Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.08.2012

04:58 Uhr

Tunesien

Demonstranten fordern „zweite Revolution“

Nach dem politischen Umsturz braucht Tunesien eine neue Verfassung. Doch die bisherigen Pläne stoßen auf Widerstand in der Bevölkerung: Tausende demonstrierten gegen die islamistische Regierung - und für Frauenrechte.

Tunesierinnen protestieren gegen einen Verfassungsentwurf und fordern Respekt. AFP

Tunesierinnen protestieren gegen einen Verfassungsentwurf und fordern Respekt.

TunisTausende Menschen haben am Montagabend in Tunesiens Hauptstadt Tunis für Frauenrechte und gegen die islamistische Ennahda-Partei protestiert. "Gleichheit in der Verfassung" und "Die Zukunft ist ohne die Frauen nicht denkbar", riefen die Massen und forderten eine verfassungsrechtlich gesicherte Gleichheit der Geschlechter.

Die Demonstrationszüge zogen auf zwei Routen durch Tunis, wobei nur eine der Demonstrationen vom Innenministerium genehmigt war. Einige riefen auch Slogans gegen die von der Ennahda-Partei geführte Regierung und forderten eine "zweite Revolution".

Im Mittelpunkt der Kritik steht ein Artikel der neuen Verfassung Tunesiens, der in den Augen von Frauen- und Menschenrechtsaktivisten die Gleichheit der Geschlechter untergräbt. In dem Text ist von "Komplementarität" und nicht von Gleichheit die Rede.

Stattdessen müsse das Gesetz von 1956 in Kraft bleiben, nach dem Frauen und Männer vollständig gleichberechtigt sind. Die Demonstrantinnen forderten, die Regierung solle sich besser um Probleme wie Arbeitslosigkeit und Entwicklung in den Regionen kümmern.

Auch in anderen Städten des Landes fanden am Montag Demonstrationen statt. Es waren die größten Proteste seit mehreren Monaten.

Die gemäßigt islamistische Ennahda, die seit Oktober die Regierung führt, steht von zwei Seiten unter Druck: Die kompromisslosen Salafisten verlangen die Einführung des strengen islamischen Rechts. Säkulare Oppositionsgruppen wehren sich dagegen. Die Ennahda-Partei hatte zugesichert, das islamische Recht nicht einzuführen und die Rechte der Frauen zu respektieren.

Tunesien ist eines der liberalsten Länder in der arabischen Welt. Der Sturz des lange herrschenden Präsidenten Zine al-Abdine Ben Ali Anfang vergangenen Jahres löste den Arabischen Frühling aus, in dem es auch in Ägypten und Libyen zum Umsturz und in zahlreichen anderen arabischen Ländern zu Protesten kam.

Die neue Verfassung des Landes sollte ursprünglich im Oktober dieses Jahres verabschiedet werden. Als "realistisches Datum" wurde nun aber Ende April 2013 genannt.

Nach der Revolution: Tunesien schreitet mit leichtem Wachstum voran

Nach der Revolution

Tunesien schreitet mit leichtem Wachstum voran

Während die Wirtschaft Ägyptens und Libyens im Chaos versinkt, erlebt Tunesien einen zarten Aufschwung. Das Land könnte in Zukunft vom engen Kontakt mit Europa profitieren.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mohamettbroetchen

14.08.2012, 07:48 Uhr

"gegen die islamistische Regierung - und für Frauenrechte"

Da haben die Demonstranten und vor allem die Frauen den ARABISCHEN FRÜHLING wohl missverstanden - Nunja, unsere Baukranindustrie wird's nicht stören.

Schlaui

14.08.2012, 09:38 Uhr

Und hier tanzen die GutmenschInnen den arabischen Frühling :-)) Pruuuusst, hahahaaa

Account gelöscht!

15.08.2012, 09:21 Uhr

Westerwelle, dieser unwissende Aussenminister, den schlechtesten den Deutschland je hatte, hat doch die Islamisten nicht nur in Nordafrika unterstützt sondern will auch, dass das laizistische Regime Assads gestürzt wird. Jetzt müssen die Frauen, um die Rechte welche sie zu Zeiten von Ben Ali hatten zu behalten, auf die Strasse gehen. Das war von Anfang an klar. Nur Westerwelle hat es nicht begriffen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×