. Durch die Straßen rund um den Taksim-Platz zogen am Abend Schwaden von Tränengas.

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Recep Tayyip Erdogan rudert zurück: Für den türkischen Ministerpräsidenten komme eine völlige Blockade sozialer Medien nun doch „nicht in Frage“. Er steht unter Druck: Am 30. März stehen in der Türkei Kommunalwahlen an.

Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil.

Der Vorsitzende der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) sagte am Mittwoch, Erdogan sei verantwortlich für den Tod des Jugendlichen. Dem Regierungschef, der sich gegen Korruptionsvorwürfe verteidigen muss, warf er vor, sich inzwischen vor allem um das finanzielle Wohl seiner Familie zu kümmern. Vor der für den 30. März angesetzten Kommunalwahl warnte er, die Regierung wolle Gewalttaten provozieren.

Dagegen warf Erdogan seinen politischen Gegnern am Mittwoch vor, einen neuen Wahlsieg seiner AKP mit Straßenprotesten verhindern zu wollen. Wer immer Streitigkeiten austragen wolle, solle dies mit der Stimmabgabe bei den Kommunalwahlen tun.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.03.2014, 13:11 Uhr

Wann gibt es sanktionen gegen die Türkei und Erdogan?

Tschuldigung ...bin verrutscht wollte zur Krim. Die "dummen Türkischen Widerständler glauben doch nicht, das Merkel oder die USA ihren zuverlässsigsten Liebling fallen lässt.

Account gelöscht!

18.03.2014, 16:07 Uhr

Schneller politischer+wirtschaftlicher Aufstieg der Tuerkei unter Erdogan beruhte auf Exporte in Muslimlaender+Westeuropa+seine unabhaengige Aufstellung v/d EU/USA-Politik. Seit er sich aber verbuendet hat m der Achse Israel+EU+USA im Syrienkrieg ,ein Riesenfehler,laeuft alles ganz schlecht fuer ihn.Grosse Bevoelkerungsgruppen wollen keinen Krieg m dem SyrienNachbarn+lehnen die RebellenAusbildungBewaffnungUnterstuetzung entschieden ab.Zugleich nehmen Exporte ab i/d EU (Krise) +arabische Nachbarn (Kriegsgefahr).Auch die politische Stabilitaet kommt in Gefahr weil die Bevoelkerung jetzt viel weniger v/d Erdogan toleriert.Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Syrienkrieges hat sich auch nicht bewahrheit+der profezeite schnelle Sieg kann sogar in eine Niederlage enden,dann hat Erdogan ein Feind als Nachbarn.Jetzt toeten die von der Tuerkei unterstuetzten Rebellen sogar die syrischen Kurden in grossen Zahlen+die Reaktionen von den tuerkischen+irakischen Kurden lassen sich raten.Der versprochene Koeder,ein Zutritt zur EU ist auch viel weniger interessant geworden seit die wirtschaftliche EU-Krise noch viele Jahre dauern wird.Kurz gesagt Erdogan hat gespielt und verloren genau wie die EU bei allen NatoKriegen

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