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03.04.2015

13:35 Uhr

TV-Duell in Großbritannien

Cameron weicht Attacken aus

VonMatthias Thibaut

In fünf Wochen wählt Großbritannien. Die TV-Debatte der sieben Parteiführer konnte weder Amtsinhaber Cameron noch Labour-Herausforderer Ed Miliband klar für sich entscheiden. Überraschend stark: Die Außenseiter.

Amtinshaber David Cameron geriet bei der TV-Debatte unter Feuer, reagierte aber gelassen oder einfach gar nicht. dpa

Der Premier bei der TV-Debatte

Amtinshaber David Cameron geriet bei der TV-Debatte unter Feuer, reagierte aber gelassen oder einfach gar nicht.

LondonPremier David Cameron kann zufrieden sein. Die erste und einzige TV Debatte im britischen Wahlkampf mit sieben Parteichefs ging ohne klaren Sieger aus. Nicht einmal die Meinungsforscher, die bisher keiner Partei eine klare Führung geben, konnten sich nicht auf einen Gewinner der Debatten einigen.

Vier verschiedene Institute hatten vier verschiedene Ergebnisse. Zwei ragten dabei heraus. Das TV-Event verhalf Camerons Gegenspieler, Labourchef Ed Miliband, nicht zu dem erhofften Autoritätsgewinn, den die Konservativen so fürchteten. In einer Umfrage von ComRes hielten 40 Prozent Cameron auch nach der Debatte „am geeignetsten, das Land zu führen“. Miliband kam auf nur 28 Prozent.

Auffallend auch das gute Abschneiden der Rebellenführer der beiden Aufrührerparteien, die es auf das alte, seit Generationen von Labour und den Tories  dominierte Zweiparteiensystem abgesehen haben. Eine Umfrage von Yougov für die Times setzte als Gewinner die Chefin der schottischen Nationalistenpartei SNP, Nicola Sturgeon und den Chef der EU-Austrittspartei Ukip, Nigel Farage. „Die Außenseiter kommen“, titelte die Times.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Sturgeon bekam in der Umfrage 28 Prozent, Farage 20 Prozent, Cameron 18 Prozent vor Miliband mit 15 Prozent. Andere Umfragen platzierten Farage dagegen abgeschlagen. Er schwitzt, sah müde aus, war aber auch wie immer am deutlichsten und hatte die klarsten Antworten. Auf die Frage, was Großbritannien als EU-Mitglied tun könne, um die Einwanderung zu regeln, sagte er eindeutig: „Nichts“. Um mit dem gegenwärtigen Einwanderungsniveau fertig zu werden, müsse man alle sieben Minuten ein neues Haus bauen.

Es war die Schottin, mit ihrer roten Kostümjacke, die den anderen die Show stahl. „Großbritanniens knappe Ressourcen sollten in Kinder investiert werden, nicht Atomwaffen“, forderte sie. Mit ihren Angriffen von links ließ sie Labourchef Ed Miliband plötzlich unentschlossen und halbherzig aussehen. „Wir müssen investieren und durch Wachstum aus der Finanzenge kommen. Warum hat Labour für 30 Milliarden Pfund Einsparungen gestimmt“, attackierte sie Miliband.

Die Ansichten der Westminister-Parteien seien „von der Furcht vor Ukip bestimmt, nicht rationaler Debatte“. Und zum Schluss wandte sie sich die Chefin der Partei, die das Vereinigte Königreich zerbrechen will, mit einer „Botschaft der Freundschaft“ an die Engländer und versicherte, die SNP werde einer Labour-Minderheitsregierung den Rücken stärken, zum Wohle aller Engländer.

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