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16.01.2011

10:04 Uhr

Tunesien

In Tunis werden die Lebensmittel knapp

Während die Urlauber zu Tausenden aus dem Krisenland ausgeflogen werden, hoffen viele Tunesier auf einen demokratischen Neuanfang. Auf den Straßen beruhigt sich die Lage etwas, allerdings werden die Lebensmittel knapp. Derweil kritisiert der libysche Staatschef Muammar Gaddafi das Vorgehen der Demonstranten scharf.

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi kritisiert die Demonstranten. Quelle: Reuters

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi kritisiert die Demonstranten.

HB TUNIS/PARIS. Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi hat die Tunesier für die Ausschreitungen, die zur Flucht des Präsidenten führten, kritisiert. „Es tut mir sehr weh, was in Tunesien gescheht“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Jana den Revolutionsführer des Nachbarlandes. „Tunesien lebt jetzt in Angst.“ Die Tunesier erlebten Blutvergießen und Gesetzlosigkeit, weil die Menschen in aller Eile versucht hätten, ihren Präsidenten loszuwerden. Dabei habe Staatschef Zine al-Abidine Ben Ali ihnen doch versichert, nach drei Jahren sein Amt aufzugeben.

Derweil hat sich nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Zine El Ben Ali nach wochenlangen blutigen Unruhen hat sich erstmals wieder eine Entspannung der Lage abgezeichnet. Die Gewalt in der Hauptstadt Tunis schien in der Nacht zum Sonntag etwas abzuflauen. Die Lage war ruhiger als in den Nächten zuvor, als Plünderer unterwegs waren und den Hauptbahnhof sowie mehrere Läden in Brand setzten.

Über der Stadt kreisten Militärhubschraubern. In einigen Vierteln bewaffneten sich Bürger mit Stöcken und Knüppeln und bildeten spontane Milizen, um ihre Häuser zu schützen. Ben Ali war am Freitag nach dem Volksaufstand gegen Korruption und steigende Arbeitslosigkeit außer Landes geflohen und hält sich nun in Saudi-Arabien auf.

Wegen der Unruhen und den nächtlichen Ausgangssperre werden in Tunis die Lebensmittel knapp. „Wir haben seit drei Tagen kein Brot mehr bekommen“, sagte eine ältere Frau mit Kopftuch, die am Sonntagmorgen in einer langen Schlange vor der Bäckerei des Zentralmarktes stand. „Wir hatten uns alle mit Vorräten eingedeckt, aber es wird dringend Zeit, dass wir wieder einkaufen können“, sagte sie. Auf dem Markt waren nur etwa ein Viertel der Stände geöffnet. Händler klagten über ausbleibende Lieferungen wegen der Ausgangssperre. „Zum Glück gibt es Gemüse, aber Fleisch ist schwer zu finden“, klagte ein Mann.

Am Samstag wurde Foued Mbazaa als neuer Übergangspräsident vereidigt. Es war der zweite Wechsel an der Spitze des nordafrikanischen Staates innerhalb von nur 24 Stunden. Erst am Vortag hatte Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi im Staatsfernsehen erklärt, er habe nach Ben Alis Flucht die Macht übernommen.

Mbazaa, der bisher Präsident des Unterhauses des Parlaments war, forderte den Ministerpräsidenten des Landes zur Bildung einer Einheitsregierung auf. Im Interesse des Landes müssten „ohne Vorbehalte und ohne Ausnahmen“ alle politischen Parteien beteiligt werden, auch die Opposition, sagte der 77-jährige in einer ersten Fernsehansprache. Das Verfassungsgericht kündigte Neuwahlen innerhalb von zwei Monaten an.

Kommentare (5)

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Stefan

16.01.2011, 11:57 Uhr

Ein Revolutionsführer kritisiert Demonstranten die sich eines Diktators entledigen.Da bin ich ja verwundert.Nacher gehts ihm auch so irgendwann.

Margrit Steer

16.01.2011, 14:27 Uhr

Von so einem Diktator kann ja nichts anderes kommen.

Dipl.-Pol. Ghassan Abid

16.01.2011, 15:37 Uhr

Es ist unglaublich, was zurzeit in Tunesien passiert. ich stehe als deutsch-tunesischer Politikwissenschaftler im engen Kontakt mit Tunesiern in Deutschland und in der Heimat. Es ist traurig, das zum ersten Mal seit Gründung der Republik nun Frauen vergewaltigt wurden:
http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.

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