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20.05.2015

18:38 Uhr

Tweets an den Präsidenten werden überwacht

Der Potus lässt bitten

VonAxel Postinett

Obama erobert sechs Jahre nach seinem Amtsantritt auch die Twitter-Gemeinde – ihm folgen sofort Millionen User. Doch die Nutzer sollten vorsichtig sein: Alle Nachrichten an und über den Präsidenten werden überwacht.

Rund neun Jahre nach der Gründung des Internet-Kurzmitteilungsdienstes Twitter hat jetzt auch der US-Präsident ein eigenes Konto. dpa

US-Präsident Obama hat eigenes Twitter-Konto

Rund neun Jahre nach der Gründung des Internet-Kurzmitteilungsdienstes Twitter hat jetzt auch der US-Präsident ein eigenes Konto.

San FranciscoDem US-Präsidenten mal so richtig per Twitter die Meinung geigen und ihm sagen, was man am liebsten mal mit ihn machen würde? Den schmutzigen Witz vom letzten Wochenende mit dem N-Wort noch mal für Millionen Twitter-Follower von Barack Obama aufschreiben? Ok, wer will, der kann das jetzt machen und Richtung @potus auf Twitter mal so richtig Dampf ablassen. Er sollte sich aber nicht wundern, wenn der nächste Amerika-Urlaub dann vorzeitig am Flughafenschalter des Einwanderungsbeamten oder im Verhörraum der Homeland-Security endet.

Der „Potus“ ist auf Twitter: Das in den USA mehr freundlich als respektlos gemeinte Kürzel beschreibt den „Präsident of The United States“. „Hallo Twitter! Ich bin‘s, Barack. Wirklich! Nach sechs Jahren haben sie mir ein eigenes Kürzel gegeben“, lautete Obamas erster Amtstweet am Montag. Was folgte war ein Massenansturm an Fans und Feinden. Mit mehr als einer Million Followern in nur fünf Stunden brach Obama alle Twitterrekorde. Der bisherige Rekordhalter, der Schauspieler Robert Downey Jr., hatte dafür noch 23 Stunden gebraucht.

Neben aufmunternden Tweets im Stil „Welcome, Sir“, meldeten sich schnell auch Trolls und Hassgegner mit Einträgen zu Wort, die hier nicht wiedergegeben werden können. „Free speech“ ist einer der Grundpfeiler der amerikanischen Verfassung und Demokratie und so mancher deutet das in die Richtung, dass freie Beleidigung oder Demütigung direkt mit inbegriffen sind.

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Doch nicht zuletzt die Anschläge auf das World Trade Center 2001 haben die Situation drastisch gewandelt. Alles, was auch nur im entferntesten als eine Bedrohung für das Land oder zum Beispiel den Präsidenten und seine Familie aufzufassen ist, wird heute analysiert und gespeichert. Das gilt für Reden und Vorträge, Videos auf Youtube, Blogeinträge oder eben Tweets.

Unabhängig davon wird traditionell sämtliche Kommunikation mit dem Weißen Haus archiviert. Ob Briefe an John F. Kennedy, Memos an Richard Nixon mit dem Thema "Watergate", E-Mails an George W. Bush oder heute unflätige Tweets an den Potus landen in der Bibliothek des Kongresses. Nachzulesen ist das in den Online-Statuten des Weißen Hauses.

Das betrifft nicht nur den US-Präsidenten, wie zum Beispiel Hillary Clinton erfahren musste. Sie hatte als Außenministerin einen privaten Email-Server betrieben. Jetzt tobt der Krieg darum, welche E-Mails sie im Außenministerium zur ewigen Archivierung abzuliefern hat.

Obama bei Twitter

„Hello, Twitter! It's Barack."

Obama bei Twitter: „Hello, Twitter! It's Barack."

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Doch zurück zum unflätigen oder drohenden Potus-Tweet. Er landet also für ewige Zeiten im Archiv und ist für spätere Zeiten zum Beispiel für den Secret Service oder Homeland Security einsehbar. Wer sich als Amerikaner jemals um einen Job in einer Verwaltung in Washington bewirbt, könnte das bereuen. Wer sich um ein Einreisevisum in die USA bewirbt, ebenfalls. Die Identität eines Twitterers herauszufinden ist in Zeiten der NSA nicht so schwer und schon gar nicht, wenn der Tweet mit einem Smartphone versendet wird. Die damit verbundene Telefonnummer macht es spielend leicht, den dahinterstehenden Menschen zu identifizieren.

Die Wortwahl ist also ebenso entscheidend wie der Inhalt, um an Obama zu schreiben, nach eigener Bekundung „Vater, Ehemann und 44. Präsident der USA“. Er wird den Twitter-Namen jetzt noch knapp zwei Jahre halten. Danach wird er automatisch an die Person übergehen, die im November 2016 die Wahlen gewinnen wird, bestätigte das Weiße Haus auf Anfrage. Vielleicht steht dann da „Großmutter, Ehefrau und 45. Präsidentin der USA“.

Barack Obama wird dann zumindest nicht mehr „potus“ sein. Aber alle Tweets von ihm und an ihn, selbst, wenn sie an einen anderen gerichtet sind und nur „#potus“ als Referenz enthalten, werden für ewig erhalten bleiben.

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