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04.05.2015

18:37 Uhr

Überbelegtes Gefängnis in Griechenland

Zwei Tote bei Häftlingsstreit

Eigentlich ist das Gefängnis in der griechischen Stadt Korydallos für 800 Insassen ausgelegt. Derzeit sind rund 2000 Menschen dort inhaftiert. Ein Streit zwischen Häftlingen forderte nun zwei Tote und mehrere Verletzte.

Zwei pakistanische Insassen starben am Sonntag bei Unruhen im Gefängnis der griechischen Stadt Korydallos in der Nähe von Athen. 21 weitere Häftlinge wurden verletzt. ap

Gefängnis in Korydallos

Zwei pakistanische Insassen starben am Sonntag bei Unruhen im Gefängnis der griechischen Stadt Korydallos in der Nähe von Athen. 21 weitere Häftlinge wurden verletzt.

AthenIn einem überfüllten griechischen Gefängnis sind bei einem Kampf zwischen Häftlingen zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Bei den Todesopfern im Gefängnis von Korydallos bei Athen handele es sich um zwei Pakistaner, teilte das griechische Justizministerium mit. Ressortchef Nikos Paraskevopoulos bezeichnete den Vorfall als Folge von Personalmangel und Überbelegung des Gefängnisses. Das Ministerium leitete am Montag eine Untersuchung ein.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hatte es im Gefängnis von Korydallos seit Sonntagnachmittag Spannungen zwischen zwei Gruppen von Insassen unterschiedlicher Nationalitäten gegeben. Häftlinge aus Albanien und arabischen Ländern lieferten sich demnach eine Auseinandersetzung mit pakistanischen Häftlingen. Als die Häftlinge nach dem Abendessen in ihre Zellen zurückkehren sollten, griffen sich die beiden Gruppen den Angaben zufolge mit selbst gebauten Stichwaffen an.

Zwei Pakistaner wurden laut Justizministerium getötet und 21 weitere Häftlinge verletzt. Drei von ihnen wurden am Montag noch auf der Krankenstation der Haftanstalt behandelt. Wie das Justizministerium am Montag mitteilte, war der Auslöser des Streits weiter unklar. Eine „sorgfältige“ Untersuchung des Vorfalls sei eingeleitet worden.

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Ein Polizist, der in der Haftanstalt arbeitet, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Lage sei offenbar wieder unter Kontrolle. Die Gefängnisleitung sei mit Vertretern des Justizministeriums zusammengetroffen, um den Vorfall zu erörtern, fügte Sakis Totolides hinzu. Aus Ermittlerkreisen hieß es, die Häftlinge seien nach dem Vorfall durchsucht und dann zurück in ihre Zellen gebracht worden. Am Montag war die Lage in der Haftanstalt ruhig, wie aus Justizkreisen verlautete.

Justizminister Paraskevopoulos brachte bei einem Besuch des Gefängnisses am Sonntagabend seine „Trauer über den Verlust von Menschen“ zum Ausdruck. „Leider sind diese Probleme das Resultat der Überbelegung der Gefängnisse und des Personalmangels“, sagte der Minister. Er verwies auf ein kürzlich verabschiedetes Gesetz der neuen linksgeführten Regierung, wonach die Situation in den Haftanstalten des Landes verbessert werden soll. Zudem sollen mehr elektronische Fußfesseln eingesetzt werden, um bestimmte Häftlinge in den Hausarrest schicken zu können und so die Gefängnisse zu entlasten.

In Korydallos sind derzeit rund 2000 Häftlinge untergebracht, obwohl das größte Gefängnis des Landes eigentlich nur für 800 Insassen ausgelegt ist. In der Anstalt sitzen sehr unterschiedliche Straftäter ein - Kriminelle, Anarchisten sowie korrupte Politiker. Der Vorsitzende der Gewerkschaft des Gefängnispersonals, Spyros Karakitsos, kritisierte, die Lage in den griechischen Gefängnissen sei „außer Kontrolle“.

Von

afp

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