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29.07.2014

16:01 Uhr

Türkei will Frauen das Lachen verbieten

Zum Lachen in den Keller

VonGerd Höhler

„Keuschheit, Scham und Ehre“ schätzt der türkische Vizepremier an Frauen. Deshalb will er ihnen das Lachen in der Öffentlichkeit verbieten. Und „unnötige Telefonate“ per Handy. Denn die würden den Moralverfall fördern.

Lachen in der Öffentlichkeit? Viel zu aufreizend - findet der türkische Vizepremier und will es bei Frauen verbieten.

Lachen in der Öffentlichkeit? Viel zu aufreizend - findet der türkische Vizepremier und will es bei Frauen verbieten.

AthenErst die Alkoholverbote, dann die Geschlechtertrennung in den Studentenheimen – und jetzt geht die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan noch einen Schritt weiter: Erdogans Stellvertreter, Vizepremier und Regierungssprecher Bülent Arinc, will den türkischen Frauen das Lachen in der Öffentlichkeit verbieten. Im westtürkischen Bursa beklagte Arinc jetzt in einer Ansprache anlässlich des islamischen Zuckerfestes einen Verfall der Moral in seinem Land. „Keuschheit ist sehr wichtig“, mahnte Arinc. „Scham und Ehre“ seien entscheidende Werte. „Keuschheit ist nicht nur ein Wort, sondern eine Zierde für Frauen und Männer“, so der stellvertretende Regierungschef.

Dazu gehöre, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht laut lachen oder ihre Attraktivität zur Schau stellen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Arinc kritisierte auch „unnötige Telefonate“. Viele Frauen tauschten über ihre Handys Kochrezepte und allerlei Tratsch aus. Auch überflüssiges Herumfahren in Autos sei verwerflich. „Die Menschen müssen den Koran wiederentdecken“, forderte der Politiker. Das Fernsehen mache mit seinen Serien viele Teenager zu „Sex-Besessenen“, beklagte Arinc. Auch der einfache Zugang zum Internet sei schädlich. „Wo sind unsere Mädchen, die erröten und ihr Gesicht schamhaft verbergen, wenn wir sie ansehen, diese Symbole der Keuschheit?“, fragte er. Arinc gilt als möglicher Kandidat für die Nachfolge Erdogans im Amt des Regierungschefs, wenn der heutige Premier im August zum nächsten Staatspräsidenten der Türkei gewählt werden sollte.

Erdogan gegen Twitter, Facebook und Co.

5./6. Februar 2014

Das türkische Parlament nimmt einen Gesetzentwurf der Regierung für eine verschärfte Internetkontrolle an. Demnach dürfen Behörden Seiten auch ohne richterlichen Beschluss sperren.

25. Februar

Erdogan bezeichnet auf YouTube veröffentlichte Telefonmitschnitte als Fälschungen. Zu hören ist angeblich, wie er seinen Sohn auffordert, große Geldsummen vor Korruptionsermittlern in Sicherheit zu bringen.

5. März

Erdogan bestätigt laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass die über YouTube verbreitete Aufnahme eines seiner Telefongespräche echt ist. Darin geht es um einen Prozess gegen den Medienunternehmer Aydin Dogan, mit dem die türkische Regierung zeitweise zerstritten war.

6. März

Nach der Veröffentlichung zahlreicher kompromittierender Telefonmitschnitte droht Erdogan in einem Interview des Senders ATV mit der Blockade von Facebook und YouTube. Nach der Kommunalwahl am 30. März würden weitere Schritte unternommen.

11. März

Erdogan relativiert in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Safak“: Eine vollständige Sperre komme nicht infrage.

20. März

Laut Nachrichtenagentur Anadolu droht Erdogan: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen. Was dazu die internationale Gemeinschaft sagt, interessiert mich überhaupt nicht.“

21. März

Der Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter wird gesperrt.

Kritiker der islamisch-konservativen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP), die das Land seit fast zwölf Jahren regiert, werfen ihr vor, sie wolle den Menschen ihre vom Islam geprägten Wertvorstellungen aufzwingen. Sie fürchten, dass Erdogan als Staatsoberhaupt die Islamisierung von Staat und Gesellschaft in der Türkei weiter vorantreiben wird.

Der Islamgelehrte Ekmeleddin Ihsanoglu, der bei der Präsidentenwahl als Kandidat zweier Oppositionsparteien gegen Erdogan antritt, widersprach den Ansichten des Vizepremiers Arinc: Nichts brauche die Türkei so sehr wie das fröhliche Lachen der Frauen, teilte Ihsanoglu auf Twitter mit. Eine türkische Fernsehjournalistin rief dazu auf, Frauen sollten sich künftig einmal in der Woche zu öffentlichen „Lach-Demonstrationen“ treffen.

Kommentare (8)

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... bürste

29.07.2014, 17:01 Uhr

"Zum Lachen in den Keller" ?

ich finde die können in ihren Stadtvierteln, die von einem 8m Hohen Zaun umgeben sind,
lachen wo sie wollen.

Und die Wachmannschaften an den Zäunen soll großzügig über Untergrabungen an den Zäune hinwegsehen,
wenn die sich mit Menschen heimlich treffen wollen, damit sie nicht mehr so verkrampft, verbissen in den Tag hinein schau`n müssen (also Frauen Medizin suchen/nehmen wollen)

Ansonsten gelten die Kriterien aus der Massentierhaltung,
wonach weibliche Tiere getrennt von den männlichen gehalten werden müssen,
weil männliche Tiere einfach ungenießbar werden, wenn sie für längere Zeit von weiblichen Tieren umgeben sind.

Darum gilt eine Trennung als Zwingend,
in Stadtvierteln die von einem 8m Hohen Zaun umgeben sind.

hier:
http://www.heise.de/tp/foren/S-Menschinen/forum-262289/msg-23921492/read/

Herr Jürgen Dannenberg

29.07.2014, 17:10 Uhr

Was ich schon immer gesagt habe, die Türkei taucht ab ins <Mittelalter. Erdogan träumt davon ein Suleman der zweite zu sein, und so weiter und so fort. Da passt es schon was der ungute Vizepremiers Arinc von sich gibt.
Wenn die Türkei auch noch die militärische Stärke hätte, so wie sie ihre ureigenen islamischen Wahnvorstellungen inne hat, dann würde der Wiener Gang nicht lange auf sich warten lassen.

Herr richard roehl

29.07.2014, 17:32 Uhr

Ich weiss nicht, warum alle hier so überheblich tun. Wir hier sind doch mit unserem Gesinnungsterror, Denk-und Redeverboten kaum anders, halt nur andersherum

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