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03.09.2014

21:21 Uhr

Übung in der Ukraine

Russland protestiert gegen Nato-Manöver

Die Nato plant mit ukrainischen Truppen eine Übung in der Westukraine. Moskau protestiert, kündigt aber selbst ein Militärmanöver an. Putin schlägt derweil einen Friedensplan vor – doch das Echo ist gespalten.

Panzer der ukrainischen Armee. Die Soldaten sollen bald mit der Nato üben. dpa

Panzer der ukrainischen Armee. Die Soldaten sollen bald mit der Nato üben.

Newport/MoskauEin geplantes Militärmanöver in der Westukraine mit Beteiligung Deutschlands und zehn weiterer Nato-Staaten sorgt für Protest aus Russland. Die für Mitte September vorgesehene Übung „Rapid Trident“ (Schneller Dreizack) sei angesichts des Ostukraine-Konflikts eine Provokation, sagte Generaloberst Leonid Iwaschow am Mittwoch der Agentur Ria Nowosti zufolge in Moskau. Es bestehe die Gefahr, dass ein begrenztes Nato-Truppenkontingent nach dem Manöver einfach in der Ukraine verbleiben könne.

„Außerdem ist es nicht human, dass die Nato in einer Zeit, in der sich die Ukraine faktisch im Bürgerkrieg befindet, ihre militärische Unterstützung für das Kiewer Regime demonstriert“, sagte Iwaschow.

Die Bundeswehr will sich mit vier Soldaten an dem von den US-Streitkräften geleiteten Manöver mit insgesamt 1300 Soldaten beteiligen. Die Übung findet nach US-Angaben vom 15. bs 26. September 60 Kilometer vom westukrainischen Lwiw (Lemberg) entfernt statt.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Das deutsche Stabspersonal soll für die Auswertung der Übung und für die Logistik zuständig sein. Im Verteidigungsministerium hieß es, dass die endgültige Entscheidung über eine deutsche Beteiligung aber erst kurz vor Beginn des Manövers unter Berücksichtigung der aktuellen Bedrohungslage und der politischen Situation getroffen werde.

„Rapid Trident“ ist eine jährlich stattfindende Übung, mit der die „Partnerschaft für den Frieden“ zwischen der Nato und 22 asiatischen und europäischen Staaten außerhalb der Nato gefördert werden soll. Dieses Jahr nehmen auch Soldaten aus der Ukraine, Aserbaidschan, Georgien und Moldau teil.

In Moskau kündigte das russische Verteidigungsministerium seinerseits ebenfalls ein großes Militärmanöver für September an. Geplant sei eine Übung mit mehr als 4000 Soldaten und einer großen Anzahl von Militärtechnik in Westsibirien, sagte Major Dmitri Andrejew.

Kommentare (11)

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Frau Ellis Müller

04.09.2014, 08:19 Uhr

Die ukrainisch Oligarchen Regierung wird keinem noch so guten Vorschlag zur Befriedung zustimmen. Die wollen die Nato, die EU und Deutschland in eine militärische Auseinandersetzung mit Russland ziehen.
Nein, ich bin kein Putinfan. Ich weiß aber, daß Russen ebenso Menschen sind, wie alle anderen Nationen auch. Und ich will keinen Krieg zweier Atommächte auf europäischen Kontinent.

Herr Dipl. Ing.

04.09.2014, 08:26 Uhr

Was regen die Russen sich so auf? Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nato in Russland einmarschiert ist sehr gering, jedenfalls geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass Russland in der Ukraine einmarschiert. Bleibt jeder auf seinem Territorium sind alle glücklich und zufrieden!

Herr Ylander Ylander

04.09.2014, 08:32 Uhr

Ich empfehlhe Obama, Merkel & Co: Schultz von Thun, Miteinander Reden

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