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05.04.2006

13:22 Uhr

TV-Duell in Italien

Prediger der Einheit

VonKatharina Kort

Er ist der Herausforderer des amtierenden Regierungschefs Silvio Berlusconi: Romano Prodi. Beim zweiten TV-Duell am Montagabend spricht er Italien neuen Mut zu und schlägt dabei eher besonnene Töne an.

ROM. Der Applaus will nicht aufhören. Beschwichtigend drückt Romano Prodi seine Hände nach unten, um die Menge zur Ruhe zu bringen. Der Herausforderer bei den italienischen Wahlen steht in der Mitte der knallgelben, runden Bühne vor einem Olivenbaum und begrüßt seine Anhänger: „Liebe Freunde, liebe Freundinnen! Wir haben heute das gleiche Problem wie bei den Vorwahlen: Wir sind zu viele!“ Und das Klatschen brandet erneut auf.

Tatsächlich stehen die Menschen auch jetzt wieder Schlange, um den Spitzenkandidaten der Opposition zu sehen. Luftballons, Konfetti und knallgelbe Poster schmücken die Halle des Palalottomatica in Rom. Prodi, ehemaliger Kommissionspräsident der EU und italienischer Regierungschef, kann seine Freude nicht verhehlen, wie sein schmales, aber dauerhaftes Grinsen im fast quadratischen Gesicht zeigt. Der stämmige Bolognese, dem man das Rennradhobby nicht unbedingt ansieht, hat Rom als Start für seinen zweiten Wahlkampf ausgesucht. Aus den Lautsprechern klingt: „La Canzone Popolare“, die Musik, die ihn bei seinem Sieg 1996 begleitet hat.

Doch schon bald wird klar, dass Prodi nicht den Entertainer mimen will. Mit seiner getragenen Stimme spricht der Wirtschaftsprofessor von Pflicht und Verantwortung: „Wir sind hier, nicht um unsere Rechte zu verteidigen, sondern unsere Pflichten. Auf uns liegt die Bürde, den Niedergang aufzuhalten.“

Den unterhaltsamen Teil überlässt er dem Komiker Maurizio Crozza, der vor allem das Mitte-links-Bündnis auf den Arm nimmt und so unter Prodis Anhängern feine Selbstironie verbreitet. „Wir sind alle hier, auch das Programm“, amüsiert sich Crozza über das 280 Seiten umfassende Werk der Opposition: „Werdet ihr es in Serienheften am Kiosk verkaufen?“

Ansonsten ist Prodis Wahlkampf keine leichte Kost, das Repertoire des Spitzenkandidaten in puncto Unterhaltung eher beschränkt. Auch zwei Wochen später, in der Mailänder Buchhandlung Feltrinelli an der Piazza Piemonte, ist von Show wenig zu spüren. Prodi und der Journalist Furio Colombo stellen das gemeinsame Buch „Ci sarà un Italia“ („Es wird ein Italien geben“) vor. Er begrüßt die Menge zwar mit der zum Victory-Zeichen erhobenen Hand. Und die zwischen Taschenbücher- und CD-Regalen gedrängten Zuschauer grüßen jubelnd mit Zeige- und Mittelfinger zurück. Aber auch hier wird es gleich ernst. „Basta, basta“ winkt er mit der Hand den Applaus ab. „Ich bin gekommen, um auf eure Fragen zu antworten“, predigt er von der kleinen Bühne am hinteren Ende des Ladens unter einem Foto der Beatles. Ein Universitätsforscher aus Südamerika will wissen, was er tun muss, damit Leute wie er nicht zwei Jahre auf ihre Aufenthaltsgenehmigung warten müssen. Ein Herr, der sich mit dem Namen Giordano vorstellt und Prodi als zukünftigen Premier begrüßt, fragt ihn, was er plane, um den Richtern des Landes ihre Würde wiederzugeben? Und ein junger Mann forscht nach, was er denn getan hätte, um die Preiserhöhung nach Einführung des Euros zu verhindern?

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