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28.08.2015

13:19 Uhr

Türkei

Verlängerte Ferien sollen Wirtschaft ankurbeln

Wichtige Branchen schwächeln, die Landeswährung taumelt: Das Schwellenland Türkei kämpft mit einer kräftigen Konjunkturflaute. Die Regierung ergreift besondere Maßnahmen – Schüler haben Grund zur Freude.

Die unübersichtliche Lage – mit der täglichen Gefahr von Attentaten auch in der Millionenmetropole Istanbul – bringt vor allem die Tourismusbranche in Bedrängnis. ap

Touristen in Istanbul

Die unübersichtliche Lage – mit der täglichen Gefahr von Attentaten auch in der Millionenmetropole Istanbul – bringt vor allem die Tourismusbranche in Bedrängnis.

IstanbulNeuwahlen, innenpolitisches Geschacher und der wieder aufgeflammte Kurden-Konflikt: Die Turbulenzen in der Türkei haben auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Das Land zwischen Europa und Asien hat wie so viele Schwellenländer derzeit mit der Konjunktur zu kämpfen - da birgt die unsichere politische Lage zusätzliche Risiken. Um gegenzusteuern, greift die Führung in Ankara zu besonderen Maßnahmen.

So verlängerte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kurzerhand die Schul- und Semesterferien um zwei Wochen. Das soll die Wirtschaft und vor allem die schwächelnde, aber wichtige Tourismusbranche ankurbeln. Ob jedoch das, was Studenten und Schüler freut, auch wirklich der Wirtschaft hilft – da sind Experten skeptisch.

Symbol für die schwierige Lage ist der Verfall der türkischen Lira: Die Landeswährung verliert seit Wochen an Wert und sank erst kürzlich auf ein Allzeittief. Für einen Euro mussten zwischenzeitlich 3,4 Lira gezahlt werden - rund 20 Prozent mehr als noch Mitte Juli. Auch an dieser Entwicklung sei die innenpolitische Krise Schuld, sagt Finanzexperte Deniz Cicek der Deutschen Presse-Agentur.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bei den Parlamentswahlen im Juni ihre absolute Mehrheit verloren. Wochenlange Koalitionsgespräche scheiterten - nun hat Erdogan Neuwahlen für den 1. November ausgerufen und hofft auf einen breiten Erfolg. Doch Beobachter sind skeptisch, ob die Idee aufgeht.

Hinzu kommen Sicherheitsprobleme: Seit Juli ist der schon überwunden geglaubte Konflikt mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK wieder aufgeflammt. Tödliche Anschläge der PKK auf Sicherheitskräfte und blutige Scharmützel sind an der Tagesordnung. Die Armee fliegt Luftschläge gegen PKK-Verstecke im Nordirak und in der Türkei.

Die unübersichtliche Lage - mit der täglichen Gefahr von Attentaten auch in der Millionenmetropole Istanbul - bringt vor allem die Tourismusbranche in Bedrängnis. Reiseunternehmer fürchten Stornierungen. Der äußerst wichtige Industriezweig, der 2014 Einnahmen von rund 34,3 Milliarden US-Dollar brachte, schwächelt ohnehin seit Jahresbeginn.

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