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20.01.2007

15:55 Uhr

Türkei

Solidaritätswelle für ermordeten Journalisten

Eine beispiellose Welle der Solidarität hat die Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink ausgelöst. Sowohl die Regierung als auch zahlreiche Medien verurteilten die Tat öffentlich.

HB ISTANBUL. Nach der Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink haben sich die Regierung in Ankara und die Öffentlichkeit mit dem Opfer solidarisiert. Die Schüsse auf den 52-Jährigen wurden „auf uns alle abgegeben“, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag im Fernsehen. Die Zeitung „Hürriyet“ schrieb, der Mörder habe die türkische Nation verraten.

Der Gouverneur von Istanbul, Muammer Güler, präsentierte am Samstag Fotos des mutmaßlichen Täters. Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen einen jungen Mann mit einer weißen Wintermütze, Jeans und Jeansjacke. Das Fernsehen verbreitete die Aufnahmen.

Innenminister Abdulkadir Aksu teilte zuvor mit, es seien keine Verdächtigen mehr in Gewahrsam. Am Freitagabend hatte CNN-Turk unter Berufung auf Güler gemeldet, es habe drei Festnahmen gegeben. Der Gouverneur sprach von Hinweisen, die eine Lösung des Falles ermöglichten.

Dink war am Freitag vor dem Gebäude seiner Redaktion in Istanbul erschossen worden. Der Redakteur der zweisprachigen Zeitung „Agos“ und Träger des Henri-Nannen-Preises war einer der bekanntesten Vertreter der armenischen Minderheit in der Türkei. Wegen seiner kritischen Äußerungen über die blutige Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er wiederholt von türkischen Nationalisten bedroht und stand mehrfach vor Gericht.

Ministerpräsident Erdogan entsandte umgehend seinen Innen- und den Justizminister zur Untersuchung des Falls nach Istanbul. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, der Polizeichef habe die Nacht im Polizeipräsidium verbracht. Die Zeitung „Milliyet“ titelte am Samstag: „Hrant Dink ist die Türkei“ und „Sabah“ bezeichnete die Ermordung des Journalisten als den „größten Verrat“.

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