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03.02.2011

08:30 Uhr

Tui-Chef Frenzel

Ägyptens Tourismus lässt sich nicht unterkriegen

VonMichael Frenzel

Mehrere Reiseveranstalter haben ihre Reisen nach Kairo und Luxor abgeblasen. Aber auch wenn der Strom an Urlaubern derzeit unterbrochen ist, um die ägyptische Tourismusindustrie muss man sich keine Sorgen machen. Das zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit.

Michael Frenzel: Der Tui-Chef über die Zukunft des Tourismus in Ägypten. DAPD

Michael Frenzel: Der Tui-Chef über die Zukunft des Tourismus in Ägypten.

Die Welt blickt in diesen Tagen gespannt nach Kairo. Wie in Tunesien kämpfen nun auch in Ägyptens Straßen Protestbewegungen für mehr Freiheit und Demokratie. Viele arabische Länder stehen vor einem politischen und gesellschaftlichen Umbruch, der die Macht- und Lebensverhältnisse im Nahen und Mittleren Osten nachhaltig verändern könnte.

Das Auswärtige Amt rät vor einer Reise in die ägyptischen Metropolen ab. Unternehmen ziehen ihre Mitarbeiter zurück. Viele internationale Reiseveranstalter, so auch die Tui, haben ihre Reisen nach Kairo und Luxor abgesagt. Obwohl in den touristischen Zentren am Roten Meer wie Scharm el Scheich oder Hurghada die Lage ruhig ist und es keine Einschränkungen für Urlauber gibt, werden für den Augenblick Umbuchungen empfohlen.

Was nun bedeuten die Unruhen für den internationalen Tourismus? Zunächst einmal ist Ägypten nicht nur ein wichtiger geopolitischer Standort, sondern hat sich als bedeutendes Reiseziel auf der internationalen Landkarte der Touristik etabliert. So wie das Land insgesamt zu einem stabilen und verlässlichen Partner des Westens geworden ist, wurden die Strände und einzigartigen Kulturstätten in den vergangenen Jahrzehnten zu Magneten für europäische Urlauber. Das Land der Pharaonen ist uns sympathisch und vertraut geworden.

Daran wird sich nichts ändern, auch wenn der Strom an Bade- und Kultururlaubern jetzt möglicherweise kurz abreißt. Die Tourismusindustrie hat sich für Ägypten zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig und Wachstumsmotor entwickelt, der nicht ins Stottern geraten darf.

Zusammen mit dem Suez-Kanal ist die Touristik die bedeutendste Devisenquelle des Landes. Wer immer im Ringen um die Zukunft des Landes die Oberhand gewinnen wird, weiß das.

Seit vielen Jahren arbeitet die internationale Touristik in Ägypten mit überaus fortschrittlichen und visionären Partnern zusammen. Der Tourismus ist ein Garant für mehr Wohlstand in Nordafrika. Allein die deutsche Tui konnte die Gästezahl seit 2001 um fast 60 Prozent steigern - trotz Rückschlägen und Krisen, die es immer wieder in Ägypten gab. Durch den Aufbau von Infrastruktur, die Bereitstellung von begehrten Arbeitsplätzen und die Schaffung einer Plattform für die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen ist der internationale Tourismus aus Ägypten nicht mehr wegzudenken.

Er ist auch ein Mosaikstein, um verkrustete Strukturen aufzuweichen. Ägypten und auch Tunesien brauchen mittel- und langfristig die Gäste aus dem Ausland. Europäer genießen Sonne und Strände, bestaunen und bewundern aber auch die Leistungen der Hochkulturen vergangener Epochen, worauf die einheimische Bevölkerung mit Recht stolz ist.

Um die Zukunft des Tourismus in Ägypten nach dem Ende der aktuellen Unruhen muss sich niemand Sorgen machen. Wie widerstandsfähig dieser Wirtschaftszweig gerade in Ägypten ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Auch nach dem verheerenden Anschlag in Luxor 1997 und anderen Störfeuern auf der Halbinsel Sinai kam die Nachfrage wieder in Gang. Die Anziehungskraft von Abu Simbel, Giseh, Karnak und dem Tal der Könige ist stärker als die Bilder kurzfristiger politischer Aufstände. Ägypten hat viele Krisen in seiner 7000-jährigen Geschichte gemeistert, dies wird auch diesmal gelingen.

Übrigens: Die Pauschalreise konnte in Ägypten und Tunesien wieder einmal ihre Stärke und Vitalität unter Beweis stellen. Große Reiseveranstalter sind imstande, zeitnah ihre Gäste verantwortungsbewusst über die Situation vor Ort aufzuklären. Nur große Reiseveranstalter sind mit ihrer Infrastruktur in der Lage, in Krisen schnell zu reagieren und sich um ihre Kunden zu kümmern. Der Vulkanausbruch auf Island und jetzt auch die Unruhen in Tunesien haben gezeigt: Wer individuell reist, steht im Krisenfall meist alleine da.

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