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16.01.2013

19:19 Uhr

Überfall auf BP-Standort

Terroristen verschleppen Ausländer in Algerien

Eine Gruppe schwer bewaffneter Terroristen überfällt in Algerien ein Gasfeld, tötet mindestens zwei Menschen und nimmt zahlreiche Ausländer als Geiseln. Noch kennt keiner ihre Forderungen.

Die BP-Anlage im Gasfeld Amenas im Osten Algeriens. dapd

Die BP-Anlage im Gasfeld Amenas im Osten Algeriens.

Algier/London/Dublin/OsloMutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer haben am Mittwoch in Malis Nachbarland Algerien ein Gasfeld überfallen und zahlreiche Ausländer in ihre Gewalt gebracht. Mindestens zwei Menschen wurden getötet, mindestens sieben Menschen verletzt. Unter den Geiseln sind möglicherweise bis zu 13 Mitarbeiter des norwegischen Statoil-Konzerns, nach Medienberichten aber auch Briten, Japaner, ein Ire und ein Franzose. Frankreich kämpft zurzeit an der Seite von Regierungstruppen in Mali gegen den Vormarsch islamistischer Rebellen. Die Anlage In Amenas liegt im Südosten Algeriens nahe der Grenze zu Libyen.

Über die genaue Anzahl der Geiseln gingen die Angaben zunächst weit auseinander. Der französische Rundfunk hatte zunächst von sechs Ausländern gesprochen. Am Mittwochnachmittag meldeten zwei algerische Medien aber, dass rund 40 Ausländer in den Händen der Rebellen seien. Laut algerischem Rundfunk handelt es sich bei einem der Getöteten um einen Briten. Eine Einheit der Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) habe sich für den Angriff verantwortlich erklärt, meldete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI. Die AQMI ist eine von drei Gruppen, gegen die Frankreich im benachbarten Mali kämpft. Sie hatte Rache für die französische Offensive angedroht.

Das algerische Innenministerium teilte mit, dass eine Gruppe schwer bewaffneter Terroristen in drei Fahrzeugen am Mittwochfrüh das Lager der Ölarbeiter überfallen habe. Die Bewaffneten hätten zunächst einen Bus ins Visier genommen, der mit einer Gruppe von Ausländern zum Flughafen von Amenas aufbrechen wollte. Dabei soll es die Toten und Verletzten gegeben haben. Dann seien sie in das Lager eingedrungen und hätten eine „unbestimmte“ Zahl Geiseln genommen. Algerische Truppen seien zu dem Ort entsandt worden. Das britische Außenministerium bestätigte am Mittwoch einen „fortdauernden terroristischen Vorfall“ in der Anlage nahe der Stadt In Amenas. Auch britische Bürger seien betroffen. Der Ölkonzern BP teilte mit, dass das Feld am Mittwoch um 06.00 MEZ von einer Gruppe Bewaffneter angegriffen und besetzt wurde.

Der Kontakt dorthin sei extrem schwierig. In Amenas befinde sich ein Flüssiggasfeld, das von der staatlichen algerischen Gesellschaft Sonatrach, BP und der norwegischen Statoil gemeinsam betrieben werde. Es liege 60 Kilometer westlich der libyschen Grenze. Statoil bestätigte in Norwegen, dass Terroristen das Gasfeld unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Bei einer Pressekonferenz in Stavanger sagte der zuständige Konzernsprecher Lars Christian Bacher, dass die Angreifer das Feld am Morgen „relativ schnell“ erobert hätten. 13 der 17 Statoil-Mitarbeiter seien zum Zeitpunkt der Attacke anwesend gewesen. Über ihre konkrete Lage wolle man sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern. Vorher hatte die Ehefrau eines Norwegers in Medien bestätigt, dass sich ihr Ehemann telefonisch als eine der von den Terroristen genommenen Geiseln gemeldet hätte.

Die algerische Zeitung „El Watan“ berichtete, zwei Franzosen und ein Japaner seien von bewaffneten Männern geschnappt worden, die mit Geländewagen unterwegs waren. Der irische Außenminister Eamon Gilmore forderte die sofortige Freilassung der Gefangenen. Bei dem Iren soll es sich um einen 36 Jahren alten Mann handeln, der zuletzt in Nordirland lebte. Irland biete der Familie des Entführten konsularische Hilfe an, sagte Gilmore. Darüber hinaus stehe die irische Regierung mit ihren internationalen Partnern in enger Verbindung. „Zu diesem Zeitpunkt sind die Identität und die Motive der Entführer noch unbekannt“, sagte Gilmore. Die Regierung in Dublin werde alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Befreiung ihres Landsmannes zu erwirken

Von

dpa

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