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18.02.2013

11:52 Uhr

Türkische Gemeinde

„Das kann man nicht so hinnehmen“

Jahrelang mussten die Familien von ermordeten türkischen oder griechischen Kleinunternehmern sich Verdächtigungen gefallen lassen. Bei einem Treffen mit Präsident Gauck dürften nun schlimme Fehler zur Sprache kommen.

Ein Aufsteller zur Erinnerung an die Mordopfer des NSU. dpa

Ein Aufsteller zur Erinnerung an die Mordopfer des NSU.

BerlinDer Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hat der Bundesregierung mangelndes Engagement bei der Aufklärung der Neonazi-Mordserie vorgeworfen. Kolat sagte dem RBB-Inforadio am Montag: „Ich erwarte, dass die Bundeskanzlerin eine Sitzung des Bundeskabinetts einberuft, auf der ausschließlich dieses Thema behandelt wird.“ Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) halte Informationen zurück. „Es wird praktisch einiges vertuscht, Akten werden geschreddert. Das kann man nicht so hinnehmen“, sagte Kolat.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde begrüßte, dass Bundespräsident Joachim Gauck die Familien der Mordopfer für diesen Montag ins Schloss Bellevue eingeladen hat. „Das ist ein gutes Zeichen, das der Bundespräsident setzt.“ Mit Blick auf die Absage einer Opfer-Angehörigen sagte Kolat, Gauck habe deren Anwälte nicht mit eingeladen, damit ein persönliches Gespräch zustande komme. Allerdings müsse Gauck noch klarere Worte zum Thema Rassismus in Deutschland finden.

Der Bundespräsident trifft am Mittag in Berlin mit den Familien der Opfer der Neonazi-Mordserie zusammen. In vertraulichen Gesprächen im Schloss Bellevue will Gauck die Angehörigen unterstützen und ihnen seine Solidarität zeigen. Ende Januar hatte Gauck sich bereits über den Stand der Arbeit des Untersuchungsausschusses zu den Anschlägen des Zwickauer Neonazi-Trios informiert. Damals sagte er, die Sicherheitsorgane in Deutschland müssten den Schutz aller Bürger in diesem Land garantieren, unabhängig von ihrer Herkunft.

Viele Angehörige der Neonazi-Mordserie wollen bei dem Mitte April beginnenden Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe dabei sein, sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John, im ZDF-„Morgenmagazin“. „Viele wollen an jedem Verhandlungstag dabei sein.“ Zschäpe ist das einzige noch lebende Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), dem zehn Morde zugerechnet werden. Die Angehörige müssten wieder Kontrolle über ihr Leben erlangen, sagte John. „Nun am Prozess teilzunehmen, das ist für sie wichtig, und zu erleben, dass da auch Schuldige gesehen werden und dass die Nation auch sieht, was da eigentlich passiert ist.“

Dem Neonazi-Trio werden zehn Morde zwischen den Jahren 2000 und 2007 zugerechnet - an neun türkisch- oder griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin. Jahrelang war der rechtsterroristische Hintergrund der Morde nicht erkannt worden. Stattdessen war im Umfeld der Opfer nach den Tätern gesucht worden.

Von

dpa

Kommentare (26)

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Vicario

18.02.2013, 12:32 Uhr

Zitat : Jahrelang war der rechtsterroristische Hintergrund der Morde nicht erkannt worden. Stattdessen war im Umfeld der Opfer nach den Tätern gesucht worden.

Es ist nicht wesentlich, welchen Hintergrund die Morde hatten..: rechtsterroristisch oder linksterroristisch oder gar keinen..!
Es ist wesentlich, dass der Staat ( Polizei, Verfassungsschutz, etc. ) absolut versagt hat !

Wie kann es sein, dass 3 Mörder über 10 Jahre hinweg in aller Seelenruhe 10 Menschen mit einer Waffe erschießen, und die Polizei nicht mal Ansätze von Anhaltspunkten hatte und dabei noch die Angehörigen terrorisierte?

Und anstatt Politprofit aus der Misere zu schlagen, sollten sich die Verantwortlichen mal die Frage stellen, wie man sich bei den betroffenen " ANGEMESSEN" entschuldigt, entschädigt und die Verantwortlichen auf die Anklagebank bringt !!!

Alles andere ist heuchlerisch und wiederum verlogen !!!

Account gelöscht!

18.02.2013, 13:17 Uhr

Da gebe ich Ihnen zwar Recht Vicario,
abr wo sind denn die Entschuldigungen und auch die Beileidsbekundungen seitens der türkischen Vereine wenn mal wieder ein Deutscher von jugnen Türken zu Tode geprügelt wird?
Letztes Opfer Jonny K, am Alexanderplatz.
Da kam nichts.
Wo war eine Beileidsbekundung von türksichen Verbäden, als die Mitarbeiterin der ARGE in Neuss ermordet wurde? Usw. usw.

Vicario

18.02.2013, 13:29 Uhr

@ margrit117888

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und die Sachen soll man auch nicht gegeneinander ausspielen !

Man kann nicht ein Unrecht mit einem anderen Unrecht rechtfertigen...?!

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