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03.06.2014

17:31 Uhr

Türkischer Ministerpräsident in Aktion

Erdogan nennt CNN Reporter einen „Speichellecker“

Die Berichte westlicher Medien seien weder frei noch unabhängig, findet Recep Tayyip Erdogan. Seit den Gezi-Protesten sieht sich der türkische Ministerpräsident unfair behandelt. Nun schlägt er gegen CNN-Reporter zurück.

Langsam fragen sich Beobachter, wie weit er noch gehen will in der Konfrontation mit dem Ausland: Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan schlägt harte Töne an. Reuters

Langsam fragen sich Beobachter, wie weit er noch gehen will in der Konfrontation mit dem Ausland: Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan schlägt harte Töne an.

IstanbulDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den US-Sender CNN wegen der aus seiner Sicht zu kritischen Berichterstattung angegriffen. Bezogen auf den Korrespondenten des Senders, Ivan Watson, sprach Erdogan am Dienstag bei einer Fraktionssitzung seiner Partei AKP in Ankara von dem „Speichellecker von CNN“, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Seit den Gezi-Unruhen vor einem Jahr wächst die Kritik der Regierung an der Berichterstattung westlicher Medien. Ausländische Reporter beklagen, ihre Arbeit werde zunehmend erschwert.

Die CNN-Berichterstattung habe mit „freier, unparteiischer, unabhängiger Presse“ nichts zu tun, sondern wirke nahezu wie Arbeit von „Agenten“, sagte Erdogan. Watsons Namen nannte Erdogan nicht ausdrücklich.

Der Journalist war am Samstag - dem Jahrestag des Beginns der landesweiten Gezi-Proteste - auf dem Istanbuler Taksim-Platz während einer Live-Schalte von der Polizei kurzzeitig festgesetzt worden.

Türkische Regierung: Erdogan-Berater droht deutschen Medien

Türkische Regierung

Erdogan-Berater droht deutschen Medien

Ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan droht deutschen Medien. Niemand dürfe „den türkischen Staat, die Regierung, den Ministerpräsidenten so schamlos attackieren“.

Erst am Montag hatte Erdogan-Berater Yigit Bulut die deutsche Presse kritisiert, „ein Teil der deutschen Medien“ würde regierungsfeindlich berichten. In einer Kolumne in der regierungsnahen Zeitung „Star“ drohte Bulut, diese Medien würden noch lernen, dass niemand „den türkischen Staat, die Regierung, den Ministerpräsidenten so schamlos angreifen“ dürfe.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warf Bulut - der früher Journalist war - ein „gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit“ vor. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken teilte am Dienstag mit: „Der Erdogan-Berater setzt kritische Berichterstattung mit Majestätsbeleidigung gleich.“ Konken forderte: „Herr Erdogan, nehmen Sie Ihren Berater an die Leine!“

Erdogan hatte im vergangenen Monat bei einem Auftritt vor AKP-Anhängern in Köln Kritik am „Spiegel“ geübt. Anlass war ein Zitat eines Bergmanns nach dem Grubenunglück von Soma, den „Spiegel Online“ mit den Worten „Scher Dich zum Teufel, Erdogan“ wiedergab. Regierungsnahe Medien erweckten danach den Eindruck, das Magazin habe sich diese Aussage zu eigen gemacht. „Spiegel“-Korrespondent Hasnain Kazim erhielt danach Morddrohungen und verließ kurzzeitig das Land.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

03.06.2014, 19:16 Uhr

Erdogan sollte nicht so auf dem armen CNN-Journalisten herumhacken. Das ist ungerecht - es gibt tausende andere, die es genauso verdienen.

Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, wie aus dem einstigen Liebling von USA- und EUdSSR-Politikern und ihrer "freien" Presse (z.B. wurde die Erdogan-Partei als islamische CDU dargestellt!!!!) plötzlich zunehmend ein brutaler unfreundlicher Diktator wird, der sein Volk unterdrückt?

Erdogan ist offenbar bei seinen früheren Förderern, den US-Amerikanern (und Saudis) in Ungnade gefallen. Das Zerwürfnis hat wohl so richtig begonnen, als man nach Absage des Syrien-Angriffskriegs von Seiten der Amerikaner die den Türken wohl zugesagte Beute nicht liefern konnte. Zudem beansprucht die Türkei einen Löwenanteil der im östlichen Mittelmeer auf Ausbeutung wartenden Gasreserven, die ja bekanntlich niemanden anderen gehören als den Anglo-Amerikanern und Israel, das als einziges Land bereits fördert.
Alle anderen Staaten wurden von Unruhen erschüttert, Opfer von Angriffskriegen oder finanziellen Angriffen (Griechenland und Zypern). Warum sollte man die Türkei schonen, wenn sie widerspenstig ist? Zudem hat Türkei als Mittler funktioniert im Gold-gegen-Öl-Geschäft von Iran mit Indien und schielt statt EU- und Nato-Mitgliedschaft ziemlich offen mit einer SCO-Mitgliedschaft (der Kooperation um Rußland und China).
Erdogan spurt also nicht mehr und betreibt eine Politik, die seinem Land nützt und nicht den Ölbaronen. Also muß er weg.
Daher häufen sich "Demonstrationen" (da sind Farbenrevolutions-Profis am Werk) und es wird über allerlei Fehltritte und Korruptions des Erdogan Clans berichtet WAS FRÜHER in der freien westlichen Presse TABU WAR (als er noch "unser" Liebling war). Also, Erdogan muß weg. In den USA scharrt schon sein früherer Verbündeten, der noch islamistischere Gülen, als neue Marionette die Hufe.

Es ist im Grund ein Wunder, daß Erdogan sich bislang an der Macht halten konnte.

Account gelöscht!

04.06.2014, 07:47 Uhr

Von jemandem, der Twitter und Youtube sperren läßt, ist so eine Äußerung schon sehr komisch. Aber auch hier gibt es ja genügend Kommentatoren, für die Meinungsfreiheit nur dann auf der Fahne seht, wenn es sich mit deren Meinung deckt.

Account gelöscht!

04.06.2014, 10:21 Uhr

Meinungsfreiheit in Deutschland? Dies war einmal nach meiner Wahrnehmung! Versucht man islamkritisch zu sein, wird die meinung sofort von jeden unterdrückt. Ich habe den Eindruck, wir sollen durch unsere Politiekr ein islamischer Gottesstaat werden. Schon wieder wird eine Schule für Islamisten in Berlin gefordert. "Tötet Andersgläubige" ist die Maxime des Islams und jeder Politiker unterstützt dies. Sogar die evangelische Kirche! Wieso wollen wir in Deutschland unbedingt Mörder, Terroristen, Erpresser, Entführer usw. schulen? Es ist wohl nur noch eine Frage der zeit, wann in Deutschland auf Wunsch, Befehl unserer Politiekr der Bürgerkrieg ausbricht. Bürgerkriegserfahrene holen wir ja jetzt genug in unser Land!

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