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12.08.2011

10:19 Uhr

TV-Duell der Republikaner

„Präsident Obama, Sie sind erledigt“

VonNils Rüdel

In ihrem zweiten TV-Duell erklärten die republikanischen Präsidentschaftskandidaten, wie sie Amerika wieder flott machen wollen. Es wurde ein Wettrennen: Wer am lautesten nach Steuersenkungen ruft, gewinnt.

Mitt Romney und Michele Bachmann vor der TV-Debatte. Quelle: Reuters

Mitt Romney und Michele Bachmann vor der TV-Debatte.

WashingtonEs dauert gut eine Stunde, bis Michele Bachmann aus dem Konzept gerät. „Würden Sie sich auch als Präsidentin der Vereinigten Staaten ihrem Mann unterwerfen?“, fragt der Moderator und zeigt sein schönstes Zahnpasta-Lächeln. Schließlich habe sie ja mal behauptet, eine Frau habe sich stets den Wünschen ihres Ehemann zu fügen.

Die Frage war unerwartet. Bachmann presst die Lippen zusammen, überlegt ein paar Sekunden, lässt die Buh-Rufe des Publikums verhallen. Dann fasst sie sich, erzählt von ihrer Vorzeige-Ehe, „fünf wunderbaren Kindern“ und dem Respekt zwischen ihr und ihrem Mann. Sie knipst ihr Lächeln wieder an, das ihr etwas Künstliches, Wachsfigurenhaftes verleiht. Geschafft. Nächste Frage.

Für die 55-jährige Abgeordnete der Republikaner, eine der Ikonen der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung, ist es ein wichtiger Auftritt: Es ist Donnerstagabend, die zweite TV-Debatte der Kandidaten, die bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr gegen Barack Obama antreten wollen. Live und landesweit übertragen aus dem Städtchen Ames, Iowa. Bachmann und sieben Männer, darunter Mitt Romney und die Urgesteine Newt Gingrich und Ron Paul, sind angetreten, um sich von ihrer besten Seite zu zeigen. So stehen sie im Halbrund auf der Bühne, lächelnd, lauernd.

Die Frage nach der Rolle der Frau bleibt allerdings weitgehend die einzige, die jemanden in der Runde unvorbereitet trifft. Ansonsten können die Kandidaten recht unwidersprochen ihre Botschaft verkünden: Obama ruiniert das Land. Und die Steuern müssen runter.

Es sind jene Politiker, die seit Wochen gegen die Anhebung der Schuldengrenze Stimmung machen. Die mitverantwortlich sind für ein zähes Geschacher in Washington mit einem Kompromiss am Ende, der den USA eine Herabstufung eingebrockt und damit die Weltmärkte auf eine Achterbahnfahrt geschickt hat. Auch heute Abend werden die Kandidaten nicht müde zu wiederholen, dass sie gegen die Anhebung gestimmt haben oder dass sie es als Abgeordnete getan hätten.

Amerika hat fast 17 Billionen Dollar Schulden, die Wirtschaft dümpelt noch immer vor sich hin. Was also wollen die Kandidaten tun? „Man muss das Gegenteil dessen tun, was der Präsident macht“, sagt Romney. Der smarte Ex-Gouverneur aus Massachusetts, der laut Umfragen im Augenblick die besten Chancen auf eine Kandidatur hat, ist als Mitgründer des Finanzinvestors Bain Capital erfahren in Wirtschaftsfragen („Ich weiß, wie Wirtschaft funktioniert“). Also: Steuern senken, Ausgaben kürzen, die Gesundheitsreform („Obamacare“) zurücknehmen.

Kommentare (8)

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12.08.2011, 10:40 Uhr

Ich bin auch dafür, dass die Amerikaner ihre Steuern senken. Dann geht das Land von einem steil fallenden Flug in einen Sturzflug über.

Ich wunder mich, wie dämlich die amerikanische Tea Party Bewegung ist. Gebe ich einem armen Mann 1 Dollar, steckt er ihn sofort in den Konsum. Gebe ich einem reichen Mann 1 Dollar, steckt er ihn in sein Sparbuch / Aktie / Gold.
Welcher dieser beiden Männer kurbelt die Wirtschaft mehr an?

Also, was bringt mehr um die Wirtschaft anzuklurbeln? Steuern senken und dem reichen Mann mehr Dollar verschaffen oder Steuern erhöhen und durch Sozialleistungen dem armen Mann mehr Dollar verschaffen?

Bestes Beispiel ist Deutschland: Wir haben eine sehr hohe Steuer- und Sozialabgabenquote und unsere Wirtschaft floriert. Auch in der Wirtschaftskrise 2008 brach unsere Wirtschaft im Inland zwar ein, aber nicht extrem. Das lag daran, dass man über Kurzarbeit und die Abwrackprämie Geld in die untere und mittlere Einkommensschicht gepumpt hat und diese Schicht fast nichts spart. Dadurch ist das Geld direkt in den Konsum geflossen und hat die Wirtschaft vor einem zu starken Absturz bewahrt.

Außerdem erkauft man sich durch hohe Steuern und Sozialabgaben sozialen Frieden. Die hohen Abgaben werden zu großen Teilen dazu verwendet eine Bevölkerungsschicht ruhig zu halten, die ohne ihre Bezuschussung am Hungertuch nagen würden. Und ich mag es lieber ein paar Euro mehr an Steuern zu zahlen, als dass mein Haus angezündet wird. Siehe England.

minesweaper

12.08.2011, 10:57 Uhr

Wenn ich das lese kann ich nur sagen USA du bist erledigt.
Ohne Steuererhöhung wird sich das Land nie entschulden können, soviel Wirtschaftswachstum kann nicht generiert werden, wie denn auch, die Märkte sind gesättigt, das Handelsdefizit hoch.
Da kann man nur hoffen, dass diese Aussagen überwiegend Wahlkampftaktik ist,

yankeedoodle

12.08.2011, 11:07 Uhr

Klare Sache: alle Probleme werden nun mal in Ames, Iowa gelöst.
Sicher noch besser als in Tipperary - und so kompetent.

Da rollt mit der Tea-Party geballter weltwirtschaftlich globalisierter Sachverstand auf den Rest der Welt zu, die denen doch nun wirklich nichts getan hat.

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