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28.08.2014

22:27 Uhr

Twitter-Duell um Ukraine-Grenze

Russland und Kanada im Geografie-Streit

Die Nato wirft Russland Grenzverletzungen in der Ukraine vor. Die kanadischen Vertreter des Verteidigungsbündnisses geben daher Nachhilfe in Geografie. Am späten Donnerstagabend folgte die russische Antwort.

Screenshot der Karte der kanadischen Nato-Delegation: Der Tweet vereinfacht die geographische Lage vielleicht entscheidend. Twitter

Screenshot der Karte der kanadischen Nato-Delegation: Der Tweet vereinfacht die geographische Lage vielleicht entscheidend.

DüsseldorfWo hört Russland auf, wo fängt die Ukraine an? Die kanadische Nato-Gesandtschaft sah sich angesichts der jenseits der ukrainischen Grenze gefangengenommenen russischen Truppen dazu veranlasst, Moskau per Kurznachrichtendienst Twitter einen kleinen Nachhilfekurs in Sachen Geografie zu geben. Hintergrund: Russland hatte die Gefangennahme ihrer Soldaten in der Ukraine eingestehen müssen – und erklärt, sie hätten sich versehentlich in der Ukraine aufgehalten. Um künftigen Missverständnissen vorzubeugen, twitterten die Kanadier:

„Russland – Nicht Russland“. Der zynische Humor der Nato-Delegation stieß trotz des ernsten Hintergrunds beim Kurznachrichtendienst auf rege Begeisterung. Über 23.000 Mal wurde die Karte retweetet, also weiterverteilt. Während sich der politische Hintergrund im Tagesverlauf angesichts von mehr als 1000 russischen Soldaten, die von der Nato auf ukrainischem Territorium vermutet werden, weiter verschärften, versuchten sich am Abend nun auch die Kollegen der Kanadier an einer Karte. Die russische Botschaft bei der Nato twitterte eine Replik.

Die Twitter-Antwort bietet eine Detailansicht der Schwarzmeerregion, einschließlich der wichtigsten Städte und den Grenzen von Georgien, der Türkei sowie der selbsterklärte Republik Abchasien, deren Unabhängigkeit jedoch keine völkerrechtliche Anerkennung fand. Während Abchasien schraffiert eingezeichnet ist, wird die Karte um einen Streitpunkt ergänzt: die Krim. Deren Referendum zugunsten einer Abspaltung von der Ukraine – und folgender Zugehörigkeit zu Russland – wird von der Uno aufgrund von Fälschungsvorwürfen nicht anerkannt.

Ukraine: Poroschenkos 15-Punkte-Friedensplan

Sicherheitsgarantie

- Sicherheitsgarantien für alle Teilnehmer an Verhandlungen.

- Befreiung von strafrechtlicher Verfolgung derjenigen, die die Waffen niederlegen und keine schweren Verbrechen begangen haben.


Pufferzone

- Freilassung von Gefangenen.

- Schaffung einer Pufferzone von zehn Kilometern an der russisch-ukrainischen Grenze. Abzug illegal bewaffneter Formierungen.

Rückzug

- Garantierter Korridor für den Abzug russischer und ukrainischer Söldner.

- Entwaffnung.

Absicherung

- Schaffung von Einheiten innerhalb der Struktur des Innenministeriums für die Absicherung gemeinsamer Patrouillen.

Machtorgane

- Freigabe illegal besetzter administrativer Gebäude in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Wiederherstellung der Tätigkeit der örtlichen Machtorgane.


Dezentralisierung

- Wiederaufnahme der zentralen Fernseh- und Radioübertragung in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Dezentralisierung der Macht (durch die Wahl von Komitees, Schutz der russischen Sprache, Projekt einer Verfassungsänderung).


Wahlen

- Absprache der Gouverneure mit den Vertretern des Donbass vor Wahlen (Einigung auf eine Kandidatur, bei Uneinigkeit trifft der Präsident die Entscheidung).

- Vorgezogene Kommunal- und Parlamentswahlen.

Industrie und Infrastruktur

- Programm für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region.

- Wiederaufbau von Industrieobjekten und sozialer Infrastruktur.

Die Nato-Botschaft Russlands zeichnet die Krim, bei den Kanadiern zur Ukraine zählend, klar in den eigenen Farben. Eine bittere Replik, die der nicht nur im Netz angespannten Lage kaum zuträglich sein dürfte. Allerdings lässt sich die Karte auch positiv interpretieren: Die Grenzen des souveränen Staats Ukraine werden über die Krim hinaus nicht in Zweifel gezogen. In der aktuellen Lage sicherlich die wichtigste Frage, die es zu klären gilt.

Von

alm

Kommentare (24)

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Herr peterchen Mondfahrt

29.08.2014, 09:31 Uhr

So, so, das Referendum, mit dem sich die mehrheitlich russische Bevölkerung an Russland angeschlossen hat, wird also wegen Fälschungsvorwürfen nicht anerkannt... Mit Wahlfälschungen hat doch "der Westen" sonst keine Probleme, denkt man mal dran, dass George W. Bush nur durch Wahlfälschung amerikanischer Präsident wurde. Kann mich nicht erinnern, dass ihm deswegen jemand die Gefolgschaft in den Irak-Krieg verweigerte.

Herr Hans Kammerer

29.08.2014, 09:50 Uhr

Falls sich jemand fragt, wo die ganzen Putin-Versteher auf allen Kanälen plötzlich herkommen:

http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470

In Geheimdienstkreisen ist längst bekannt, dass gesteuert aus Russland viele Tausend Blogger auf der ganzen Welt ein Gehalt für das Verfassen Russlandfreundlicher Kommentare in den Kommentarfunktionen der verschiedensten Nachrichtenseiten erhalten und das Netzt regelmäßig damit überschwemmen. So soll das öffentliche Meinungsbild verzerrt werden indem man der übrigen Leserschaft das Gefühl gibt mit seiner Meinung alleine zu sein bzw. vorzugaukeln, die überwältigende Mehrheit hätte eine andere Meinung. Dabei wird fast ausschließlich russische Propaganda auf Deutsch wiedergegeben.

Herr Thomas Ungläubig

29.08.2014, 09:53 Uhr

Doch, Gerhard Schröder;–)

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