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22.09.2014

12:59 Uhr

Türkische Grenze

Kurden sollen IS-Vormarsch gestoppt haben

Kurdische Kämpfer sollen die Terrormilizen des IS nahe der Grenze zur Türkei gestoppt haben. Ein Sprecher der IS-Milizen ruft zu Morden an Zivilisten auf. Mehr als 130.000 Kurden sind bereits geflüchtet.

Kurdische Kämpfer haben nach eigener Darstellung den Vormarsch der IS-Kräfte gestoppt. dpa

Kurdische Kämpfer haben nach eigener Darstellung den Vormarsch der IS-Kräfte gestoppt.

Beirut/SurucKurdische Kämpfer haben nach eigener Darstellung den Vormarsch der Extremistenmiliz Islamischer Staat in der Nähe der nordsyrischen Stadt Kobani gestoppt. Der Vorstoß sei in der Nacht zum Montag zum Erliegen gekommen, sagte ein Sprecher der Kurdenmiliz YPG.

Allerdings gebe es immer noch Kämpfe. Kobani liegt an der Grenze zur Türkei. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Islamisten hätten in den vergangenen 24 Stunden keine größeren Erfolge erzielt.

Vor der Offensive der Terrormiliz Islamischer Staat im Norden Syriens sind bis Montag mehr als 130.000 Menschen in die benachbarte Türkei geflohen. Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, die Zahl der meist kurdischen Flüchtlinge könne angesichts der andauernden Kämpfe noch steigen. Die Türkei sei auf „den schlimmsten Fall“ vorbereitet.

Kurdische Kämpfer meldeten erste Erfolge gegen die Terrormiliz, die in den vergangenen Tagen fast bis auf Sichtweite zur türkischen Grenze vorstieß. Kämpfe tobten bereits nahe der Grenzstadt Ajn al-Arab, die kurdisch Kobani heißt. Das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte mit Sitz in London berichtete, seit Sonntagabend seien 21 kurdische Kämpfer in Gefechten meist in den südlichen Außenbezirken von Kobani getötet worden.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

US-Außenminister John Kerry äußerte unterdessen die Erwartung, dass sich die Türkei nach der Befreiung von 49 Geiseln aktiver in den Kampf gegen die Terrormiliz einschaltet. Davor warnte ein IS-Sprecher: Die Terrormiliz sei zum Kampf gegen eine von den USA geführten militärischen Koalition bereit.

Abu Mohammed al-Adnani rief überdies Muslime in aller Welt auf, Zivilisten jener Länder zu töten, die sich dem Kampf gegen seine Organisation anschlössen.

Die IS-Miliz, die seit Monaten weite Teile Syriens und des Iraks unter ihrer Kontrolle hat, eroberte vergangene Woche Dutzende kurdischer Dörfer in Nordsyrien. Allein am Wochenende kamen nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks rund 70 000 Menschen in die Türkei.

Die Grenze wurde nach Auseinandersetzungen mit den türkischen Behörden zeitweilig geschlossen. Die Türkei beherbergt insgesamt bereits mehr als 1,5 Millionen Syrer, die sich vor dem seit mehr als drei Jahren wütenden Bürgerkrieg in Sicherheit gebracht haben.

Menschen, die sich in der jüngsten Flüchtlingswelle retten konnten, berichteten am Wochenende in der Türkei von Gräueltaten der sunnitischen Dschihadisten, darunter Steinigungen und Enthauptungen. Häuser sollen niedergebrannt worden sein. Die Menschen stammen nach Angaben des türkischen Katastrophenschutzes überwiegend aus der Gegend um Kobani.

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