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28.06.2016

17:04 Uhr

Türkei und Israel

Machtverschiebungen in Nahost?

VonAndré Ballin, Pierre Heumann, Gerd Höhler

Allianzen statt Isolation: Der türkische Präsident beendet die Eiszeit mit Israel. Außerdem will er enger mit Katar und Saudi-Arabien kooperieren. Erdogans neuer Kurs hat mit Iran und der Terrormiliz IS zu tun.

Erdogan bei einem Truppenbesuch im türkischen Mardin: Der Präsident sucht neue Allianzen in Nahost. AFP; Files; Francois Guillot

Der türkische Präsident Erdogan

Erdogan bei einem Truppenbesuch im türkischen Mardin: Der Präsident sucht neue Allianzen in Nahost.

Moskau/Tel Aviv/AthenDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigt sich kooperativ. Nachdem er sein Land in den vergangenen Jahren mit einer konfrontativen Außenpolitik international immer weiter isolierte, geht Erdogan nun auf einige Nachbarn zu. Auch gegenüber Berlin bemüht sich die türkische Regierung offenbar um Deeskalation.

Im Nahen Osten bahnen sich neue Machtkonstellationen an. Israel und die die Türkei wollen ihre bilateralen Beziehungen normalisieren. Gleichzeitig kooperiert Ankara eng mit Katar und Saudi-Arabien. In der neuen Konstellation könnte auch Ägypten seinen Platz finden, da Saudi-Arabiens Diplomatie auf eine ägyptisch-türkische Versöhnung hinarbeitet. Laut israelischen Quellen sollen sich die USA zudem für eine Zypernlösung einsetzen, um die griechisch-türkischen Spannungen zu entschärfen. Zudem bahne sich eine Versöhnung zwischen der Türkei und Russland an. Damit entschärft die Türkei jetzt zwei große außenpolitische Konflikte.

Auch im Verhältnis zu Deutschland ist Ankara nach den scharfen Angriffen der jüngsten Zeit jetzt um Mäßigung bemüht: Nachdem die Türkei wegen des Streits um die Armenier-Resolution des Deutschen Bundestages noch vergangene Woche dem deutschen Verteidigungsstaatssekretär Ralf Brauksiepe und einer Abgeordnetendelegation einen Besuch bei Bundeswehrsoldaten auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik verweigerte, erteilte Ministerpräsident Binali Yildirim jetzt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Besuchsgenehmigung für Incirlik.

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Hinter den regionalen Verständigungsbemühungen im Nahen Osten steckt die Befürchtung, der Iran könnte seine regionale Vormachtstellung ausbauen. Neue Allianzen sollen zudem helfen, die Terrormilizen des IS zu bändigen, die in den vergangenen Monaten in der Türkei eine Reihe schwerer Anschläge verübt hatten.

Nach langen Geheimverhandlungen unterzeichneten die Türkei und Israel am Dienstag ein Versöhnungsabkommen. Es beendet eine sechsjährige Eiszeit zwischen beiden Ländern. Israel und die Türkei waren in den 1990er Jahren Verbündete und arbeiteten militärisch eng zusammen, auch bei der Bekämpfung des Terrorismus. Seit dem Regierungsantritt Erdogans 2003 hat sich das Verhältnis zwischen beiden Ländern aber immer weiter verschlechtert.

Einen Tiefpunkt erreichten die Beziehungen Ende Mai 2010 nach dem Angriff eines israelischen Spezialkommandos auf das türkische Schiff „Mavi Marmara“, das die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen wollte. Bei der Erstürmung des Schiffes durch die israelischen Soldaten wurden neun Türken getötet. Der Zwischenfall führte zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

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