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03.10.2014

16:00 Uhr

Überfall aus Hinterhalt

Neun UN-Soldaten in Mali getötet

Die Terroristen im Norden Malis sind zwar vertrieben worden, doch sie kehren immer wieder zurück: Am Freitag sind UN-Soldaten überfallen und getötet worden. Der stellvertretende Chef der UN-Mission fordert Konsequenzen.

Terroristen sind in den Norden Malis zurückgekehrt und haben UN-Soldaten getötet. AFP

Terroristen sind in den Norden Malis zurückgekehrt und haben UN-Soldaten getötet.

BamakoBei dem bislang folgenschwersten Angriff auf die UN-Friedenstruppen in Mali sind am Freitag neun Blauhelmsoldaten getötet worden. Der Überfall auf eine Patrouille der UN-Stabilisierungsmission für Mali (Minusma) sei am Morgen nahe der Ortschaft Ménaka im Nordosten aus einem Hinterhalt verübt worden, teilte ein Sprecher mit. Die getöteten Soldaten stammten aus dem Niger.

Die Minusma habe umgehend Militärflugzeuge in das Kampfgebiet geschickt, um den Angriff zurückzuschlagen, erklärte der stellvertretende Chef der UN-Mission, Arnauld Akodjenou. Er nannte den Überfall einen „feigen terroristischen Akt“. „Dieses Verbrechen darf nicht ungestraft bleiben“, forderte Akodjenou.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Überfall auf die Patrouille. Die Minusma-Führung hatte zuvor mehrfach gewarnt, dass sich eine mutmaßliche Zelle der Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) in Mali aufhält. Erst Anfang September waren im Norden des Landes bei der Explosion einer Landmine vier UN-Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. Mitte August kamen zwei Blauhelmsoldaten und ein Attentäter bei einem Selbstmordanschlag ums Leben.

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Von

dpa

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