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09.07.2014

01:22 Uhr

Überfall bereits im Juni

Isis-Kämpfer plündern Chemiewaffenlager im Irak

Ein Brief des irakischen Uno-Botschafters enthüllt: Isis hat ein Chemiewaffenlager im Irak eingenommen. Machtlos musste die irakische Regierung dem Überfall der Rebellen zusehen - buchstäblich, per Überwachungskamera.

Ein Anhänger der Islamistengruppe Isis schwenkt deren Flagge. Wie erst jetzt bekannt wurde, drangen Isis-Kämpfer in eine ehemalige Chemiewaffenanlage im Irak ein. Reuters

Ein Anhänger der Islamistengruppe Isis schwenkt deren Flagge. Wie erst jetzt bekannt wurde, drangen Isis-Kämpfer in eine ehemalige Chemiewaffenanlage im Irak ein.

New YorkDie Extremistengruppe Islamischer Staat (Isis) hat laut der irakischen Regierung eine frühere Chemiewaffenanlage im Nordwesten Bagdads eingenommen. Dort seien unter anderem 2500 Raketen gelagert, die mit dem Nervengas Sarin oder deren Reststoffen gefüllt sind, teilte der irakische Uno-Botschafter Mohammed Ali Alhakim in einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Das Schreiben wurde am Dienstag veröffentlicht.

Darin heißt es weiter, „Terroristen“ seien am 11. Juni in die riesige Muthanna-Anlage eingedrungen. Den Wachleuten hätten die sunnitischen Extremisten dann Waffen und Ausrüstung abgenommen.

Alhakim erklärte in dem Schreiben, über das Videosystem der Anlage habe die Regierung beim Vormarsch der Rebellen sehen können, wie Teile des Lagers in Muthanna nördlich der Hauptstadt Bagdad von den Extremisten geplündert worden seien. Kurz darauf sei die Videoleitung von den Aufständischen zerstört worden.

Alhakim wies vor allem auf die von den Angreifern eingenommene Bunker 13 und 41 im Komplex hin, die laut einem Bericht der Uno von 2004 auch den Giftstoff Natriumcyanid enthalten, aus dem der Nervenkampfstoff Tabun hergestellt werden kann. Zudem werden dort mit Senfgas bestückte Granaten gelagert.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums reagierte allerdings gelassen auf die Nachricht. Man betrachte den Vorfall gegenwärtig nicht als besonders schwerwiegend, sagte der Pentagon-Sprecher. Die US-Regierung gehe davon aus, dass das in der Anlage aufbewahrte Material alt und nicht gebrauchsfähig sei.

Die Isis-Rebellen haben bei ihrem Vormarsch weite Teile des Nordiraks eingenommen, wurden zwischenzeitlich aber wieder aus einigen Gebieten vertrieben.

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Kommentare (1)

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Herr Thomas Hahn

09.07.2014, 08:42 Uhr

Wo kommen denn auf einmal die chemischen Waffen her? Die Aliierten haben doch Jahre lang nach chemischen Waffen im Irak gesucht, aber nie welche gefunden. Und die ISIS geht mal kurz dahin und schon sind Chemiewaffen da? Und wenn da vorher Chemiewaffen waren, warum haben weder die Amerikaner noch die von ihnen gestützte Vasallenregierung die Waffen beseitigt? Im Falle Syrien haben doch die Amerikaner so ein Geschrei angestimmt, obwohl es ihre Leute waren, die mit Giftgas aus von amerikanisch geführten Labors in Georgien Angriffe auf die syrische Bevölkerung unternommen haben. Ich hasse diese Doppelzüngigkeit der USA, der NATO und deren Verbündeten.

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