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07.01.2017

17:56 Uhr

Türkische Truppen im Irak

Bagdad und Ankara entschärfen Streit

Über Monate stritt sich der Irak mit der Türkei über türkische Truppen im Norden des Landes. Bagdad rief sogar den UN-Sicherheitsrat an. Jetzt sind zwischen beiden Ländern freundlichere Töne zu hören.

Der türkische Ministerpräsident und sein irakischer Amtskollege haben sich im Streit um türkische Truppen im Norden des Irak wieder angenähert. AFP; Files; Francois Guillot

Binali Yildirim und Haidar al-Abadi

Der türkische Ministerpräsident und sein irakischer Amtskollege haben sich im Streit um türkische Truppen im Norden des Irak wieder angenähert.

BagdadDer Irak und die Türkei haben ihren heftigen Streit um die türkischen Truppen im Norden des Landes entschärft. Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi sprach am Samstag nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Binali Yildirim in Bagdad von einer Einigung, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Ankara habe zugesagt, das Thema bald beizulegen, sagte al-Abadi.

Yildirim erklärte einschränkend, das Thema werde „auf freundschaftliche Weise“ mit der irakischen Regierung gelöst, wenn die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zerstört sei. Die Truppen würden abziehen, sobald im Land Frieden und Stabilität herrschten.

Bagdad und Ankara streiten sich seit Monaten um eine türkische Militärbasis in Baschika nahe Mossul. Die türkischen Soldaten bilden dort im Kampf gegen den IS lokale sunnitische Kräfte aus und unterstützen auch kurdische Peschmerga-Kämpfer. Der Irak fordert seit langem, dass die Türkei ihre Truppen abzieht und hatte deswegen den UN-Sicherheitsrat angerufen. Ankara wies die Forderung bisher zurück.

Ankara will außerdem stärker am Kampf gegen den IS in der Region beteiligt werden. Die mehrheitlich sunnitische Türkei will einen wachsenden Einfluss schiitischer und vom Iran unterstützter Milizen im Nachbarland verhindern. Diese spielen bei der Offensive zur Befreiung der IS-Hochburg Mossul eine wichtige Rolle.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

In einer gemeinsamen Erklärung nach dem Treffen der Regierungschefs hieß es: „Beide Seiten betonten, dass das Militärlager Baschika ein irakisches Militärlager ist.“ Der Irak habe bekräftigt, dass die Türkei mit Schritten zum Abzug ihrer Truppen beginne und die Akte geschlossen werde. Die Türkei versichert in dem Papier, sie respektiere die Souveränität des Iraks. Beide Seiten wollten im Kampf gegen den Terrorismus zusammenarbeiten, hieß es weiter.

Yildirim begrüßte nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu eine Zusage al-Abadis, wonach der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht erlaubt werde, der Türkei von irakischem Territorium aus Schaden zuzufügen. Diese Aussage sei „mit großer Freude“ zur Kenntnis genommen worden und zeige, was die Türkei und der Irak gemeinsam im Kampf gegen den Terrorismus erreichten könnten.

Die PKK unterhält im nordirakischen Kandil ihr Hauptquartier. Vor dem Treffen der beiden Regierungschefs flog die türkische Luftwaffe in der Region Angriffe gegen PKK-Stellungen. Anadolu meldete, die Kampfjets hätten am Freitagabend elf Ziele bombardiert.

Norden von Mossul: Irakische Truppen rücken erstmals ein

Norden von Mossul

Irakische Truppen rücken erstmals ein

Beim Kampf um die nordirakische Millionenstadt Mossul sind das erste Mal irakische Truppen in den Norden der Stadt vorgerückt. Auch im Osten kann die irakische Armee weitere Geländegewinne verzeichnen.

Yildirim forderte zudem einen Abzug der PKK-Kämpfer aus der Sindschar-Region. Terrororganisationen in dem Gebiet stellten eine Bedrohung dar, die beseitigt werden müsse.

Die Sindschar-Region im Nordwesten des Iraks ist eine Hochburg der religiösen Minderheit der Jesiden. Das mittlerweile wieder befreite Gebiet war 2014 vom IS überrannt worden. PKK-Kämpfer unterstützten damals die Angehörigen der religiösen Minderheit bei der Flucht.

Die kurdischen Autonomieregierung im Nordirak hatte sich in dieser Woche nach eigenen Angaben mit der PKK auf einen Abzug der PKK-Kämpfer aus der Region um das Sindschar-Gebirge geeinigt. Unklar ist aber bisher, wann die PKK-Kämpfer das Gebiet verlassen werden.

Von

dpa

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