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14.07.2012

04:22 Uhr

TÜV-Reform

Ramsauer will deutsches Niveau bei Prüfpraxis

Die EU-Kommission plant eine Reform der TÜV-Untersuchungen. Bundesverkehrsminister Ramsauer will dagegen kämpfen - und bringt schon einmal seine Argumente vor. Doch ein formales Hindernis bremst seinen Elan.

Die EU-Kommission will ältere Autos jährlich zum TÜV schicken. dpa

Die EU-Kommission will ältere Autos jährlich zum TÜV schicken.

BerlinBundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die umstrittenen Pläne der EU-Kommission zur Verkürzung der TÜV-Fristen bei älteren Autos oder mit hoher Kilometerleistung im Verkehrsminister-Rat stoppen.

Ramsauer sagte der "Bild"-Zeitung (Onlineausgabe), die Prüfpraxis habe sich in Deutschland bewährt: "Wir haben bei der Hauptuntersuchung hohe Standards. An unserem Modell können sich andere Staaten orientieren. Wenn überall in Europa eine solche Qualität vorherrschen würde wie bei uns, wären wir einen großen Schritt weiter."

Brüssel könne die Prüfpraxis "gerne harmonisieren - aber auf deutschem Niveau", betonte der CSU-Politiker weiter. Ramsauer wies allerdings darauf hin, dass Deutschland bei der geplanten Brüsseler TÜV-Verordnung kein Veto wie bei steuerpolitischen Entscheidungen einlegen könne. Er wolle aber für eine Mehrheit im Sinne der deutschen Position kämpfen.

FAQ TÜV-Prüfung

Was würde sich für deutsche Pkw-Besitzer ändern?

Ein neuer Pkw muss in Deutschland das erste Mal nach drei Jahren zum TÜV, danach in zweijährigen Abständen. Die EU-Kommission will eine erste Prüfung nach vier Jahren, die nächste nach zwei Jahren und dann jährlich. Für Motorräder oder motorisierte Dreiräder gilt das gleiche. Pkw oder Kleintransporter bis zu 3,5 Tonnen, die bei der ersten Untersuchung mehr als 160 000 Kilometer auf dem Zähler haben, müssen sich danach jährlich vorstellen.

Was ist mit anderen Fahrzeugklassen?

Es gibt einige Fahrzeugklassen, die Verkehrskommissar Kallas schon ab dem Kauf jährlich zum TÜV schicken will: Wagen mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, Laster mit mehr als 3,5 Tonnen, Traktoren, die schneller als 40 km/h fahren können und Anhänger, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen.

Gibt es Ausnahmen?

Oldtimer sind von dem Gesetzesvorschlag ebenso ausgenommen wie Militärfahrzeuge, Feuerwehrautos, Fahrzeuge der Rettungsdienste oder Land- und Forstfahrzeuge, die nicht schneller als 40 km/h fahren. Auch Zirkus- und Schaustellerwagen mit dieser Höchstgeschwindigkeit sind nicht betroffen. Für Krankenwagen oder Taxis sind bereits jetzt jährliche Überprüfungen vorgesehen.

Warum will die EU-Kommission mehr Tests für ältere Autos?

Verkehrskommissar Kallas sagt, es sei statistisch erwiesen, dass zwischen dem fünften und sechsten Betriebsjahr eines Pkw die Zahl schwerer und damit auch tödlicher Unfälle steigt. 2000 Verkehrstote stürben pro Jahr durch technische Mängel - 1200 davon seien durch bessere Kontrollen zu vermeiden. Insgesamt könnten 36 000 Unfälle verhindert werden.

Sind ältere Autos wirklich gefährlicher?

Dekra und TÜV Süd bestätigen, dass ältere Fahrzeuge anfälliger sind. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält allerdings dagegen: Es fehlten Daten, Raserei, Alkohol am Steuer und Fahren ohne Sicherheitsgurt seien die Haupttodesursachen. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller meint, für engmaschigere Untersuchungen fehle die Datenbasis. Die Unfallforschung der Versicherer merkt an, nicht jeder Mangel sei auch gefährlich.

Was steht denn sonst noch in dem Vorschlag?

Kallas sieht zum Beispiel bestimmte Standards für Organisationen und Personen vor, die die Prüfungen durchführen. Falls es sich dabei nicht um staatliche Stellen handelt, soll der Staat diese Stellen kontrollieren. Außerdem will der Verkehrskommissar gegen Dreherei am Kilometerzähler vorgehen. 5 bis 12 Prozent der Gebrauchtwagen werden laut EU-Kommission mit manipulierten Kilometerständen verkauft. Die Behörde schlägt deshalb vor, den Stand in der Prüfbescheinigung zu vermerken.

Ist das alles schon beschlossen?

Nein. Nun werden sich Europaparlament und EU-Staaten mit den Plänen befassen und sie sicher noch hier und da verändern. Das Bundesverkehrsministerium zum Beispiel hat schon mitgeteilt, dort halte man häufigere Prüfungen in Deutschland für unnötig.

Brüssel plant, dass künftig Autos, die älter als sechs Jahre sind oder mehr 160.000 Kilometer auf dem Tacho haben, jährlich zu Hauptuntersuchung müssen. In Deutschland ist dies bisher nur alle zwei Jahre Pflicht.

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Kommentare (17)

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Kofinas

14.07.2012, 05:34 Uhr

Brüssel kann einen "Papiertieger" nach dem anderen gebären, in den meisten EU-Südoststaaten ändert sich deswegen nichts. Gesetze die nur auf dem Papier bestehen sind wertlos! - Oder glaubt man wirklich, dass sich in den Südosteuropäischen Ländern in der Praxis deswegen etwas ändern würde. Nur im Norden zebricht man sich deswegen die Köpfe! Im Süden und Oster der EU läuft alles wie gehabt weiter. Wer sich auskennt weil er in den Ländern selber diesbezügliche Erfahrungen sammeln konnte, der weiss was gemeint ist: Autos die in Deutschland schon längst beim Schrotthändler gelandet wären, fahren in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Polen, Malta, Zypern und im Baltikum noch unbehelligt herum. Also was soll's! Brüssel's Technokraten sind wie Mitglieder einer "Geschützten Werkstatt", sie arbeiten in einer Parallelwelt, die mit der gelebten Realität nicht mehr viel zu tun hat...

Ludwig500

14.07.2012, 05:40 Uhr

Herr Ramsauer, sprechen Sie doch erst mal in Ruhe mit ihren TüV/Dekra/KüS-Lobbyisten. Die erklären Ihnen dann weshalb eine jährliche Prüfung alternativlos ist. Da wird schon irgendwann ein Kind von einem Auto mit defekter Bremse 16 Monate nach dem letzten TüV-Termin...

Viel Erfolg beim Zurückrudern. Sie schaffen das schon. Der Hinweis, man wolle ja nicht, aber könne nicht anders, war schon mal ein guter erster Schritt.

senfra

14.07.2012, 06:13 Uhr

Ich finde es gut. Sicher werden die Prüffaktoren vereinheitlich. Somit kontroliert ob Sitze und Lenkrad vorhanden sind. Und die Prüfgebühr beträgt 8.-€.
Ebenso müssten alle Prüfplaketen aus jedem Land als TÜV anerkannt werden.
Dann lasse ich mit die Picherl aus dem Baltikum schicken.

Finde ich gut!

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