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07.03.2006

08:37 Uhr

Türkei

Versorgung hängt vom Wohlwollen Irans ab

VonGerd Höhler

Die türkische Regierung holt Pläne für den Einstieg in die Atomenergie wieder aus der Schublade. Vor sechs Jahren hatte sie das Vorhaben zunächst ad acta gelegt, doch die Sorge vor Engpässen und Abhängigkeiten bei der Energieversorgung bringt das Thema wieder auf die Tagesordnung.

ISTANBUL. Geplant sind drei Reaktorblöcke mit einer Gesamtkapazität von 5 000 Megawatt, zwei weitere könnten folgen. Denn bis 2020 wird sich der türkische Strombedarf verdoppeln. „Ohne Kernenergie kommen wir nicht aus“, sagt Energieminister Hilmi Güler.

Zurzeit produziert die Türkei 44 Prozent ihrer Elektrizität mit Erdgas, 27 Prozent entfallen auf Wasserkraft, 23 Prozent auf Kohle und sechs Prozent auf Erdöl. Fast zwei Drittel des in der Türkei verbrauchten Erdgases stammen aus Russland, der Rest kommt fast vollständig aus Iran. Das Land ist zugleich wichtigster Rohöllieferant der Türkei. Wie problematisch diese Abhängigkeit ist, zeigte sich Anfang des Jahres, als die täglichen Erdgaslieferungen aus Iran auf ein Drittel der vertraglich vereinbarten Menge zurückgingen – aus „technischen“ Gründen, wie Teheran erklärte. Die Türkei musste mehrere Gaskraftwerke zeitweilig drosseln. Auch der Atomstreit mit Teheran und mögliche Sanktionen des Westens lassen Ankara neu über die Energieversorgung nachdenken.

Das Energieministerium strebt dabei einen Mix an, in dem importiertes Gas und Erdöl zunehmend durch Kohle und Wasserkraft sowie alternative Quellen wie Wind und Sonnenenergie ersetzt werden. Die Kernenergie steuert in dem Zukunftskonzept etwa fünf Prozent zur türkischen Stromerzeugung bei. Der erste von drei geplanten Schwerwasser-Reaktoren soll 2012 ans Netz gehen. Als wahrscheinlicher Standort gilt die Provinz Sinop an der Schwarzmeerküste. Bis 2015 sollen weitere zwei Atomkraftwerke hinzukommen. Die Baukosten werden auf sieben bis acht Mrd. Dollar veranschlagt.

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