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09.10.2012

10:14 Uhr

Überraschender Kurswechsel

Romney und die vergessenen fünf Billionen

VonNils Rüdel

Fünf Billionen Dollar Steuersenkungen in zehn Jahren hatte Romney einst versprochen. Beim TV-Duell wollte er davon jedoch nichts mehr wissen. Mitt Romney hat seiner Wirtschaftspolitik einen neuen Anstrich verpasst.

Vom moderaten Gouverneur zum konservativen Geschäftsmann und zurück. Mitt Romneys wechselt in der Wirtschaftspolitik seine Strategie. dapd

Vom moderaten Gouverneur zum konservativen Geschäftsmann und zurück. Mitt Romneys wechselt in der Wirtschaftspolitik seine Strategie.

New YorkFünf Billionen Dollar ist eine Schwindel erregende Zahl. So Schwindel erregend, dass sie im amerikanischen Wahlkampf derzeit eine Menge Verwirrung stiftet. Angefangen hatte es beim denkwürdigen TV-Duell am Mittwoch, als die Zahl Barack Obama völlig aus dem Konzept brachte.

Sein Herausforderer Mitt Romney, dröhnte der Präsident gleich zu Beginn, wolle Steuern in Höhe von fünf Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren senken. Und zwar vor allem bei den Reichen, wofür am Ende die Mittelschicht bluten müsse. Ein Standard-Vorwurf aus Obamas Wahlkampf-Repertoire, und er passte ja auch so gut zum angeblich gierigen Millionär, dem die Hälfte seiner Landsleute egal sei.

Allein, Romney stritt es einfach ab. „Ich plane keine Steuersenkungen für höhere Einkommen, denen geht es doch gut”, behauptete er, warf damit kurzerhand eins seiner eigenen Wahlkampfversprechen über den Haufen und genoss es sichtlich, Obama kalt erwischt zu haben. Der erholte sich den Rest der Debatte nicht mehr.

Seither ist um die fünf Billionen ein bizarrer Streit ausgebrochen. In Reden und Fernsehspots beschuldigt der Präsident seinen Gegner der Lüge. Das Romney-Lager aber bleibt dabei: Wir haben keine Steuersenkungen in solchen Dimensionen versprochen.

Reaktionen auf TV-Debatte: „Hatte Obama ein Double geschickt?“

Reaktionen auf TV-Debatte

„Hatte Obama ein Double geschickt?“

Das Echo auf das erste TV-Duell ist für Barack Obama verheerend. Niemand begreift, wieso der US-Präsident im Duell mit Mitt Romney so passiv war. Der Herausforderer versucht das Momentum zu nutzen – Parteifreunde warnen.

Die Aufregung im Team Obama über die Zahl ist allerdings nur ein Symptom für ein viel größeres Problem: Sie haben es mit einem völlig neuen Mitt Romney zu tun. Vor allem in der Wirtschaftspolitik, dem wichtigsten Thema des Wahlkampfes, ist den Obama-Leuten der Gegner förmlich aus den Fingern geschlüpft. Konnten sie Romney gestern noch erfolgreich als republikanischen Extremisten darstellen, ist das seit der TV-Debatte nicht mehr so einfach.

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