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04.12.2015

12:08 Uhr

Türkei versus Russland

„Wir entschuldigen uns nicht dafür, unsere Grenzen zu schützen“

Russland pocht auf eine Entschuldigung von der Türkei für den Abschuss des russischen Jets. Die liefert Ankara nicht, dafür nur neue Rechtfertigungen. Ministerpräsident Davutoglu macht Moskau allerdings ein Angebot.

Der türkische Ministerpräsident weist die russischen Vorwürfe zurück und rechtfertigt einmal mehr den Flugzeugabschuss. ap

Ahmet Davutoglu

Der türkische Ministerpräsident weist die russischen Vorwürfe zurück und rechtfertigt einmal mehr den Flugzeugabschuss.

IstanbulDie Türkei hat ein weiteres Motiv für den Abschuss des russischen Kampfjets vor anderthalb Wochen zur Sprache gebracht. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte am Freitag in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, die Türkei könne es einem Flugzeug „moralisch“ nicht erlauben, in türkisches Gebiet einzudringen, bevor turkmenische Gegenden in Syrien bombardiert würden. Er bestand aber erneut darauf, die Türkei habe nicht gewusst, welche Nationalität das Flugzeug gehabt habe.

Das über dem türkisch-syrischen Grenzgebiet abgeschossene russische Flugzeug soll in der Gegend turkmenische Kämpfer bombardiert haben. Ein Kämpfer der turkmenischen Küstendivision hatte gesagt, die russische Maschine habe eine Bombe abgeworfen und sei dann in türkischen Luftraum eingedrungen. Die Türkei hatte bislang immer erklärt, das Flugzeug abgeschossen zu haben, weil es in ihren Luftraum eingedrungen sei. Russland betont dagegen, die Maschine sei nur über syrischem Gebiet geflogen.

Er verteidigte den Abschuss zum wiederholten Mal und erklärte, Ankara werde sich für den Abschuss nicht entschuldigen. „Wir entschuldigen uns nicht dafür, unsere Grenzen zu schützen.“ Darüber hinaus werde sich das Land nicht durch die von Russland im Gegenzug zum Abschuss verhängten Sanktionen in die Knie zwingen lassen.

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Trotzdem ist der türkische Ministerpräsident – ebenso wie Staatspräsident Erdogan – um Entspannung bemüht. „Lasst uns unsere Angelegenheit angehen, indem wir von Angesicht zu Angesicht reden“, sagte Davutoglu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu an die Adresse des russischen Präsidenten Putin.

„Aber lasst uns keine Kampagnen gegeneinander führen, die an die Zeit des Kalten Krieges erinnern.“ Davutoglu sagte, die Türkei hege „nicht einmal das geringste negative Gefühl gegenüber dem russischen Volk. Türken und Russen sind zwei große Völker, die die Geschichte Europas und Asiens geprägt haben.“

Gestern hatte Putin den Ton zwischen Russland und der Türkei noch einmal verschärft. Er bekräftigte die Vorwürfe, die Türkei sei am Ölhandel mit der Terromiliz Islamischer Staat (IS) beteiligt. Der Kremlchef warf auch Erdogan und seiner Familie vor, den grenzüberschreitenden Ölschmuggel zu unterstützen. Diese Anschuldigungen wies Davutoglu am Freitag erneut zurück. Er frage sich, warum die Regierung in Moskau solche Anschuldigungen erst seit dem Abschuss des Flugzeuges erhebe.

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