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13.07.2012

15:51 Uhr

TÜV-Reform

EU-Pläne kommen Autofahrer teuer zu stehen

VonMichael Brächer

Die EU-Kommission plant jährliche TÜV-Untersuchungen für ältere Autos, um die Straßen sicherer zu machen. Für deutsche Autofahrer könnte das teuer werden.

Gebrauchtwagen verschiedener Marken. ap

Gebrauchtwagen verschiedener Marken.

BrüsselTäglich sterben fünf Menschen auf Europas Straßen, weil ihre Autos und Motorräder technische Mängel aufweisen. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas stellt heute neue Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit vor.

Kallas will mit jährlichen Kontrollen und einheitlichen Prüfstandards Unfälle verhindern, die durch technische Defekte ausgelöst werden. Laut Studien sei derzeit jedes zehnte Auto in Europa mit technischen Defekten unterwegs, sagte Kallas. „Wir möchten diese Fahrzeuge nicht auf unseren Straßen haben“. Rund 1200 Todesfälle im europäischen Straßenverkehr sollen durch die neuen Maßnahmen jedes Jahr verhindert werden. Doch bei Verbänden und Verkehrspolitikern stößt sein Vorschlag auf Widerstand: Autofahrern drohen Mehrkosten in Millionenhöhe.

FAQ TÜV-Prüfung

Was würde sich für deutsche Pkw-Besitzer ändern?

Ein neuer Pkw muss in Deutschland das erste Mal nach drei Jahren zum TÜV, danach in zweijährigen Abständen. Die EU-Kommission will eine erste Prüfung nach vier Jahren, die nächste nach zwei Jahren und dann jährlich. Für Motorräder oder motorisierte Dreiräder gilt das gleiche. Pkw oder Kleintransporter bis zu 3,5 Tonnen, die bei der ersten Untersuchung mehr als 160 000 Kilometer auf dem Zähler haben, müssen sich danach jährlich vorstellen.

Was ist mit anderen Fahrzeugklassen?

Es gibt einige Fahrzeugklassen, die Verkehrskommissar Kallas schon ab dem Kauf jährlich zum TÜV schicken will: Wagen mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, Laster mit mehr als 3,5 Tonnen, Traktoren, die schneller als 40 km/h fahren können und Anhänger, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen.

Gibt es Ausnahmen?

Oldtimer sind von dem Gesetzesvorschlag ebenso ausgenommen wie Militärfahrzeuge, Feuerwehrautos, Fahrzeuge der Rettungsdienste oder Land- und Forstfahrzeuge, die nicht schneller als 40 km/h fahren. Auch Zirkus- und Schaustellerwagen mit dieser Höchstgeschwindigkeit sind nicht betroffen. Für Krankenwagen oder Taxis sind bereits jetzt jährliche Überprüfungen vorgesehen.

Warum will die EU-Kommission mehr Tests für ältere Autos?

Verkehrskommissar Kallas sagt, es sei statistisch erwiesen, dass zwischen dem fünften und sechsten Betriebsjahr eines Pkw die Zahl schwerer und damit auch tödlicher Unfälle steigt. 2000 Verkehrstote stürben pro Jahr durch technische Mängel - 1200 davon seien durch bessere Kontrollen zu vermeiden. Insgesamt könnten 36 000 Unfälle verhindert werden.

Sind ältere Autos wirklich gefährlicher?

Dekra und TÜV Süd bestätigen, dass ältere Fahrzeuge anfälliger sind. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält allerdings dagegen: Es fehlten Daten, Raserei, Alkohol am Steuer und Fahren ohne Sicherheitsgurt seien die Haupttodesursachen. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller meint, für engmaschigere Untersuchungen fehle die Datenbasis. Die Unfallforschung der Versicherer merkt an, nicht jeder Mangel sei auch gefährlich.

Was steht denn sonst noch in dem Vorschlag?

Kallas sieht zum Beispiel bestimmte Standards für Organisationen und Personen vor, die die Prüfungen durchführen. Falls es sich dabei nicht um staatliche Stellen handelt, soll der Staat diese Stellen kontrollieren. Außerdem will der Verkehrskommissar gegen Dreherei am Kilometerzähler vorgehen. 5 bis 12 Prozent der Gebrauchtwagen werden laut EU-Kommission mit manipulierten Kilometerständen verkauft. Die Behörde schlägt deshalb vor, den Stand in der Prüfbescheinigung zu vermerken.

Ist das alles schon beschlossen?

Nein. Nun werden sich Europaparlament und EU-Staaten mit den Plänen befassen und sie sicher noch hier und da verändern. Das Bundesverkehrsministerium zum Beispiel hat schon mitgeteilt, dort halte man häufigere Prüfungen in Deutschland für unnötig.

Die Brüsseler Pläne sehen vor, dass Fahrzeuge ab dem siebten Betriebsjahr in Zukunft alle zwölf Monate auf den Prüfstand fahren müssen. Auch für Fahrzeuge, die bei der ersten Hauptuntersuchung nach vier Jahren die 160000-Kilometer-Marke geknackt haben, will die Kommission jährliche Kontrollen einführen.

In Deutschland wäre von der Änderung fast jedes zweite Fahrzeug betroffen: Rund 25  Millionen Automobile sind älter als sieben Jahre. Derzeit sieht das deutsche Recht für Neuwagen nach drei Jahren die erste Hauptuntersuchung vor, ältere Fahrzeuge müssen nur alle zwei Jahre zum TÜV.

Der ADAC läuft gegen die Pläne aus Brüssel Sturm: Es handele sich um reine Abzocke der deutschen Autofahrer, heißt es in einer Stellungnahme. Kürzere Prüfintervalle führten nicht automatisch zu mehr Verkehrssicherheit, so der Automobilverband. Für die Fahrzeughalter rechnet der ADAC mit Mehrbelastungen von insgesamt 630 Millionen Euro. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft sprach von „reiner Abzocke“ der Autofahrer.

Kommentare (26)

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Troja2012

13.07.2012, 16:33 Uhr

Sehr gut! Der TÜV reißt uns raus!

Uli

13.07.2012, 16:34 Uhr

Welch ein Unsinn! Der Argumentation folgend müsste man zuerst den Alkohol verbieten, dann Autos über 30 PS und letztlich die Dummheit. Aber gerade bei letzterem tut sich die EU offensichtlich schwer.

Account gelöscht!

13.07.2012, 16:37 Uhr

Danach wird alles besser :D LOL

Nur komisch dass ALLE Lösungen die von diesem ganzen Verbrecherregime kommen, damit zu tun haben dass man überall mehr zahlen soll.

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