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09.06.2016

00:26 Uhr

Türkei

Tote bei Anschlag auf Polizei

Einen Tag nach dem Anschlag in Istanbul gibt es in der Türkei wieder Tote und Verletzte: Bei einem Autobombenanschlag im südosttürkischen Midyat sterben mindestens zwei Polizisten. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht.

In der Nähe des Anschlagsorts Midyat hatte die türkische Armee erst vor wenigen Tagen eine groß angelegte Operation gegen die PKK beendet. AP

Vergeltung für den Kampf gegen die PKK?

In der Nähe des Anschlagsorts Midyat hatte die türkische Armee erst vor wenigen Tagen eine groß angelegte Operation gegen die PKK beendet.

IstanbulEin Selbstmordattentäter hat bei einem Anschlag auf ein Polizeirevier im Süden der Türkei fünf Menschen getötet. 51 Menschen seien verletzt worden, darunter 23 Zivilisten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Bei den Toten handelte es sich demnach um drei Zivilisten sowie zwei Polizistinnen, von denen eine schwanger war. Es gebe starke Hinweise, dass die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für die Tat in Midjat in der Provinz Mardin verantwortlich sei, hieß es aus dem türkischen Innenministerium.

Erst am Dienstag war eine Autobombe im morgendlichen Berufsverkehr in Istanbul explodiert und hatte elf Menschen in den Tod gerissen. Während in der Metropole die Begräbnisse der Opfer stattfanden, explodierte in Midjat nahe der syrischen Grenze die nächste Bombe.

Explosion nahe Cafés und Läden

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim machte für diesen Angriff die „mörderische PKK-Organisation“ verantwortlich. Ein Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan relativierte diese Aussage später aber wieder und sagte, Yildirim habe sich auf den Istanbuler Anschlag bezogen. Es sei noch zu früh, um zu sagen, wer hinter jenem in Midjat stecke.

Türkische Medien berichteten, der Selbstmordattentäter habe sein mit einer halben Tonne Sprengstoff gefülltes Auto in eine Betonbarrikade vor der Polizeizentrale der Stadt gerammt. An der gleichen Straße liegen eine Reihe von Cafés und Läden. Auf Fernsehbildern war über dem Tatort dicker Rauch zu sehen, die Fassade des Gebäudes schien zerstört zu sein.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Wie bei vorherigen Anschlägen auch verhängten die türkischen Behörden eine Nachrichtensperre. Weder Fotos vom Anschlagsort noch Einzelheiten zu den Ermittlungen durften veröffentlicht werden. Drei Reporter, die zur Berichterstattung über den Angriff nach Midjat gereist waren, wurden von Einwohnern attackiert und kamen ins Krankenhaus, wie einer der Journalisten, Mahmut Bozarslan, sowie mehrere Medienhäuser berichteten.

Anschläge und Kämpfe mit der PKK haben seit vergangenem Sommer geschätzt 500 türkische Soldaten und Polizisten sowie 4900 Rebellen das Leben gekostet. Anadolu berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass türkische Kampfjets auch am Mittwoch PKK-Stellungen in der Provinz Diyarbakir sowie im Nordirak angegriffen hätten. 22 PKK-Kämpfer seien zudem bei Luftangriffen am Sonntag getötet worden, hieß es.

Neben der PKK hat in den vergangenen Monaten auch die Terrormiliz Islamischer Staat Anschläge in der Türkei verübt. Das Land ist Teil des von den USA angeführten Militärbündnisses gegen den IS.

Von

dpa

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