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14.06.2013

12:21 Uhr

Überwachungsskandal

„Datenschutz ist nicht mehr realistisch"

VonSara Zinnecker

ExklusivNach dem US-Datenskandal geht die Angst um: Haben die Amerikaner auch Deutsche ausspioniert? Der ehemalige Hacker Sandro Gaycken kritisiert marode Sicherheitsstandards und nennt Alternativen zur digitalen Überwachung.

Sandro Gaycken forscht an der Freien Universität Berlin und ist Experte für Cyber-Krieg und Hochsicherheits-Infrastrukturen. Er berät unter anderem das Auswärtige Amt zu dessen Sicherheitsstrategien. dpa

Sandro Gaycken forscht an der Freien Universität Berlin und ist Experte für Cyber-Krieg und Hochsicherheits-Infrastrukturen. Er berät unter anderem das Auswärtige Amt zu dessen Sicherheitsstrategien.

Seit 2007 überwacht die US-Behörde NSA Telefon- und Internetdaten auch über soziale Netze wie Facebook oder Twitter. Doch wie weit geht die Überwachung? Und inwiefern sind deutsche Bürger betroffen? Handelsblatt Online sprach mit dem IT-Experten Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin über Geheimdienste, Hacker-Angriffe auf Unternehmen und die Zukunft des Datenschutzes.

Handelsblatt Online: In den USA hat der Nationale Sicherheitsdienst (NSA) systematisch Datenbanken der großen Internetfirmen angezapft.  Welche Daten können sich Nachrichtendienste eigentlich alles beschaffen?
Sandro Gaycken: Wenn wir von den großen, technischen Nachrichtendienste sprechen: die können alles. Die kommen an geschlossene Netzwerke heran, entwickeln auch die Programme, um Netzwerke gezielt anzugreifen. Die Sicherheitsstandards der meisten Unternehmen und Internetfirmen sind nicht so gut, um solche Nachrichtendienste aufzuhalten, von Privatleuten ganz zu Schweigen.

Von welchen Dimensionen sprechen wir denn hier? Wie viele Leute müssten zum Beispiel zusammenarbeiten, um eine Google-Datenbank zu knacken?
Da reichen 20 Leute. Bei den Nachrichtendiensten arbeiten nur Experten, jeder kennt sich in ein bis zwei Systemkomponenten aus. Selbst wenn die großen Internetanbieter ihre Systeme über verschiedene „Schutzschichten“ sichern. Wenn mehrere Experten zusammenwirken, kommt man auch da ran.

Und solche Geheimdienste beschäftigen insgesamt...
..."ein paar Tausend Leute. Die NSA zum Beispiel rund 5000. Bei den Europäern sind es ein paar Hundert.

Hat die NSA auch Daten von Deutschen abgegriffen?
Das könnte ich mir gut vorstellen. Einige Informationen, zum Beispiel innereuropäischer E-Mail-Verkehr, werden zum Beispiel über Server in den USA geleitet. Das heißt, die Information geht von Deutschland erst in die USA und erst dann, zum Beispiel, in die Türkei. In dem Moment aber, in dem die Daten in den USA sind, können sie auch legal, also nach US-Recht, ausgewertet werden.

Könnte man verhindern, dass deutsche Informationen auf amerikanische Server umgeleitet werden?
Da müsste man den großen Internetanbietern, den tier one providern, schon rechtlich vorschreiben, die Wege der Nachrichtenübermittlung, das Routing, vorzudefinieren. 

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

14.06.2013, 12:06 Uhr

Was wollt ihr?
Freies Internet oder Datenschutz?
Wer nichts zu verbergen hat, dem kann es egal sein.
Bei den Massen an Daten bleibt es größtenteils beim Sammeln und Horten derselben. Wer kann das schon alles auswerten und was soll es bringen? Dafür reichen die Arbeitslosen sämtlicher Staaten nicht aus.

Das macht mir keine Angst!

Aber wie es möglich ist hunderte Millionen Steuergelder ohne Überprüfung von Sinn und Nutzen für irgendwelche nicht in Eigenregie nutzbarer Drohnen auszugeben.
Gelder, die dem Staatshaushalt an allen Ecken und Kanten fehlen.

Die Möglichkeit unkontrollierter, permanenter, straffreier Steuergeldvernichtung in unserem Rechtsstaat....

...DAS MACHT MIR ANGST!

maikrawall@central.banktunnel.eu

14.06.2013, 12:41 Uhr

Alles Paranoiker diese Piraten!

http://sch-einesystem.tumblr.com/post/52938553362/http-www-youtube-com-watch-v-j4h22gkamhm-alles

Account gelöscht!

14.06.2013, 12:53 Uhr

@hagadi
das ist viel zu kurz gedacht. Die haben nicht nur viel Speicherplatz sondern auch viel schnelle Computer und entsprechende Auswertungsprogramme, die überall Muster erkennen können. ABER vor allem: sie müssen dies jetzt nicht auswerten, nur sammeln. Auswerten können sie dann gezielt, wenn die betreffende Person in den Fokus des Interesses gerät - z.B. subversive Kommentare beim HB schreibt. Dann kann man die Person bzw die über die Jahrzehnte gesammelten Daten gezielt nach Schwachstellen abklopfen (denken sie an Politiker oder solche, die es werden wollen). Sie tun nichts verbotenes? Schön, das schützt Sie aber nicht vor einer Änderung von Gesetzen. Vor 1933 war es auch nicht "verboten" Jude zu sein.
Besser, sie fangen jetzt schon in vorauseilendem Gehorsam an, zu überlegen, was in Zukunft gesellschaftlich geächtet werden könnte: Raucher, Fleischesser, heterosexuell (früher war homosexuell suspekt, in viele Staaten noch "verboten"), parteipolitisch engagiert,....? Reicht das Beispiel der bloggenden Ärztin nicht, die sich zum Fall Mollath geäußert hat und Besuch von der Polizei bekam? Wie wäre es mit dem gezielten "Targeting" von republikanischen Parteimitgliedern durch die US-Steuerbehörde? Die Überwachung/Abhörung von Journalisten (worüber Nixon nach gestolpert war)?
Ich empfehle Ihnen dringend mal wieder Orwell "1984" zu lesen. Leute von der "ich-tu-doch-nichts-Verbotenes"-Fraktion sind nämlich GENAU DAS PROBLEM das solche Überwachungsmonster gedeihen läßt. Ohne sie wäre ein Überwachungsstaat nicht möglich. Mit einer Presse, die auf Zack ist auch nicht!

Um die Freiheit zu bewahren, bilde und informiere die Masse der Menschen , denn nur darauf ist sicherer Verlass.
Thomas Jefferson (1743 – 1826)

"Wo das Volk die Regierung fürchtet, herrscht Tyrannei. Wo die Regierung das Volk fürchtet, herrscht Freiheit."
Thomas Jefferson (1743 – 1826)

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