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06.02.2012

07:32 Uhr

TV-Interview mit Sarkozy

Alle wollen Angie

VonThomas Hanke

Die Kanzlerin erfreut sich in Frankreich ungeahnter Beliebtheit. Nicolas Sarkozy hofft beim gemeinsamen Interview darauf, dass Merkels Glanz auf ihn abstrahlt. Doch Herausforderer François Hollande stört das Tête-à-tête.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wahlkampfunterstützung von der beliebten Deutschen. dapd

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wahlkampfunterstützung von der beliebten Deutschen.

ParisAngela Merkel und Nicolas Sarkozy zelebrieren heute in Paris den deutsch-französischen Ministerrat.  Doch die offizielle Tagesordnung mit Steuerharmonisierung und Forschungskooperation verschwindet im Schatten eines medialen Ereignisses: Zum ersten Mal geben Sarkozy und Merkel ein gemeinsames Fernsehinterview, das abends auf ZDF und France 2 ausgestrahlt wird. Weil Deutschland und Merkel persönlich derzeit in Frankreich sehr populär sind, Sarkozy selbst aber anhaltend unbeliebt bleibt, sucht der Präsident die Nähe der Kanzlerin. Bilder sind wichtiger als Worte, der Auftritt im TV soll nur eine Botschaft transportieren: Ich, Sarkozy, bin der geschätzte Partner der mächtigen Deutschen, mit mir spielt Frankreich im Top-Club mit.

Sarkozy ziert sich immer noch, seine Kandidatur offiziell anzukündigen. „Manchmal lässt eine Verzögerung die Begierde steigen“, begründet er seine Hinhaltetaktik. Die Lust der Franzosen auf ihn muss noch kräftig zunehmen, wenn Sarkozy eine Chance auf die Wiederwahl haben will. Denn die Wähler ziehen in allen Umfragen seit Monaten den sozialistischen Gegenkandidaten Francois Hollande ihrem Präsidenten vor. Jüngst hat er seinen Vorsprung sogar ausbauen können.

Weil Sarkozy angesichts steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Wachstums nicht mit eigenen Erfolgen wuchern kann, will er sich ein wenig vom derzeitigen deutschen Glanz borgen. Doch wie ein kecker Nebenbuhler stört der Herausforderer François Hollande das deutsch-französische Idyll, das Sarkozy so gerne über die Mattscheibe flackern lassen möchte. Wie das Handelsblatt erfuhr, hat Hollande in Berlin offiziell um einen Besuchstermin bei Merkel gebeten.

Die hat noch nicht entschieden, wie sie damit umgehen soll. Ein Wust von gegensätzlichen Interessen ist zu klären: Einerseits hat Merkel geärgert, dass Hollande auf dem letzten SPD-Parteitag in Berlin von einer erhofften SPD-Regierung ab 2013 schwärmte. Außerdem will er den gerade vereinbarten Fiskalpakt neu verhandeln, um dem Vertrag mehr Wachstumskomponenten zu injizieren. Und sie will natürlich nicht der politischen Promiskuität verdächtigt werden: Gerade hat ihr Generalsekretär Gröhe ein wenig zu platt verkündet, Merkel werde Sarkozys Wahlkampf unterstützen. Da kann sie schlecht dem Herausforderer schöne Augen machen.

Aber - und das ist ein großes aber - Hollande hat nun mal sehr gute Chancen, der nächste französische Präsident zu werden. Deshalb kann sie ihn nicht brüskieren. Außerdem will Hollande ja nicht wie der damalige Wahlkämpfer Obama eine Rede am Brandenburger Tor halten, sondern nur im Kanzleramt vobeischauen. Und Hollande hat ja auch schon versichert, dass er finanzielle Disziplin ganz toll findet und keinesfalls Streit mit Deutschland vom Zaun brechen will. Das macht ihn akzeptabel. Sogar als Typ passt er besser zu ihr als Sarkozy: Nicht so gespreizt, nicht so sprunghaft, keine hohen Absätze, um größer zu erscheinen, als er ist. Wie Merkel läst Hollande die Dinge lieber reifen, als ständig hyperventilierend Betriebsamkeit zu demonstrieren.

Das spricht alles für ein Stelldichein im Kanzleramt, ohne großen Medienauftrieb. Den bekommt Sarkozy, versprochen ist versprochen. Hollande, ganz der Kavalier, der glaubt, das seine Zeit schon noch kommt, nimmt das gelassen hin: „Wir verstehen, dass die Kanzlerin die politische Nähe zu Sarkozy herausstellt“, ließ er seinen Wahlkampfmanager Moscovici mitteilen.  Die künftige Regierungszusammenarbeit, so deutete er an, werde dann mit Hollande stattfinden.

Fakten zur Kanzlerin

A wie Abflug bis F wie fotografisches Gedächtnis

A wie Abflug: Die Flüge der Kanzlerin gehen fast immer in Tegel ab. Allerdings vom militärischen Teil, Avenue Jean Mermoz, praktisch gegenüber des Terminals für den Publikumsverkehr. Den Sicherheitscheck übernimmt die Bundeswehr, ansonsten das gewohnte Bild: Die Aufgeregten rennen schnell noch mal aufs Klo, die Raucher pumpen sich die Lungen voll Nikotin.

