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07.11.2012

12:49 Uhr

Twitter und Co.

Warum die US-Wahl auch im Web 2.0 gewonnen wurde

VonTina Halberschmidt

Fast jeder dritte Amerikaner hat sich in seiner Entscheidung für Obama oder Romney von sozialen Netzwerken beeinflussen lassen. Fotos und Botschaften in Facebook und Twitter entscheiden Wahlen - bald auch in Deutschland?

Das Foto wurde binnen weniger Minuten hunderttausendfach bei Twitter weitergeleitet. Bei Facebook wurde es zigfach geteilt, Millionen Menschen klickten auf „Gefällt mir“. AFP

Das Foto wurde binnen weniger Minuten hunderttausendfach bei Twitter weitergeleitet. Bei Facebook wurde es zigfach geteilt, Millionen Menschen klickten auf „Gefällt mir“.

DüsseldorfEin Foto geht um die Welt: Das Bild, das Barack Obama bei Twitter verschickte und das ihn in inniger Umarmung mit seiner Frau zeigt, wurde binnen weniger Minuten hunderttausendfach re-tweetet. Bei Facebook wurde es zigfach geteilt, Millionen Menschen klickten auf „Gefällt mir“. Facebook selbst vermeldete, das Bild sei „das am meisten gelikte allerzeiten“.

Nach einem monatelangen, zähen Wahlkampf veranschaulicht die enorme Resonanz auf Obamas Siegerbild vor allem eines: Diese Wahl wurde auch in den sozialen Netzwerken gewonnen.

Dabei können sich Obamas Social-Media-Helfer ins Fäustchen lachen: Schon Wochen vor der Wahl hatten sie den Konkurrenten Mitt Romney bei Facebook und Twitter locker abgehängt.

Heute hat der offizielle Twitter-Account @BarackObama mit über 22 Millionen Follower zehn Mal mehr Follower als @MittRomney mit gerade mal 1,7 Millionen. Tendenz steigend. Auch bei Facebook liegt Obama klar vorn: Seine Fanpage liken über 32 Millionen Menschen, während Mitt Romney „nur“ auf zwölf Millionen Fans kommt.

Seit dem 30. Oktober lag Obama im Twitter-Index vorn.

Seit dem 30. Oktober lag Obama im Twitter-Index vorn.

Bereits 2008 hatte Barack Obama als erster US-Präsidentschaftskandidat überhaupt auf Social Media gesetzt. In den sozialen Netzwerken zeigte er sich sich offen, charismatisch, nahbar. Auch deswegen ließ er den damaligen Kontrahenten der Republikanischen Partei, John McCain, hinter sich. 66 Prozent der zumeist online-affinen 18- bis 29-jährigen US-Bürger gaben Obama damals ihre Stimme.

Kein Zweifel: Das Web 2.0 wird auch für Politiker und ihre Botschaften immer wichtiger. Zum einen tummeln sich die jungen, begehrten Wählergruppen bei Facebook und Co. und können dank Statusmeldung und Twitter-Nachricht leicht angesprochen werden.

Kurz bevor die Wahllokale schlossen, hatte Obama noch einmal getwittert: „Lasst uns das jetzt gewinnen!“ Am Ende stand er als Sieger da. dpa

Kurz bevor die Wahllokale schlossen, hatte Obama noch einmal getwittert: „Lasst uns das jetzt gewinnen!“ Am Ende stand er als Sieger da.

Zum anderen sind die sozialen Netzwerke ein wichtiges politisches Empfehlungs- und Kommunikationsmedium geworden: Einer amerikanischen Studie zufolge haben sich im Vorfeld der Wahl fast ein Viertel der Befragten mit ihren Facebook-Freunden und Twitter-Followern über die Frage ausgetauscht, welchem Kandidaten sie ihre Stimme geben sollen. 30 Prozent der Studienteilnehmer gaben zudem an, sie seien in den sozialen Netzwerken von Freunden oder Familienmitglieder angeregt worden, für Romney oder Obama zu stimmen. Weitere 20 Prozent erklärten, sie hätten Social Media genutzt, um andere davon zu überzeugen, zur Wahl zu gehen.

Dieses Mal wollten deshalb auch die Republikaner online angreifen. Auch sie versuchten jetzt, die sozialen Netzwerke so gut wie möglich für ihre Zwecke zu nutzen.

Doch insgesamt konnte Mitt Romney nie an die Social-Media-Erfolge Obamas anknüpfen. Seit dem 30. Oktober lag Obama im Twitter-Index, mit dem der Betreiber täglich mehrere hunderttausend Tweets zum Wahlkampf analysiert hat, vorn. Positive und negative Äußerungen zu den beiden Kandidaten wurden dort auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet.

Obama habe im Wahlkampf wesentlich mehr Erfahrung mit den Internet-Medien bewiesen, erklärt die kalifornische Politikwissenschaftlerin Jennifer Ramos. Dem Herausforderer half da auch keine familiäre Unterstützung: Ann Romney machte auf ihrer Facebook-Page zwar geschickt Werbung für den Gatten. Mit rund 400.000 Fans muss sie sich aber der First Lady Michelle Obama geschlagen geben, deren Seite fast neun Millionen Facebook-Nutzer liken.

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