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06.06.2015

11:14 Uhr

Türkei vor der Wahl

Explosion bei Kundgebung war wohl Anschlag

Am Sonntag wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt. Bis kurz vorher rühren die Parteien die Werbetrommel – auf einer Veranstaltung kommt es jedoch zu Explosionen. Nicht aus Zufall, sagen Sicherheitsexperten.

Durch die Explosionen auf der HDP-Wahlkundgebung in Diyarbakir im kurdischen Osten des Landes waren zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. dpa

Abschlusskundgebung

Durch die Explosionen auf der HDP-Wahlkundgebung in Diyarbakir im kurdischen Osten des Landes waren zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

AnkaraDer türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sieht in den beiden tödlichen Explosionen auf einer Wahlkampfveranstaltung der pro-kurdischen Partei HDP Akte der „Sabotage und Provokation“. Er machte einen Tag vor der Parlamentswahl am Sonntag allerdings niemanden dafür verantwortlich. Bei der Veranstaltung in Diyarbakir waren am Freitag durch die Explosionen zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Es war unklar, ob es sich um einen Anschlag handelte.

Die Behörden bestätigten bislang nicht, dass die Explosionen durch Bomben verursacht wurden. Allerdings berichtete die private Nachrichtenagentur Dogan am Samstag ohne Verweis auf Quellen, eine der Explosionen sei durch eine mit Sprengstoff gefüllte Gasflasche verursacht worden.

Eine mit Kugellagern, Nägeln und anderen Metallteilen gefüllte Gasflasche sei detoniert, sagte Vertreter der Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Bisher gebe es keine Verdächtigen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, viele Menschen hätten sich die Verletzungen bei der Massenpanik nach den Explosionen zugezogen.

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Staatschef Erdogan will in der Türkei ein Präsidialsystem einführen. Die kleinste der vier Parteien könnte das verhindern – falls sie genug Stimmen bekommt. Der Präsident kämpft mit mehreren Reden pro Tag auf Massenkundgebungen und zieht die Kritik der Opposition auf sich.

Es hatte bereits mehrere Gewalttaten gegen die HDP gegeben, darunter zwei Bombenanschläge auf Parteibüros in Adana und Mersin, das nicht weit von Diyarbakir liegt. Am Mittwochabend wurde der Fahrer eines Wahlkampfminibusses der HDP erschossen.

Der Partei könnte eine Schlüsselrolle zufallen: Sollte sie mehr als zehn Prozent der Stimmen bekommen und ins Parlament einziehen, dürfte die regierende Partei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan eine verfassungsändernde Mehrheit verfehlen, die nötig wäre, um in der Türkei das von ihm gewünschte Präsidialsystem einzuführen.

Zu der Abschlusskundgebung der HDP waren mehrere Tausend Menschen gekommen. Die Explosionen ereigneten sich Augenzeugen zufolge im Abstand von etwa fünf Minuten, noch bevor HDP-Chef Selahattin Demirtas seine Rede hielt. Bei den beiden Toten handelte es sich nach Angaben von Dogan um einen 16- und um einen 20-Jährigen.

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