B wie Bodyguards: Für die Sicherheit der Kanzlerin ist auch auf Reisen gesorgt. Männer und Frauen des Bundeskriminalamtes passen auf, dass nichts passiert. Sie tun das mit bewundernswerter Geduld, bleiben auch bei großem Stress immer höflich. Was schon eine Leistung ist, wenn plötzlich im Ausland Horden von Journalisten auf die Kanzlerin zustürzen.

F wie fotografisches Gedächtnis: Im Flugzeug bekommen die mitreisenden Journalisten immer auch ein Briefing durch die Kanzlerin. Merkel hat dabei alle wichtigen Aspekte im Kopf. Was schon zu der Vermutung geführt hat, sie müsse über ein fotografisches Gedächtnis verfügen.

H wie Hintergrundgespräch bis P wie Parade

H wie Hintergrundgespräch: Eine gute Gelegenheit, mit der Kanzlerin auf Reisen auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Dutzend Journalisten, Merkel, ihr außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, der Regierungssprecher, sowie eine Chefin oder ein Chef vom Dienst des Bundespresseamtes quetschen sich im Flugzeug in einen geschätzt fünf Quadratmeter großen Besprechungsraum. Auf dem Hinflug geht es dabei meist um die Vorbereitung aufs Reiseziel, auf dem Rückflug werden auch innenpolitische Themen angesprochen.

J wie Joachim Sauer: Merkels Ehemann ist selten bei Reisen dabei. Warum sollte er auch, schließlich hat er seinen eigenen Job. Der Professor für physikalische und theoretische Chemie an der Humboldt-Universität gilt national und international als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der Quantenchemie und ist selber oft unterwegs. Zuletzt war er im Juni mit dabei, als seine Frau im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Barack Obama die „Medal of Freedom“ überreicht bekam.

K wie Kanzlermaschine: Eine der „Kanzlermaschinen“ ist die Konrad Adenauer. Früher flog ein Airbus A 310 unter diesem Namen, seit März ist es ein Airbus A 340. Die alte „Konrad Adenauer“ ist aber immer noch ganz flott und bleibt wohl bis 2013 im Dienst. Mitte Oktober nutzte Merkel diese Maschine bei ihrer Reise nach Vietnam und in die Mongolei, weil die Landebahn in Ulan Bator für den A 340 zu kurz gewesen wäre. Bei der Reise machte die Maschine ohnehin was mit. Von 78 Stunden Reisedauer wurden 34 im Flugzeug verbracht.

P wie Parade In vielen Ländern wird die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Merkel muss dann die Ehrenformation an Soldaten abschreiten, besonders ergiebig war das in Kenia, wo der Paradeweg über 100 Meter lang war. Manchmal geht es auch schneller, bei Zeremonien am Flughafen etwa. Oder wenn das Wetter schlecht ist.

R wie Reisepass bis U wie Unternehmer

R wie Reisepass: Wird auch auf Kanzlerreisen benötigt. Die Mitarbeiter der Kanzlerin verfügen in der Regel über Diplomatenpässe. Darüber hinaus sitzen alle Reisenden wie auf normalen Flügen auch mit gerunzelter Stirn gebeugt über irgendwelchen Einreiseformularen.

S wie Steffen Seibert: Der Regierungssprecher ist bei Auslandsreisen immer dabei. Meist twittert er die Ankunft in einem fremden Land schon, wenn die Maschine noch ausrollt und hält auch danach Journalisten wie Internet-Gemeinde auf dem Laufenden. Siehe auch C und D.

U wie Unternehmer: Ab und an nimmt die Kanzlerin neben den Journalisten auf ihre Auslandsreisen auch eine Wirtschaftsdelegation mit. Deren Mitglieder verhandeln dann vor Ort, manchmal geht der Schuss nach hinten los. So bei der Afrika-Reise Merkels im Juni, als Meldungen über die geplante Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola für Schlagzeilen sorgten.

Y wie Yellow Press bis Z wie Zahlungsanweisung

Y wie Yellow Press: Der Glamour-Faktor bei Merkel-Reisen ist eher gering. Die Boulevardpresse kommt nicht so zum Zuge. Dass sie auch Glamour kann, zeigte Merkel aber im schicken langen Abendkleid beim Staatsbankett in Washington mit Gästen wie Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann.

Z wie Zahlungsanweisung: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Journalisten auf Reisen von Angela Merkel für lau mitreisen dürfen. Flug und Hotel zahlt jede Redaktion selbst.

Kommentare (31)

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Thomas-Melber-Stuttgart

06.02.2012, 08:02 Uhr

He, Franzosen, wollen wir tauschen !?

Louis

06.02.2012, 08:14 Uhr

Wohl keine "Lehre" wie auch Leere aus der niederen Schröder-rhetorik gezogen? Wollen die Schwaben, die so fleißig sein sollen, einen politisch-infantilen Kasper? Louis de Funes war der perfekte Schauspieler der Grande Nation.

Account gelöscht!

06.02.2012, 08:19 Uhr

Geben unsere Madame aus Mäckpomm gerne ab! Hintern ist paßgenau um Alles aussitzen zu können! Carla würde auch ein besseres Bild machen als Bettina Wulff. Ach ja: kostenlos können wir den Franzosen auch noch Rösler, Westerwelle und Brüderle überlassen! Wäre doch ein Topjob für Brüderle, d.h. französischer Weinminister!

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