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05.04.2006

13:34 Uhr

TV-Duell in Italien

Missionar der Wahrheit

VonKatharina Kort

Am Montagabend fand zwischen dem amtierenden Regierungschef Silvio Berlusconi und dem Herausforderer Romano Prodi das zweite TV-Duell vor den Parlamentswahlen statt. Berlusconi redete seine mageren Ergebnisse schön – und punktete.

MAILAND. Samstagmorgen in Mailand, kalter Nieselregen fällt auf die Menschenmenge vor dem Eingang des „Mazda Palace“, der Konzerthalle, in der schon Frank Sinatra, Simply Red und Eros Ramazzotti spielten. An diesem Tag stehen die Fans für einen anderen Stargast an: Regierungschef Silvio Berlusconi gibt sich im Wahlkampf die Ehre. Und so schallt den hineinströmenden Massen nicht Sinatras „I Did It My Way“ entgegen, sondern die Hymne der Partei: „Forza Italia! Siamo in tantissimi . . .“

Ganz in Blau ist die Halle ausstaffiert, auf den Rängen und im Parkett schwenken die Menschen die rotgrünen Parteifahnen. Der Star lässt auf sich warten, um elf Uhr, eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Beginn, ist immer noch nichts von dem Unterhaltungsprofi zu sehen. Doch das Publikum nimmt es ihm nicht übel und animiert sich mit Sprechchören selbst: „Chi non salta, comunista è, è!“ („Wer nicht hochspringt, ist ein Kommunist“).

Dann, um 11.10 Uhr, geht ein Jubeln durch die Ränge, strahlend tritt ein gebräunter Berlusconi, begleitet von der Partei-Hymne in den Saal. Im dunklen Anzug, die Krawatte mit Windsorknoten breit gebunden, breitet er die Arme mit den Handflächen nach vorne aus. „Ihr gebt mir das Leben zurück!“ ruft er in die Menge.

Für den Medienunternehmer und Besitzer des Fußballclubs AC Milan ist es ein Heimspiel. Hier in Mailand ist nicht nur er, sondern auch die Bewegung Forza Italia geboren worden. Damals, vor zwölf Jahren, als Italiens Parteienlandschaft unter den Korruptionsuntersuchungen der Staatsanwaltschaft zusammenbrach, war der ehemalige Bau- und Medienunternehmer mit einer eigenen Partei selbst in die Politik gegangen. Von hier aus will Berlusconi auch seinen dritten Wahlsieg nach 1994 und 2001 anstoßen.

Seine Anhänger ruft er zur Bekehrung auf: „Ich ernenne euch alle zu Missionaren der Wahrheit.“ Sie sollen hinausgehen ins Land und Zeugnis ablegen, was die Regierung geleistet hat und dass es dem Land nicht so schlecht geht, wie es die Linke darstellt.

Viele Anhänger haben es sich zu Herzen genommen und in den vergangenen Wochen Freunde und Bekannte mit Einladungen zu Diskussionen beim Aperitif oder Abendessen überschüttet. Berlusconi, der Prediger. Doch der Showman, der sich als junger Mann als Sänger und Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen verdingte, hat noch mehr im Repertoire. Der Kommunikator, der ohne Manuskript auskommt, erzählt gerne Witze. „Schon gehört? In Marokko haben die Kommunisten die Wahl gewonnen. Jetzt mangelt es dort schon an Sand.“ Der Saal grölt. „Seht ihr, das ist der Unterschied zwischen uns und denen!“

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