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16.04.2014

15:15 Uhr

Übergelaufene Truppen

Der „Anti-Terror-Einsatz“ in der Ukraine gerät ins Stocken

Ukrainische Regierungstruppen laufen zu den Separatisten im Osten über, Maskierte übernehmen den Stadtrat von Donezk: Die Lage gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Hoffnungen richten sich auf ein Krisentreffen in Genf.

Ukrainische Soldaten nahe Kramatorsk. Der Regierungschef klagt: „Außer Öl und Gas exportiert Russland auch Terror in die Ukraine.“ Reuters

Ukrainische Soldaten nahe Kramatorsk. Der Regierungschef klagt: „Außer Öl und Gas exportiert Russland auch Terror in die Ukraine.“

Donezk/Brüssel/BerlinDer „Anti-Terror-Einsatz“ der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes ist massiv ins Stocken geraten. In den Städten Kramatorsk und Slawjansk liefen Regierungseinheiten mit bis zu zehn gepanzerten Fahrzeugen zu den Aktivisten über. Örtliche Medien berichteten am Mittwoch, die Truppen seien mit den Fahrzeugen durch die beiden Städte rund 80 Kilometer nördlich der Gebietshauptstadt Donezk gefahren. Die Nato kündigte derweil eine stärkere militärische Präsenz in den östlichen Staaten des Bündnisses an.

Eigentlich waren die ukrainischen Einheiten zur Bekämpfung der moskautreuen Aktivisten in den Osten des Landes beordert worden. Das Verteidigungsministerium in Kiew wies die Berichte zurück. Es handele sich dabei um Fälschungen.

In der Gebietshauptstadt Donezk übernahmen am Mittwoch Maskierte gewaltlos den Stadtrat. In anderen Städten der Region bildeten sich Bürgerwehren. Sie wollten die Sicherheitskräfte der prowestlichen Führung in Kiew unterstützen und sich gegen die Separatisten verteidigen. Die Ausrufung eines Ausnahmezustandes im Osten lehnte Verteidigungsminister Michail Kowal ab.

In Slawjansk berichteten Bewohner, dass in der Bevölkerung Angst herrsche und sich kaum noch jemand auf die Straße traue. So war zum Beispiel die Universität geschlossen, wie Beschäftigte sagten.

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk erhob erneut schwere Vorwürfe gegen Russland: „Außer Öl und Gas exportiert Russland auch Terror in die Ukraine.“ Er forderte die Führung in Moskau auf, das Vorgehen der Separatisten als „Terrorakte“ abzulehnen. Russland müsse dies öffentlich einräumen und dann seine „Spionage- und Sabotagegruppen“ zurückziehen.

Die Nato verstärkt angesichts der Ukraine-Krise ihre militärische Präsenz in den östlichen Staaten des Bündnisses. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte am Mittwoch in Brüssel, es würden mehr Flugzeuge und Schiffe eingesetzt und auch Soldaten geschickt. Das Bündnis reagiert damit auf Bitten der baltischen Mitglieder Litauen, Lettland und Estland – einstige Sowjetrepubliken – sowie Polens und Rumäniens.

Kommentare (4)

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16.04.2014, 16:04 Uhr

So langsam gerät aber doch alles zur Farce! Wenn die USA ihre Vasallen nicht schnell auf Linie bringen, regeln die Ukrainer die Sache selbst und pfeifen auf eine Konfrontation mit Rußland.
Offensichtlich war es nur eine kleine Gruppe, die im Auftrag der USA gegen die demokratisch gewählte Regierung putschte und die Macht übernahm.
Ja, die Zeiten ändern sich. In Chile lief damals für die USA alles noch besser.
Da hat es auch nichts geholfen, dass der CIA-Chef persönlich in Kiew war, und zu retten versuchte was noch zu retten war.
Eine Aufarbeitung der Hintergründe des Putsches wird dringend notwendig werden und keine Ruhmesblatt für die USA werden!
Oder werden sie dies verhindern können?

Account gelöscht!

16.04.2014, 16:06 Uhr

"Die Bundesregierung lobte dagegen ausdrücklich das Vorgehen der ukrainischen Führung gegen prorussische Kräfte im Osten des Landes. „Aus unserer Sicht hat sich die ukrainische Regierung in dieser Krise bisher sehr besonnen und zurückhaltend verhalten“, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin."

Die Bundesrepublick im Auftrag der USA an der Seite der Putschisten! Peinlich!

Account gelöscht!

16.04.2014, 16:32 Uhr

Der „Anti-Terror-Einsatz“ der ukrainischen Regierung gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes ist massiv ins Stocken geraten. (Zitat)

Es ist ziemlich schwierig für einen ausserhalb Russland und Ukraine stehenden Beobachter nun zu unterscheiden "Who is who" .
Hier gilt es also Nerven zu behalten und wenn man dann noch ein Nato-Generalsekretär mit dem "Säbel rasseln" hört und gesagt bekommt von :"Anders Fogh Rasmussen sagte am Mittwoch in Brüssel, es würden mehr Flugzeuge und Schiffe eingesetzt und auch Soldaten geschickt". So fangen aber immer die Kriege an - und wir müssen also wieder ohne jegliche Volksabstimmung wie im Fall Afghanistan brav "mitlaufen"? Nun handelt es sich jetzt aber nicht um eine Grossmacht wie USA gegen ein kleines "Land" sondern die Nato repräsentiert wie auch Russland gegenseitige Grossmächte . Durch diese Kombination ist man irgendwie aber etwas "beruhigt", denn so eine Auseinandersetzung würde theoretisch gesehen sehr schnell zu einem 3.Weltkrieg ausufern und da geht man nicht gleich aufs Ganze. Wenn Deutschland sich jetzt also relativ "verhalten" hält- dürfte man die Situation-wie gesagt- nicht diesmal wie im 2. Weltkrieg jenes berüchtigte " wollt ihr den totalen Krieg" befürchten.

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