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30.07.2015

12:47 Uhr

Türkei und der Kurden-Konflikt

Die Gesichter Kurdistans

VonKathrin Witsch

„Die Kurden“ gibt es schon lange nicht mehr. Ob irakische Kurden, syrische Kurden, türkische Kurden. Sie alle haben unterschiedliche Traditionen, Strukturen, politische Strategien. Und andere Ideen vom eigenen Kurdistan.

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DüsseldorfEs gab sie einmal, die Idee von einem Kurdistan. 30 Millionen Kurden und ein gemeinsamer Staat. Es war sogar mehr als nur eine Idee. Schon oft wurde den Kurden ein eigener Staat versprochen. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im Jahr 1918  haben sie für die türkische Staatsgründung unter Mustafa Kemal Atatürk ihr Leben riskiert. Im Gegenzug versprach er ihnen Kurdistan. Gehalten hat er sein Versprechen nicht. Bis heute sind die Kurden die größte Bevölkerungsgruppe ohne eigenen Staat – und so gespalten wie nie.

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Der türkische Präsident versucht zwei Gegner mit einem Krieg zu besiegen. Doch der Kampf an zwei Fronten könnte die Türkei zerreißen und das Land in eine dunkle Zeit zurückstoßen.

Seit Tagen eskaliert der Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Auslöser war ein Anschlag der Terrormiliz IS in der türkischen Grenzstadt Suruc, bei dem am 20. Juli Dutzende kurdische Jugendliche getötet wurden. Als Vergeltung tötete die PKK nach eigenen Angaben vergangene Woche zwei türkische Polizisten an der syrischen Grenze.

Daraufhin startete die Türkei Luftangriffe auf Kurden im Nordirak und auch in Syrien. Die PKK erklärte einen 2013 geschlossenen Waffenstillstand für hinfällig. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Friedensverhandlungen offiziell abgebrochen. Der Weg zu einem kurdischen Staat – er scheint weiter weg zu sein als je zuvor.

Der Vertrag von Sèvres, der am 10. August 1920 zwischen der Entente und dem Osmanischen Reich geschlossen wurde, ließ ausdrücklich auch Spielraum für die Gründung eines unabhängigen Kurdistans. Nachdem die Türkei von den Alliierten allerdings als offiziell anerkannter Staat akzeptiert wurde, war der Vertrag hinfällig und Kurdistan von der Landkarte gestrichen. Die Kurden fühlten sich verraten.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

Die Alliierten teilten das ehemalige osmanische Reich in fünf verschiedene Staaten auf, und spalteten damit auch das kurdische Siedlungsgebiet. Dazu gehören unter anderem Regionen im Südosten der Türkei, im Norden Syriens und des Irak sowie im Westen Irans und Armenien. In den fünf neu geschaffenen Staaten wurden die Kurden zur Minderheit. Als solche waren sie von Anfang an politischen, wirtschaftlichen und sozialen Repressionen ausgesetzt. Seit fast 100 Jahren  haben sich die Kurden so in unterschiedlichen Regionen in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Kommentare (1)

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Herr Wilfried Runft

30.07.2015, 13:40 Uhr

Was Erdogan umtreibt, die PKK im eigenen Land mit Bombardments zu belegen, bleibt mir schleierhaft. Er eröffnet tatsächlich eine zweite Front, wenn aber der Terror im eigenen Land sich breit macht, kommt er mit Bomben nicht mehr weiter und eine instabile Türkei könnte Erdogan eher den Kopf kosten und das Militär wieder in den Vordergrund rücken, als dass es die fundamentalreligiöse AKP stärkt. Ich fürchte, die Türkei geht sehr unruhigen Zeiten entgegen und das wird sich zweifellos auch auf den Tourismus negativ auswirken...

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