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15.11.2013

19:48 Uhr

Über 30 Tote in Libyen

Milizen schießen auf Demonstranten

Mit einer friedlichen Demonstration wollten Bürger von Tripolis Milizen aus der libyschen Hauptstadt vertreiben. Plötzlich eröffnen die Bewaffneten das Feuer und schießen in die Menge. Über 30 Menschen starben

Hunderte Bürger waren nach dem Freitagsgebet zum Hauptquartier bewaffneter Brigaden marschiert, um diese mit friedlichen Mitteln zu vertreiben. dpa

Hunderte Bürger waren nach dem Freitagsgebet zum Hauptquartier bewaffneter Brigaden marschiert, um diese mit friedlichen Mitteln zu vertreiben.

Istanbul/TripolisBei Schießereien und gewaltsamen Protesten gegen bewaffnete Milizen in Tripolis sind am Freitag nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 32 Menschen getötet und knapp 400 verletzt worden. Es war einer der schwersten Straßenkämpfe seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi. Die libysche Regierung hat derweil sämtliche militante Gruppen der Hauptstadt verwiesen. Ausnahmen würden nicht geduldet, erklärte Ministerpräsident Ali Zaidan. Das Gesundheitsministerium rief die Menschen auf, Blut zu spenden.

Hunderte Bürger waren nach dem Freitagsgebet zum Hauptquartier bewaffneter Brigaden marschiert, um diese mit friedlichen Mitteln zu vertreiben. Milizionäre aus der Stadt Misrata hätten bei Ankunft der Demonstranten erst in die Luft, dann auf die Demonstranten geschossen, die zum Teil weiße Fahnen bei sich trugen.

Im Oktober hatte eine Miliz Regierungschef Zaidan selbst mehrere Stunden in ihre Gewalt gebracht. Sie übte damit Vergeltung für die Festnahme eines Top-Al-Kaida-Mitglieds.

"Der Gebrauch von Waffen außerhalb des Militärs und der Polizei ist gefährlich", sagte Zaidan vor Journalisten.

Auch zwei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi mit Hilfe der Milizen ist es der Regierung bislang nicht gelungen, die verschiedenen bewaffneten Gruppen aufzulösen oder in die staatlichen Sicherheitskräfte einzugliedern: Viele Kämpfer bleiben ihren Kommandeuren loyal.

Zwischen den einzelnen Gruppen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Unter anderem kämpfen sie um die Kontrolle über das lukrative Erdöl des nordafrikanischen Landes.

Die jüngsten Ausschreitungen - die dritten binnen zehn Tagen - werfen ein Schlaglicht auf die Schwäche der Zentralregierung in Tripolis. Das libysche Militär ist noch nicht stark genug, um sich den schwer bewaffneten Gruppen zu stellen. Die anhaltenden Kämpfe in dem Opec-Land und die daraus resultierenden Export-Einbußen hielten am Freitag den Ölpreis hoch.Erst vor einer Woche hatten sich rivalisierende Milizionäre in Tripolis heftige Gefechte geliefert.

Dabei war ein Mann getötet worden. Viele „Revolutionsbrigaden“, die im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi stark wurden, wollen sich bis heute weder entwaffnen noch in den staatlichen Sicherheitsapparat eingliedern lassen. Im Oktober wurde Ministerpräsident Ali Seidan zeitweise von Bewaffneten entführt.

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